Das aktuelle Kongo-Presse-Tagebuch

Das Kongo-Presse-Tagebuch gibt eine persönliche Meinung wieder. Auf keinen Fall die offizielle Meinung von Dialog International

Die angegebenen Links sind teilweise nur kurzfristig im Internet frei erreichbar.

Dienstag, 31. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 21.15 Uhr

Bemerkenswert an den Meldungen, die heute im Laufe des Tages zum Thema „Kongo" eintrafen ist, daß sie so bunt sind wie Afrika bunt ist. Ob dies der neue Trend oder Zufall ist?

Hätte das einer gedacht, daß heute aus den USA mal eine ganz sensationelle Nachricht kommt und dann auch noch aus dem Weißen Haus? Und für Deutschland meldet dies wie üblich solo die Rheinpfalz: US-Präsident George W. Bush hat das Vermögen von mehreren kongolesischen Politikern und Geschäftsleuten einfrieren lassen, die seiner Ansicht nach zur Destabilisierung der Lage in der Demokratischen Republik Kongo beitragen. Die Auseinandersetzungen im Kongo seien der "tödlichste Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg", begründete Bush am Dienstag in einer schriftlichen Erklärung die Maßnahme. http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=NEWSTICKER061031175929.xou9ndsf

Auch der „Bote der Urschweiz" bringt diese Meldung, sogar etwas ausführlicher in einer Version der Schweizerischen Depeschenagentur: Bush friert Vermögen von kongolesischen Politikern ein - US-Präsident George W. Bush hat das Vermögen von mehreren kongolesischen Politikern und Geschäftsleuten einfrieren lassen. Diese tragen seiner Ansicht nach zur Destabilisierung der Lage in der Demokratischen Republik Kongo bei.

sda.- Die Auseinandersetzungen im Kongo seien der "tödlichste Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg", begründete Bush in einer schriftlichen Erklärung die Massnahme. Betroffen sind die kongolesischen Milizenführer Laurent Nkunda, Ignace Murwanashyaka und Khawa Panga Mandro sowie mehrere Geschäftsleute.

Ausserdem gilt die Strafmassnahme für alle anderen Führer von bewaffneten Gruppen, die dem Friedensprozess im Kongo schadeten, wie es im Schreiben des Präsidenten an den US-Kongress heisst. Die Sanktionen traten in der Nacht zu Dienstag in Kraft.

Eigentlich bleibt nur noch die Frage, warum sie denn erst jetzt darauf kommen? http://www.bote.ch/page/sdanewsticker/index.cfm?id=87017

Somit hat George Busch wahrscheinlich auch mal was Gutes getan und deshalb soll hier auch jeder seinen Brief an das Repräsentantenhaus lesen können: http://www.whitehouse.gov/news/releases/2006/10/20061031-3.html Und eine Executive Order mit weiteren Namen krimineller Elemente, vor allem aus der Osteuropa-Mafia findet sich hier: http://www.whitehouse.gov/news/releases/2006/10/20061031-2.html

Die Deutsche Welle brachte heute einen Bericht über Kindersoldaten im Kongo, vielleicht angeregt durch Unicef, die dort ein Problem haben, welches eigentlich unglaublich ist. 160 Millionen Euro hat die internationale Staatengemeinschaft für die Wiedereingliederung der Kinder bereit gestellt. Weil sich die Regierung in Kinshasa nicht kümmert und weder Verwaltung noch Justiz noch Gesundheitswesen im Kongo funktionieren, kann das Geld vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und anderen Organisationen gar nicht ausgegeben werden. Wieso eigentlich will man nur mit der offiziellen Regierung zusammenarbeiten? Und wenn man nicht anders kann, dann ist ja offensichtlich das Geld in eine falsche Richtung geschoben werden. Der Kongo hat zahlreiche hervorragende Organisationen der Zivilgesellschaft, die mit entsprechender internationaler Begleitung Super-Projekte durchführen könnten. Statt dessen wartet man auf den maroden Staat. Man muß sich fragen, wo diese Herrschaften eigentlich ihren Verstand haben. Dialog International hatte z.B. – man kann dies in den älteren Tagebüchern nachlesen, ein umfassendes Programm für über 300 Kindersoldaten pro Jahr ausgearbeitet. Aber Geld dafür gab's nirgends, obwohl man wußte, in Kinshasa liegt Geld…. http://www.dw-world.de/dw/article/0,,2220542,00.html?maca=de-rss-de-top-1016-rdf

EU-„Außenminister" Solana weiß schon, daß die EUFOR-Soldaten pünktlich abziehen können, meldet Reuters heute: "Die Lage erlaubt das Festhalten am Zeitplan", sagte Solana am Dienstag in Madrid. http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2006-10-31T144656Z_01_KOE151597_RTRDEOC_0_KONGO-EU-SOLANA.xml

