November 2006

Der Kongo hatte die Wahl …
… und Sie haben auch die Wahl bei unserer Kongohilfe

In diesem Jahr konnten die Kongolesen das zweite Mal in ihrer Geschichte an einer demokratischen Wahl teilnehmen. Das erste Mal, 1960, bekamen Patrice Lumumba und seine MNC/L die Mehrheit. Die rücksichtslose Ermordung Lumumbas führte dann zum Bürgerkrieg und zur jahrzehntelangen Mobutu-Diktatur mit allen katastrophalen Folgen. Nach dem Sturz von Mobutu und der Ermordung seines Nachfolgers, Laurent Desiré Kabila, kam nochmal ein Krieg über den Kongo, der mehrere Millionen Menschenleben kostete. Ein innerkongolesischer Dialog und internationale Vermittlungen führten 2003 in Sun City (Südafrika) zu einer Vereinbarung: eine Übergangsregierung, welche die Verfassung erarbeiten und demokratische Wahlen vorbereiten sollte. Wichtig ist, daß das kongolesische Volk, trotz enormer Schwierigkeiten, endlich von seinem Wahlrecht Gebrauch machen konnte und seinen Willen zeigte, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Das nationale Parlament, die Abgeordneten der Regionalparlamente und der Staatspräsident wurden gewählt.

Für die Menschen in unseren Partnergruppen waren die Wahlen in diesem Jahr ein außerordentlich wichtiges Ereignis, das sie in zahlreichen Versammlungen zu Demokratiefragen vorbereitet haben. Wir hätten gerne mehr davon unterstützt, unsere Mittel reichten jedoch nicht aus. Entscheidend wird jetzt sein, die Institutionen der Gewaltenteilung zu stärken. Werden die Abgeordneten Wächter der Demokratie sein oder nur die Entscheidungen der Regierung abnicken? Nichts ist jetzt wichtiger als eine Kontrolle der politischen Macht, als Transparenz und Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Volk, welches einen Teil seiner Souveränität zurückbekam. Jetzt liegt es auch an der internationalen Staatengemeinschaft, an den sogenannten „Geberländern", diese Volkssouveränität nicht wieder, wie in der Vergangenheit, dadurch zu unterminieren, indem eine Regierung „Budgethilfen" bekommt, die dafür dem eigenen Volk gegenüber nicht rechenschaftspflichtig ist. Wie viele Diktatoren in Afrika konnten nur deshalb schalten und walten wie sie wollten, weil der größte Teil ihres Staatshaushaltes aus dem Ausland kam?!...

Dialog International arbeitet mit Gruppen der Zivilgesellschaft, deren Mitglieder bisher noch nicht die Erfahrung machten, daß sich „staatliche Strukturen" um ihr Wohl kümmerten. Deshalb waren sie auf sich selbst angewiesen – und so wurden eine Fülle von Vereinen und Organisationen gegründet. Eine Reihe davon gehört zu unseren Partnergruppen, wir haben sie in den letzten 15 Jahren, so gut wie wir konnten, unterstützt und wollen dies auch künftig tun.

Mikrokredite

Wir helfen z.B. Frauengruppen. Geringe Mittel haben hier eine große Wirkung. Und das sind Beiträge zur Reduzierung der Armut bei Frauen, die anderswo keinen Kredit bekommen. Eigentlich geben wir ihnen Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Doch die Gruppe macht daraus einen Mikrokredit für das einzelne Mitglied und die Verteilung geht reihum, deshalb der Name „rotierender Kredit". Die Gruppe entscheidet, wer, wann, was bekommt und die Empfänger der Mittel müssen den Kredit auch an ihre Gruppe zurückzahlen, mit etwas Zins. Dadurch wird letztenendes die eigene Gruppe gestärkt und das ist eine gute, bewährte afrikanische Lösung. Von den erhaltenen Mitteln werden von der Gruppe Saatgut oder Kleinvieh erworben und dann an ausgewählte Gruppenmitglieder ausgeliehen und das erhaltene Saatgut wird nach der Ernte wieder zurückgegeben. Ebenso wird das ausgeliehene Mutterschwein nach dem Wurf und der Aufzucht von Jungen an andere Gruppenmitglieder weitergereicht. Barmittel – in der Regel werden Beträge zwischen 20 bis 50 Dollar ausgeliehen – dienen dem Kleinhandel einer Frau, werden nicht selten jeden Tag komplett umgesetzt und so verbleibt immer ein winzig kleiner Reingewinn, gedacht für den persönlichen Bedarf und für die Ratenrückzahlung an die Gruppe. Die Rückzahlungsquoten sind infolge der sozialen Kontrolle erfahrungsgemäß außerordentlich hoch. Allerdings können gelegentlich auch schon mal Verluste durch Tierkrankheiten oder Missernten entstehen.

