Kongohilfe von Dialog International:

Brot und Friede für Bauern in Uvira

Eine Umfrage unserer Partnerorganisation in Uvira „Appui aux Initiatives de développement“ (AID) brachte ein alarmierendes Ergebnis. Drei Viertel aller Haushalte in Uvira werden von alleinerziehenden Frauen versorgt – meist Opfer des Krieges. Und 70 % dieser Frauen sind zu arm, um die Kinder zur Schule zu schicken oder auch nur für ihre Ernährung und Kleidung zu sorgen. (Da die Staatsstrukturen im Ostkongo zusammengebrochen sind und Lehrer seit Jahren kein Gehalt mehr bekommen, müssen Eltern für den Unterricht ihrer Kinder bezahlen, in Geld oder Naturalien.)

Ohne Frieden kein Brot...

Die Lage um Uvira ist nach wie vor unsicher. Reste der verschiedenen Milizen und Armeen plündern und brandschatzen; allein von August bis Mitte Oktober 2003 wurden UNO-Berichten zufolge 452 Frauen und 7 Männer in der Region vergewaltigt.

Eine weitere Gefahr ist das Stammesdenken. In dem fruchtbaren Land am Tanganjikasee leben seit alters her Menschen verschiedener Volksgruppen zusammen. Während des Krieges haben Politiker und Warlords versucht, Mißtrauen und Haß zwischen diesen Volksgruppen zu schüren. Verkompliziert wird die Lage durch die Flüchtlingsströme. Von den 375 000 Bewohnern der Region Uvira ist jeder fünfte vor dem Krieg geflohen, in andere Landesteile oder über den See nach Tanganjika. Viele kehren jetzt nach und nach zurück. Andererseits leben in der Region Tausende ruandischer Flüchtlinge, die noch nicht nach Ruanda zurück wollen.

... ohne Brot kein Frieden

Hier wie überall in der Seenregion gilt: ohne Frieden kein Brot, ohne Brot kein Frieden. Das Projekt Brot und Frieden, das die AID mit Unterstützung von Dialog International im Sommer begonnen hat, setzt deshalb an beiden Punkten an. Das Projekt hilft 200 Bauernfamilien, ohne Ansehen ihrer ethnischen Herkunft.

Ziel ist, eine genossenschaftliche Struktur entstehen zu lassen. Die Genossenschaft gliedert sich in Bezugsgruppen von je zehn Familien. Saatgut und Vieh werden innerhalb dieser Gruppe als rotierende Kredite vergeben; Werkzeug wird gemeinsam angeschafft und an die Mitglieder verliehen. Mehrere Gruppen gemeinsam schaffen eine Maniokmühle oder Reismühle an, um ihre Produkte auch weiterverarbeiten zu können. Zur Schlichtung von Streitigkeiten sollen Barzas eingerichtet werden, die traditionellen Schiedsgerichte, bei denen die Dorfältesten gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Barza wird zwischen den Ethnien und sozialen Schichten vermitteln und über die Rechte und Pflichten der Einzelnen als Bürger und als Genossenschaftsmitglieder informieren.

Am Anfang aber standen Vorbereitungstreffen und Schulungen. Es ging dabei um die notwendigen landwirtschaftlichen Kenntnisse, das System der rotierenden Kredite, das Prinzip der genossenschaftlichen Zusammenarbeit und die Funktion der Barza. Es ging auch erst einmal darum, das Selbstbewußtsein der verletzten und traumatisierten Menschen zu stärken, ihr Bewußtsein für Frieden und friedliche Konfliktlösung und für die Verteidigung gemeinsamer Interessen.

Das Projekt hat letzten Sommer begonnen. Auf Fotos sehen wir ausgemergelte Menschen bei den Einführungsseminaren. Im Winter 03/04 ist die erste Ernte eingeholt worden. Unsere Partner schreiben: „Der Geist des Hasses und des Mißtrauens, der seit 30 Jahren zwischen den verschiedenen Bewohnern unseres Gebiets schwelt, ist durch zwei aufeinander folgende Kriege in unserem Land zum Ausbruch gekommen. Der Landbau und die Viehzucht bringen einen großen Teil der sozialen Schichten, die oft Konflikte haben, einander wieder näher.“

Wir brauchen Ihre Hilfe

Doch die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Wir benötigen noch rund 3.000 Euro, damit das Projekt bis Ende 2004 erfolgreich zu Ende geführt werden kann. Wer kann uns dabei helfen?

Unser Konto: Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 37020500, Konto 82 713 00