In einer anderen Meldung schreibt Reuters heute: Im Kongo machen gefälschte Ergebnisse der Präsidentenwahl die Runde. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Apollinaire Malu Malu, berichtete, es würden falsche und unvollständige Ergebnisse des zweiten Durchgangs der Präsidentenwahl vom Sonntag verbreitet. Die Kommission sei besorgt, dass das neue Gewalttätigkeiten provoziere. Die Verbreitung falscher Ergebnisse könne ein "Klima unnötiger und gefährlicher Spannungen" erzeugen. Malu Malu wollte sich nicht dazu äußern, wann das Endergebnis vorliegen wird. Die Auszählung brauche Zeit. Der Kongo sei so groß wie Westeuropa und verfüge kaum über Straßen.

http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2006-10-31T161905Z_01_KOE158730_RTRDEOC_0_KONGO-ZF.xml

Die Rheinpfalz bringt eine afp-Meldung, nach der das Bemba-Lager dem Gegner schon heute Wahlfälschung vorwerfe: Mit gegenseitigen Beschuldigungen der konkurrierenden Lager ist in der Demokratischen Republik Kongo die Auszählung der Stichwahl um das Präsidentenamt angelaufen. Das Wahlbündnis von Vizepräsident Jean-Pierre Bemba beschuldigte am Dienstag die Anhänger von Amtsinhaber Joseph Kabila der versuchten Wahlfälschung. Dessen Bündnis wies die "unangemessenen" Anwürfe zurück, mit denen Bembas Anhänger nur "der Wahrheit der Wahlurnen" entkommen wollten. Internationale Beobachter zeigten sich über die Stimmabgabe am Sonntag aber weitgehend zufrieden. Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union (AU), Alpha Oumar Konaré, lobte den Verlauf der Stichwahl. http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=NEWSTICKER061031162825.2jckmxaa

CNN brachte heute einen langen Bericht von Associated Press darüber, daß in der Stadt Bumba, in der am Sonntag Unruhen waren, heute nochmal die Wahllokale geöffnet wurden, um die unterbrochene Wahl fortzusetzen. Daneben werden zahlreiche Reaktionen zum Wahltag gebracht.

http://edition.cnn.com/2006/WORLD/africa/10/31/congo.elections.ap/index.html?section=cnn_latest

Die BBC widmete heute eine Sendung den Wahlbeobachtern im Kongo – auch ein Novum unter der Berichterstattung und stellt fest, daß diese ganz allgemeine die Organisation der Wahlen in höchsten Tönen gelobt haben, trotz einiger kleiner Schwierigkeiten. Ein amerikanischer Beobachter habe gesagt, diese Wahlen seien „Lichtjahre" von dem entfernt, was bisher im Kongo gesehen wurde. Während in Bumba schon heute die Wahl wiederholt wurde, wird in Fataki, wo der betrunkene Soldat Unheil anrichtete am morgigen Mittwoch eine Wahlwiederholung stattfinden. http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/6101538.stm

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letzte Aktualisierung: 31.10.06, 08.55 Uhr

Hier muß eine Meldung aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29.10. nachgetragen werden, auch wenn jetzt schon zwei weitere Tage ins Land gegangen sind. Da ist also auf der zweiten Seite im Beitrag „Risse in der Heimatfront" über die Auslandseinsätze der Bundeswehr ein Abschnitt zum Kongo zu lesen, der hier registriert werden muß. „…Da das Vertrauen in die Fähigkeit der Bundesregierung gestärkt werden soll, nicht nur an jedem Flecken der Erde einen Einsatz beginnen, sondern ihn ebenso auch wieder beenden zu können, rückt Kongo zunehmend ins innenpolitische Rampenlicht: „Die angekündigte Beendigung des Kongo-Einsatzes zum 30.November ist wichtig, damit die Bürger, aber auch die Abgeordneten sehen, daß wir unsere Zusagen einhalten", sagt Minister Jung.(…) In den Regierungsfraktionen ist das besonders wichtig für die von Anfang an skeptische CSU. Er sei dankbar, daß der Verteidigungsminister sich so eindeutig auf ein Ende des deutschen Einsatzes Ende November festgelegt habe, sagt der CSU-Mann Hans Raidel. Wie dann die Lage in dem afrikanischen Land sei, interessiere ihn nicht. Schließlich gebe es die internationale Monuc-Truppe. Außerdem glaube er nicht, daß die Befürchtungen einträfen, es werde in Kongo zu Unruhen kommen."