Wir bereiten ein neues Mikrokreditprogramm vor, bei dem u.a. einige hundert Frauen aus einer Reihe von Organisationen weitere Mikrokredite bekommen sollen. Zusätzlich sollen Alphabetisierungskurse angeboten werden, denn 95 % der Gruppenmitglieder können in der Regel gar nicht lesen und schreiben – und sind hoch motiviert, dies noch zu lernen. Für dieses Programm benötigen wir – sollte das Entwicklungsministerium den Hauptzuschuss bewilligen - einen Eigenbeitrag zwischen 3 bis 4.000 Euro. Wir möchten Sie ganz herzlich bitten, uns mit Ihrer Weihnachtsspende für dieses Vorhaben zu unterstützen. Stichwort ist: „Mikrokredite"

Aufforstung + Ofenrevolution

Schon seit fast drei Jahren werden in Burhinyi, im Hochland des Kivu, am Rande des Kongobeckens, rund 80 km südwestlich von Bukavu, mit unserer Unterstützung Bäume gepflanzt. Die Gegend wurde übermäßig abgeholzt ohne Wiederaufforstungsmaßnahmen und war dann auch noch durch den Krieg besonders schwer betroffen. Inzwischen wachsen hier schon einige hunderttausend junge Pflänzchen, vorwiegend Wald- aber auch einige tausend Fruchtbäume: letztere werden einen Beitrag gegen Hunger und Proteinmangel leisten - ein großes Problem in dieser Region. In wenigen Jahren wird dort erneut ein nachhaltig nutzbarer Regenwald entstanden sein.

Aufforstung war in letzter Zeit ein Schwerpunkt unserer Arbeit im Ostkongo und soll dies vorläufig auch bleiben. Weitere Vorhaben sind in Planung und dringend notwendig, vor allem im Raum Uvira, an den Hängen zum Tanganjikasee und in Kamisimbi, früher, vor der Abholzung durch Tausende von Ruandaflüchtlingen, die Schweiz des Ostkongos genannt. Doch genügt nicht, nur Bäume zu pflanzen. Je näher wir an die städtischen Zonen kommen, desto größer ist der Holzbedarf für den althergebrachten, traditionellen Drei-Steine-Ofen, mit dem immer noch fast überall das Essen zubereitet und abends die Hütte gewärmt wird. Dabei sind durchaus preiswerte, besser geeignete Techniken für andere Öfen in Afrika bekannt, die mit einem Bruchteil an Holz auskommen – sie sind jedoch im Kongo bisher nicht verbreitet. Der Drei-Steine-Ofen schluckt Unmengen Holz und der Rauch schädigt in den Hütten die Atemwege. Der größte Teil der Wärme entweicht, statt genutzt zu werden und genau das lässt sich ändern. Wir wollen so schnell wie möglich handwerklich begabte Frauen und Männer ausbilden, die mit lokalen Materialien einfache Lehmöfen herzustellen lernen, und dann ihre Erfahrungen weitergeben. So kann der Holzverbrauch spürbar reduziert werden. Zusätzlich tragen Lehmöfen mit Ofenrohr zur Schonung der Gesundheit der Hüttenbewohner bei, indem sie den Rauch nach außen leiten. Die Lehm-Ofenbauer sollen aus Uganda kommen. Wir haben uns qualifiziert beraten lassen und wollen weitere solche Seminare möglichst auch in anderen Landesteilen durchführen, denn überall im Land bestehen die gleichen Probleme. In Uganda sind von diesem Lehmofen bereits über 150.000 Exemplare dauerhaft im Einsatz. Mit etwas Glück gelingt uns vielleicht, auch im Kongo diese neue Ofentechnik zu verbreiten. Frauen und Kindern müßten dann weniger oft weit von ihrem Wohnort entfernt Holz sammeln. Gleichzeitig sollen in den von der Abholzung stark betroffenen Gebieten Mittel für weitere Aufforstungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Mit Ihrer Weihnachtsspende, unter dem Stichwort: „Ofenprojekt" geben Sie uns einen Baustein zur „Ofenrevolution" und helfen uns, weitere Aufforstungsmaßnahmen durchzuführen.

Kindersoldaten

Der Kongokrieg hat die Kindersoldaten gleich mehrfach betrogen. Erstens um ihre gesamte Jugend, zweitens um ihre Schulausbildung, drittens um Wiedereingliederungshilfen, die bei Auflösung ihrer Einheiten nur die erwachsenen Soldaten erhielten und viertens - dies wurde Ende Oktober durch einen Bericht der Deutschen Welle und Unicef bekannt - auch noch um jene Wiedereingliederungshilfen, welche die internationale Gemeinschaft in Höhe von 160 Millionen speziell für sie zur Verfügung stellte, - die nie ankamen! -„weil sich die Regierung in Kinshasa nicht kümmert und weder Verwaltung noch Justiz noch Gesundheitswesen im Kongo funktionieren." Auch wir bei Dialog International hatten Kenntnis davon, dass diese Gelder in Kinshasa lagen, und haben vergeblich gehofft, aus den Programmen ein Projekt im Ostkongo für die Ausbildung und Eingliederung von einigen hundert Kindersoldaten unterstützt zu bekommen.