Ob denn die ganze höchst merkwürdige deutsche Kongo-Wahlberichterstattung mehr innenpolitische Ziele verfolgt und deshalb nicht die objektive Information der deutschen Bevölkerung über den Wahlvorgang zum Inhalt hat? Hier sollte zur Kenntnis genommen werden, daß offenbar für den Hern Raidel vier Millionen Tote im Kongo kein Anlaß sind, sich mal für den Kongo zu interessieren. Nun ist das in Bayern vielleicht bis hinauf zur Süddeutschen Zeitung Konsens. Man muß vielleicht ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, daß der Stamm der Bayern sich mehr als andere mit sich selbst befassen muß und deshalb sich nicht auch noch um „Stammeskonflikte" weit weg in Afrika kümmern kann. Der Artikel ist im Internet nicht frei verfügbar.

Nun zur Wahlberichterstattung. Die Frankfurter Rundschau bringt heute eine AP-Meldung, welche den gestrigen Tag des Einsammelns der Wahlurnen zusammenfasst. In der nordöstlichen Stadt Fakati an der ugandischen Grenze, in einer Region, die noch nicht befriedet ist, hat ein Soldat zwei Wahlhelfer erschossen und daraufhin wurden dort 43 Wahllokale verwüstet. Der Soldat sei betrunken gewesen. Im übrigen Land wurden ganz normal die Wahlurnen eingesammelt und die Stimmauszählung begann. http://www.fr-akt

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In der französischsprachigen Presse bringt La Nouvelle Observateur die sachliche und unemotionale AP-Meldung über den Ablauf des Wahltages http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20061030.OBS7360.html

Auch La dernier Heure bringt eine ähnliche Meldung http://www.dhnet.be/dhinfos/article.phtml?id=159159 und auch Le Figaro betont den ruhigen Ablauf des Wahltages in einer kürzeren Nachricht http://www.lefigaro.fr/international/20061030.FIG000000273_vote_calme_en_republique_democratique_du_congo.html Associated Press verbreitet die Stellungnahme des UNO-Generalsekretärs zum Wahltag: http://fr.news.yahoo.com/31102006/5/kofi-annan-felicite-les-congolais-pour-la-tenue-de-l.html Le Monde versucht ein Stimmungsbild des Wahltages im Regen abzuliefern, was nur begrenzt gelingt. http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3212,36-828943,0.html?xtor=RSS-3210 Le Soir in Brüssel bringt nur eine kurze afp-Meldung, welche sich auf kongolesische Fernsehberichte beruft: http://www.lesoir.be/actualite/monde/2006/10/30/article_une_des_deux_chaines_de_bemba_reemet.shtml

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Derweil gehen in Deutschland die Kassandra-Rufe weiter. Das Hamburger Abendblatt titelt heute über eine winzige Meldung zu den Vorgängen in dem kleinen Ort Fakati: „Unruhen im Kongo". Nach der Stichwahl um das Präsidentenamt ist es im Osten des Kongo zu schweren Unruhen gekommen. Auslöser der Unruhen im Ort Fataki war die Ermordung von zwei Wahlhelfern durch einen kongolesischen Soldaten. Anwohner verwüsteten daraufhin 43 Wahllokale in dem Ort. Das Wahlergebnis wird Mitte November erwartet. rtr Was soll das? Eine glatte Lüge. Da hat ein betrunkener Soldat zwei Wahlhelfer erschossen. Das hätte genausogut an einem Wahlabend in Hamburg passieren können. Und wenn die übrige Bevölkerung darüber erbost ist, dann ist eigentlich zumindest verständlich. http://www.abendblatt.de/daten/2006/10/31/632181.html

Und so geht das weiter. Auch für den Münchner Merkur sind „Ausschreitungen im Kongo" berichtenswert in einem Kaff an der ugandischen Grenze. Holt bloß die Jungs aus Kinshasa raus, rufen jetzt die Bayern. http://www.merkur-onl

Für den Spiegel blickt die ganze Welt voll Sorge auf den Kongo. Gibt es eine neue Explosion der Gewalt, sobald das Ergebnis feststeht? Die Bundeswehr-Friedenstruppe dagegen denkt schon mal an Heimkehr: Schließlich will Minister Jung "mehr Zurückhaltung" bei Auslandseinsätzen. Der lange Artikel ist überschrieben mit „Rückzug um jeden Preis"

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,445515,00.html

Für den Berliner Tagesspiegel, der den Wahlen mit einer kürzeren Meldung gedenkt, herrscht „Gespannte Ruhe nach Stichwahl" und Beobachter erwarteten, so das Blatt, eine Verringerung des Abstandes der beiden Kandidaten. http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/kongo-stichwahl/78914.asp

Die Münchner Abendzeitung hebt sich positiv von vielen anderen Blättern ab, wenn auch nur mit einer Photomeldung zur Stimmauszählung. Aber besser als Kassandra. http://www.abendzeitung.de/cgi-bin/suche.pl?func=anzeigen&filename=kongo_12984458.nitf&sqlsuche=-infoline---foto&linknummer=19&code=3180057.50374109

Natürlich hebt sich heute früh auch die taz positiv vom übrigen Geschreibsel ab mit einem Bericht von Dominic Johnson, der für einmal die Bemba-freundliche Stimmungslage in Kinshasa einfängt: Bembas Wähler sind vom Sieg überzeugt. http://www.taz.de/pt/2006/10/31/a0094.1/text

Montag, 30. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 22.50 Uhr

Wenn man mal wissen will, wie ein wirklich informativer, verständnisvoller und daher lesenswerter Artikel über die Wahlen und die Situation im Kongo aussehen muß, der sollte heute einen Blick in die New York Times werfen, die für den Internet-Nutzer allerdings anmeldepflichtig ist. Schon das Photo aus Kinshasa zeigt alles, was mit Worten gar nicht gesagt werden kann: Die Wahlhelfer sitzen bei Kerzen- und Petroleumlicht und zählen die Stimmzettel aus – und das in der Hauptstadt. Der Artikel läßt kongolesische Großväter sich erinnern, wie schön früher einmal Kinshasa war, wenn man über den zunehmenden Verfall staunt. Und berichtet, daß die Wahlen auch einige Todesfälle nur dadurch zu beklagen haben, daß wegen des heftigen Regens hier und da Brücken eingestürzt sind mit Menschen drauf, die auf dem Weg zum Wahllokal waren. http://www.nytimes.com/2006/10/30/world/africa/30congo.html?

Zuverlässige Informationen über die Wahlen im Kongo kamen, wie üblich, auch von der BBC in London. Am Sonntagabend standen Befragungen von einem halben Dutzend Kongolesen in verschiedenen Landesteilen im Netz. Ganz genau das war gestern wichtig. Die Meinung des kongolesischen Wählers. Was sollte die ganze Kaffeesatzleserei, mit der die deutschen Zeitungsleser abgespeist wurden? http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6090954.stm Am Montag gabs einen Überblick über die Vorkommnisse am Wahltag, nichts wird beschönigt aber auch eindrucksvolle Zeugnisse. http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/6097990.stm

Hoffnung und Angst" ist die Überschrift eines ausführlichen Dossiers über die Wahlen im Kongo, welches von Newsweek noch gestern veröffentlicht wurde und bereits ausführliche Eindrücke vom Wahltag enthält. Der Artikel nimmt die Kongolesen ernst und gibt dem Tag die Würde, die ihm gehört. Warum kapieren die Deutschen Medienschreiber sowas nicht? Der lange Artikel endet mit diesen Worten: "We don't say elections will end everything in this country," says MONUC spokesman Jean Tobie Okala, "but a freely elected government—this has never happened [here] before." If it happens. http://www.msnbc.msn.com/id/15473851/site/newsweek/

Auch die International Herald Tribune berichtete heute relativ kurz aber wie üblich prägnant über das wesentliche Ereignis, nämlich die Wahlen und die Menschen, die gewählt haben. Alle wichtigen Informationen sind drin und der Artikel zeigt, daß man auch von Goma aus Agenturmeldungen geschickt nutzen kann, um ein Bild des Landes zu zeichnen, in dem man sich gerade befindet. http://www.iht.com/articles/2006/10/29/news/congo.php Im späteren Verlauf des Montags veröffentlicht die IHT einen weiteren Artikel, indem sie die späteren Nachrichten einordnet: Rioting mobs destroyed polling stations in Congo's east and electoral officials organized a revote over burned ballots in the north Monday, yet much of the war-scarred Central African nation called the landmark presidential vote a success as the colossal task of counting ballots began. Als „bedeutend" in Anbetracht der Vorgänge im August wird der Pakt zwischen Kabila und Bemba bezeichnet, die Wahlergebnisse zu akzeptieren. http://www.iht.com/articles/2006/10/30/news/congo.php

Für die Washington Post ist mit dem ersten Satz klar, wer gestern im Mittelpunkt stand und so beginnt der heutige Bericht, der übrigens ebenfalls in Goma geschrieben wurde, mit diesen Worten,: With the border closed, shops shuttered and markets emptied, millions of Congolese, with hopes as vast as their country, headed to polls Sunday to elect a president for the first time in more than 40 years. Die Hoffnungen der Kongolesen so groß wie ihr Land. Ist dieser Gedanke nicht wunderbar? Kann nur Amerika sowas denken? Die Überschrift ist: Historische Abstimmung im Kongo verlief friedlich. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/10/29/AR2006102900512.html?nav=rss_world/africa

Einen eher pessimistischen und irgendwie gelangweilten Artikel schreibt Steve Bloomfield für den Londoner Independent aus Kinshasa. Ob ihm das heftige Regenwetter zugesetzt hat? http://news.independent.co.uk/world/africa/article1940784.ece