Trotzdem konnten wir im vorigen Jahr vor allem dank der Unterstützung der Stiftung Demokratie im Alltag 10 Monate lang 65 ehemalige Kindersoldaten als Schreiner und Lederwarenhersteller ausbilden. Jeder Lehrling erhielt am Ende der Ausbildung, zum Start ins neue Leben, etwas Handwerkszeug, um das neu erlernte Handwerk fortsetzen zu können und eine Ziege dazu, für die er persönliche Verantwortung übernahm. Jetzt fragen viele andere ehemalige Kindersoldaten an: „Können wir nicht auch solch eine Ausbildung bekommen?" Geplant ist jetzt noch einmal ein Programm für 130 ehemalige Kindersoldaten, die in einem halben, teilweise in einem dreiviertel Jahr ein Handwerk erlernen und für eine selbständige Tätigkeit vorbereitet werden sollen. Darunter sind 25 Mädchen, die auch bei den Milizen waren. Sie sollen die Schneiderei erlernen. Die o.g. Stiftung hat uns dafür bereits eine Anschubfinanzierung zugesagt, doch benötigen wir noch erhebliche weitere Mittel, um alles finanzieren zu können. Wenn Sie sich für die Unterstützung einer Berufsausbildung für ehemalige Kindersoldaten entscheiden, bitten wir Sie herzlich um eine Weihnachtsspende mit dem Stichwort: „Kindersoldaten".

Unterstützen Sie unsere Kongohilfe!

Für drei Arbeitsbereiche – Mikrokredite – Ofenprojekt - Kindersoldaten - bitten wir Sie herzlich um Ihre Unterstützung! Sie entscheiden mit dem o.g. Stichwort, welches Projekt Ihre Priorität genießt und dadurch vielleicht am schnellsten realisiert werden sollte. Wenn für ein Projekt mehr Unterstützung eingeht als benötigt wird, kommen diese Mittel den anderen Projekten zugute. Und wenn besonders viel für ein Projekt gespendet wird, wissen wir, wo künftig, Ihrem Wunsch gemäß, besondere Schwerpunkte in unserer Arbeit gesetzt werden sollten. Entscheiden Sie also mit, durch das Stichwort auf Ihrer Spendeneinzahlung, was wir in den nächsten Monaten in unserem Verein Dialog International unternehmen!

Wir danken Ihnen ganz herzlich für jegliche Hilfe.

Künftige Vorhaben von Dialog International im Kongo

Hier stehen noch eine Reihe von weiteren, sehr gut geeigneten Projekten auf unserer Warteliste, die im Kongo eine Entwicklung voranbringen und die schlimmste Not lindern können.

Dazu zählt eine Maßnahme für Straßenkinder: speziell für schwangere Mädchen und Kindermütter in Kinshasa, die schon begonnen hat und ein Schwerpunkt der Hilfe unserer Freunde in Düren ist. Falls Sie darüber nähere Informationen erhalten möchten, lassen Sie uns dies bitte wissen. Ein weiteres interessantes Projekt ist die Gründung einer kleinen Spar- und Darlehnskasse im Osten – eine Weiterentwicklung des Gedankens der Mikrokredite. In verschiedenen Regionen wollen die Menschen außerdem Verbindungswege zu ihren Dörfern ausbessern und erneuern, kleine Reparaturen an Schulen und andere Gebäuden vornehmen. Kleine Vorhaben, welche den Bauern u.a. bessere Vermarktungsmöglichkeiten bieten, übrigens sind solche Hilfen direkt in der Satzung von Dialog International verankert. Nicht zuletzt soll auch die Ausbildung für Dorfgesundheitshelfer in weiteren Regionen des Landes, z.B. in Bas-Congo fortgesetzt werden.

Bei allen Projekten gilt: Ideen und Vorschläge kommen von unseren Partnern im Kongo. Ein Projektkomitee aus Mitgliedern von Dialog International berät über die Anträge und entscheidet über ihre Dringlichkeit sowie darüber, was in die Förderung aufgenommen werden kann. Und Sie, liebe Spenderinnen und liebe Spender, entscheiden mit Ihrer Unterstützung, wie viel wir letztenendlich überhaupt tun und bewirken können. Bisher konnten die Kongospenden immer unmittelbar in die Projekte weitergeleitet werden und wurden meist durch öffentliche Zuschüsse verstärkt. So kamen in den letzten Jahren zu jedem Spenden-Euro zwischen drei und sieben Euro Zuschuss hinzu. In unserer Arbeit versuchen wir weiterhin, die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten, bei öffentlich geförderten Projekten liegen sie im Bereich von 4 %.

Die Spendenbescheinigungen für das Finanzamt werden, wie jedes Jahr, mit einem Jahresbericht, kurz vor Weihnachten an Sie verschickt.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und danken für Ihre wohlwollende Unterstützung.