Auch die Financial Times berichtet in einem extrem gelangweilten Stil über die Kongowahlen und verarbeitet die negativen frühen Agenturmeldungen mit der unglaublichen Überschrift: Wahlen lassen Spannungen erhöhen. (Congo elections raise tensions). Der Berichterstatter sitzt weit weg in Lagos. http://www.ft.com/cms/s/9f9b0f5c-67ba-11db-8ea5-0000779e2340.html

Allersdings schiesst heute der Londoner Daily Telegraph den Vogel ab, denn berichtet wird der Schnee von gestern und vorgestern. Die Ereignisse im August, als der britische Botschafter bei Bemba im Keller saß, kommen ins Blatt, die ganzen Geschichten der beiden Kandidaten, als ob dafür nicht in den letzten Wochen Zeit genug gewesen wäre. Und die Überschrift lautet sogar: Kongo gestärkt für Gewalt nach erbitterter Wahl. Und das ganze wurde angeblich gestern in Kinshasa von einem David Blair geschrieben, der übrigens auch zu der Kaste gehört, die keine Kongolesen befragen. So sitzt man mittendrin und bekommt nichts mit. Am besten an der Bar. http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2006/10/30/wcongo30.xml

Für die Ängstlichen hat Reuters heute den Rahmen abgesteckt: Die Dinge werden aus der Sicht jener darstellt, die sich bisher für einen friedlichen Ablauf der Wahlen eingesetzt haben. Hier wird an die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft erinnert, die klar machen muß, daß, wenn ein Kandidaten auf militärische Kraft setzt, er damit rechnen muß jegliche internationale Anerkennung zu verlieren. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/B60018.htm

montagfrüh

Inzwischen trudeln die ersten Zeitungsberichte über die Wahlen im Kongo ein. Beginnen wir mit unserer „Lieblingszeitung". Die FAZ kann's nicht verschmerzen, daß fast nichts passierte. Hatte sie doch noch in der Sonntagsausgabe einen „Sturm" prophezeit – und jetzt war alles „weitgehend" friedlich verlaufen. Nein, das kann man den Lesern nun doch noch nicht zumuten. So lautet die Überschrift – konträr zum Rest der Presse – Zwei Tote bei Wahlen im Kongo. Ah, ja. Das ist eine Nachricht. Die FAZ kümmert sich neuerdings um die Toten im Kongo! Wissen die FAZ-Leser, daß schon 4.000.000 Tote allein die beiden Kongokriege verursacht hatten? Der Artikel ist im übrigen eine akribische Aufzählung der Schwierigkeiten und Zwischenfälle. In Frankfurt wird genau Registratur geführt.

http://www.faz.net/s/RubF92341E45475402CB8C94AAF1F0621F3/Doc~EF2ACF509C6CB491D8091A9FE1720AE23~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Die Konkurrenz in München, die Süddeutsche Zeitung, verläßt sich auf die Kollegen von dpa, die sich ja bekanntlich im Laufe des Sonntags darauf geeignigt hatten, daß die Stichwahl vorwiegend friedlich verlief und mitgeliefert wird ein Photo von Bemba bei der Stimmabgabe. Interessant, am 30.7. war noch überall Kabila bei der Stimmabgabe zu sehen. http://www.sueddeutsche.de/politik/ticker/iptc-bdt-20061027-108-dpa_12975350/

Für die taz standen die Wähler des Kongos vor allem andern im Regen. Dominic Johnson wurde also auch naß und war die ganze Zeit mit einem Künstler unterwegs, der u.a. dies sagte: "Es gibt Generationen in diesem Land, die diese Chance (zur Wahl) nie hatten. Es kommt nicht auf den Sieger an. Der Wahlakt an sich ist wichtig." http://www.taz.de/pt/2006/10/30/a0119.1/text

Auch das ZDF fand die Wahlen „weitgehend friedlich" und stützt sich dabei auf Agenturmeldungen. http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/9/0,3672,3993097,00.html

Und sogar bei der ARD hat sich die „friedliche" Sprachregelung zu den Wahlen im Kongo durchgesetzt. Jetzt, plötzlich, wird sogar der „Bürgersinn der Kongolesen gelobt". Ei der daus. Und der Wunder nehmen kein Ende, sogar das Datum für die Bekanntgabe der Provinzparlamentswahlen wird dem geehrten Publikum des Ersten Deutschen Fernsehens mitgeteilt, nämlich der 5. Dezember. Die Ereignisse überstürzen sich. http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6045976,00.html

Die Frankfurter Rundschau fand eine Sintflut bei der Präsidentenwahl vor und beginnt ihren Bericht folgendermaßen: Gewalttätig war zunächst allein das Wetter. Noch bevor in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa am Sonntagmorgen die Wahllokale öffnen konnten, öffnete der Himmel seine Schleusen: Ungewöhnlich heftige Gewitterstürme sorgten dafür, dass wahlwillige Kongolesen in die Flucht geschlagen und die Türen vieler Stimmabgabe-Zentren erst Stunden später aufgeschlossen wurden. Niederschläge von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter hätten sogar dafür gesorgt, dass ganze Wahllokale weggeschwemmt worden seien, sagte ein Bundeswehroffizier auf Anfrage der FR. In Kinshasa sowie der Region Niederkongo sei es deshalb zu größeren Störungen gekommen, bestätigte der Chef der Wahlkommission, Apollinaire Malu-Malu: Aus diesem Grund sollten die Wahllokale in den betroffenen Regionen noch einen weiteren Tag geöffnet bleiben. http://www.fr-akt

Doch darüber hinaus bietet die FR heute eine ganze Reihe von weiteren Berichten aus dem Kongo, z.B. über die Situation des Justizwesens unter der Überschrift: Staatsanwälte im Haifischbecken. Nach mehr als 40 Jahren Diktatur und Krieg ist vielen Kongolesen Recht und staatliche Ordnung fremd. Noch ist das Land von einem Justizsystem, das seinen Namen verdient , weit entfernt…. http://www.fr-onl

In der FR ist heute sogar ein Artikel von Reuters über Kongos Geschichte zu lesen unter der Überschrift „Geplündert und zerstört". http://www.fr-onl

Dann schreibt der Sonderkorrespondent Johannes Dietrich aus Kinshasa noch einen Artikel über die EUFOR. Er ist mit einem Hubschrauber über Kinshasa geflogen und berichtet, daß die deutschen Jungs davon ausgehen, Weihnachten unter dem Tannenbaum in Deutschland zu verbringen. Und die FR hat sich mit ihrer Berichterstattung richtig ins Zeug gelegt. http://www.fr-onl

Auch für die Tageszeitung Die Welt stehen „Tote bei Stichwahl" im Vordergrund (http://www.welt.de/data/2006/10/30/1091665.html), bestätigt dies doch den Kommentator, der sich – die Wahllokale sind noch nicht geschlossen – ans Werk macht. Er hat auch gleich herausgefunden, warum die Stichwahlen „weitgehend friedlich" verliefen: Heftiger Regen, einzelne Gewalttaten - auch die Stichwahl um die Präsidentschaft im Kongo scheint von afrikanischem Ungemach, nicht aber von Chaos und Bürgerkrieg geprägt zu sein. Dass die Wahlen somit als insgesamt ruhig gelten können, ist ein Verdienst der UN-Soldaten und zumal des europäischen Engagements. Aha. Der Rest ist Innenpolitik: Für Nervosität in Berlin sorgen daher französische Andeutungen, das Mandat werde möglicherweise verlängert. Die UN sollen bereits eine entsprechende Anfrage an die EU gestellt haben. Die Bundesregierung steckt in einem Dilemma: Einerseits hat Berlin Verpflichtungen gegenüber der EU, den UN, den Menschen im Kongo sowie ein Interesse an einer Stabilisierung der Region. Andererseits sieht der Bundestagsbeschluss ein Mandatsende am 30. November vor. Diese Vorgabe einzuhalten ist für die Bundesregierung nicht zuletzt wegen des Totenschädelskandals und der darob entbrannten Debatte über Auslandseinsätze wichtig. So bleibt Berlin nichts als die Hoffnung, dass Bemba und Kabila stillhalten und ihre Privatarmeen kasernieren. Danach sieht es allerdings nicht aus.

http://www.welt.de/data/2006/10/30/1091694.html

Sonntag, 29. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 19.59 Uhr

In der Mittagszeitung Le Monde ist am heutigen Sonntag ein Bericht aus Kinshasa erschienen, der offenbar ein realistisches Bild vom Geschehen in der Hauptstadt „am großen Fluß" wiedergibt. Und der Sonderkorrespondent, Philippe Bernard, wundert sich auch darüber, daß jeder der beiden Kandidaten im Wahlkampf so agiert habe, als sei der andere nicht existent. Eine wirkliche Wahlkampagne habe nicht stattgefunden und die Argumente seien eher ärmlich gewesen. Doch natürlich findet Wahlkampf statt. Die Kandidaten für die Regionalparlamente stellen sich der Bevölkerung und auch auf den Straßen Kinshasa bilden sich um sie herum diskutierende Menschentrauben. Kinder werden engagiert, die Namen der Kandidaten zu skandieren und hier und dort gibt's kleine Demonstrationen der unterschiedlichen Fraktionen, die sich auch schonmal begegnen – ohne Zwischenfälle. Le Monde vermutet, daß rein rechnerisch Kabila die Mehrheit bekommen müßte, weil ihn einige weitere wichtige Kandidaten wie Gizenga und Mobutu unterstützen. Andererseits gebe es Unsicherheitsfaktoren, z.B. die Frage, was die fremdenfeindliche Kampagne von Bemba bewirkt habe und ob die 7 Millionen Wähler, die letztesmal nicht zur Urne gingen, diesmal ihre Stimme abgeben. Das Stimmungsbild, welches durch diesen Artikel vermittelt wird, ist überhaupt nicht vergleichbar mit dem, welches die deutschen Zeitungen vermitteln. http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3212,36-828560,0.html?xtor=RSS-3210

Und welches Bild wird hierzulande vermittelt? Der Wahltag begann mit der dpa-Meldung über starke Regenfälle in Kinshasa und die Wähler blieben erstmal zu Hause. Doch dann passiert etwas: Irgendwo in der Provinz (in Bumba, Nordwesten) gabs eine Auseinandersetzung über eine Anschuldigung wegen Wahlfälschung und leider starben dabei zwei Menschen. Flugs schoben die dpa-Abonnenten diese Schlagzeile nach: Tote bei den Wahlen im Kongo. Hat man nicht darauf die ganze Zeit gewartet? Aber das war's dann auch und am Abend war dieser Fokus in der Form wirklich nicht mehr zu halten und es kam, was kommen mußte, die dpa-Schlagzeile: Präsidenten-Stichwahl im Kongo verläuft weitgehend friedlich. Na also, wer sagt's denn. Aber erst wird die Welt verrückt gemacht.

Die gesamte angelsächsiche Presse hat dagegen heute ausführlich mit qualifizierten Hintergrundberichten über die eigentlichen Wahlen berichtet, im francophonen Bereich genauso, obwohl dort auch diese beklagenswerten Todesopfer erwähnt werden.

Weitere Details später.

Libération in Frankreich berichtet eigentlich genauso wie die deutschen Medien und referiert heute seinen Lesern die Agenturmeldungen und malt ein Bild höchster Spannung. Schließlich kommt man zu dem weisheitsvollen Schluß, das Land habe mehr verdient als diese beiden Kandidaten. Immerhin etwas. http://www.liberation.fr/actualite/monde/213581.FR.php?rss=true

Jeune Afrique bringt einen aktuellen afp-Bericht aus Goma http://www.jeuneafrique.com/fluxafp/fil_info.asp?art_cle=32694

Le Monde betrachtet heute noch einmal kurz den Zusammenhang des Begriffs „Congolite", der im Wahlkampf in Kinshasa eine bedeutende Rolle gespielt hat: http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3236,36-828606,0.html?xtor=RSS-3236

letzte Aktualisierung: 29.10.06, 08.56 Uhr

Die Berliner Morgenpost bringt heute als afp/epd-Nachricht den Appell von Bemba und Kabila unter der Überschrift: Kabila ruft vor Stichwahl zu Ruhe auf – so als ob Bemba Luft sei.

http://www.morgenpost.de/content/2006/10/29/politik/862640.html Und dann wird dieser Artikel in einem kurzen Kommentar konterkariert, ganz oberflächlich, ohne wirkliches Interesse am Kongo oder an Afrika:: Es hat etwas aufreizend Heuchlerisches, wenn die beiden Kandidaten für das Präsidentenamt im Kongo, der Favorit Joseph Kabila und der Außenseiter Jean-Pierre Bemba, am Tag vor der Stichwahl zu Ruhe und Gewaltlosigkeit aufrufen. Denn Ruhe und Gewaltlosigkeit kennen die beiden so wenig wie das drittgrößte afrikanische Land fähige Politiker und eine hoffnungsvolle Zukunft. Nichts deutet darauf hin, dass die Wahl etwas daran ändert. Zu korrupt, zu verstrickt in Vetternwirtschaft, zu sehr gefangen von ihrer Vergangenheit als Kriegsherren scheinen die beiden, als dass nun vom Wahlsieger im Herzen Afrikas ein Aufbruchsignal ausgehen könnte, das einem wahlweise verlorenen oder vergessenen Kontinent wieder ein wenig Hoffnung einflößte. Wie auch immer der Sieger heißen mag: Auf die im Kongo eingesetzten Bundeswehr-Soldaten dürften turbulente, wenn nicht gar gefährliche Tage zukommen, wenn der Wahlverlierer rasch wieder den Kriegsherren in sich entdecken sollte. Schwer wiegt noch: Dank der Anwesenheit der internationalen Truppe schaut nun die ganze Welt auf den Kongo - und könnte ihre wildesten Vorurteile über Afrika bestätigt sehen.

http://www.morgenpost.de/content/2006/10/29/politik/862633.html

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt heute Thomas Scheen seinen ersten echten Artikel aus Kinshasa, ohne Aufbereitung der Agenturnachrichten, aber man hat den Eindruck, der Mann ist noch nicht ganz angekommen. Zuerst das wichtigste: Auch hier, wie bei vielen anderen Berichten in Deutschland, wird kein einziges Wort verloren über die Wahlen zu den Regionalparlamenten. Nein, die Präsidentenwahlen kosten 500 Millionen, davon zahlt der Kongo gerade mal 2 %. Der Rest des Artikels ist vorgefertigte Meinung, die garniert wird durch eintreffende Nachrichten über unerfreuliche Vorfälle irgendwo draußen im Land. Das, worauf man offenbar wartet, wird schon sofort in die Überschrift gepackt: „Kongo vor dem Sturm". So, als ob alles schon ausgemacht wäre, daß in den nächsten Wochen die Leute vom Kabila- und Bemba-Lager wie die Wilden aufeinander losgehen. Für die FAS „stehen die Zeichen im Kongo auf Sturm. Unvermeidlich der Zusammenprall der beiden Lager. Rund um das Datum der Ergebnisverkündung wird der Kongo kochen." Einzelne Zitate von Kongolesen dienen nur der Verstärkung solcher Behauptungen. Der Bericht ist mal so dahingeschrieben, ohne Tiefgang, viele Worte, wenig Präzision und man hat den Eindruck, hier wird etwas herbeigeschrieben. Die eigentlichen Wahlen, die Bemühungen der MONUC, die vielen Wahlbeobachter, die Bemühungen der Zivilgesellschaft um Transparenz, die große Leistung, die Kontrahenten wenigstens zu einer gemeinsamen Erklärung zu bewegen, das alles ist kein Thema. Einzelne Fakten, ungenau erwähnt, dienen nur der Untermauerung der eigenen, vorgefassten Erwartungen. Keine Offenheit dem Geschehen gegenüber. Scheuklappenjournalismus, voller Anekdoten, hier ein Beispiel: Der Kabila-Verein hingegen hatte sich vor der Wahl ausgerechnet bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kinshasa erkundigt, wie denn die deutsche Sozialdemokratie beschaffen sei, weil man gerne Mitglied der Sozialistischen Internationale wäre.

Der Autor ist bei seinem letzten Aufenthalt in Kinshasa schon besser in Form gewesen. Vielleicht ist mehr zu erwarten. Der Artikel ist im Internet (leider?) nicht frei zugänglich.

http://www.faz.net/s/Rub0648F7DDFE114B62A2F60E01C0937822/Tpl~Ezeitung~Sdrehscheibe~Apge~E11.html

Congo holds poll to end decade of war and pillage ist eine Nachricht von Reuters zum Wahltag, welche die Informationen zusammenträgt, die heute gebraucht werden. Keine übertriebenen Hoffnung und Erwartungen in die Wahlen, aber auch keine Kassandra-Rufe.

http://today.reuters.co.uk/news/articlenews.aspx?type=worldNews&storyID=2006-10-29T043532Z_01_L29124749_RTRUKOC_0_UK-CONGO-DEMOCRATIC.xml&pageNumber=1&imageid=&cap=&sz=13&WTModLoc=NewsArt-C1-ArticlePage3

Auch die Frankfurter Rundschau hat gestern einen interessanten Artikel der Situation vor den Wahlen im Kongo gewidmet und vor allem einiges zu den beiden Kandidaten zu berichten gewußt. Kabila wird dabei als „stille Kraft" bezeichnet, die durchaus „explodieren" könne, wie im August bei dem Überfall auf Bemba's Haus. War das alles zu diesem Thema? Zum Schluß kommt der Kandidat zu Wort, der auf dem dritten Platz bei den letzten Wahlen gelandet ist: Kaum jemand traut sich das Urteil zu, welcher der Anwärter für die geschundene Schatzkammer Afrikas besser wäre: Von beiden ist zu befürchten, dass sie das Land wie einst der belgische König Leopold II. als ihren Privatbesitz betrachten. Als sich Antoine Gizenga - der mit 13 Prozent knapp abgeschlagene Dritte des ersten Wahlgangs - zu einem Votum für Kabila oder Bemba durchringen musste, seufzte der über 80-jährige Königsmacher, er habe nun unter zwei entsetzlichen Übeln zu wählen. Dass er sich schließlich für Kabila entschied, habe nichts mit dessen Qualitäten zu tun, sondern lediglich mit der Gefahr, dass das Land im Fall eines Wahlsiegs Bembas in zwei Teile zerrissen werde. http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=999073&

Auch am gestrigen Samstag zelebriert die International Herald Tribune nochmal einen „Kongotag" mit einer Fülle von Nachrichten. Zuerst ein Artikel von AP über die Situation im Osten, speziell mit Nkunda: New Congo president will have challenge of imposing authority in lawless east http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/28/africa/AF_GEN_Congo_Lawless_East.php

Dann, auch von AP einige Fakten über den Kongo http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/28/africa/AF_POL_Congo_Elections_Glance.php

Ebenfalls von AP die Porträts der Kandidaten für das Präsidentenamt. http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/28/africa/AF_POL_Congo_Elections_Thumbnails.php Schließlich noch eine Chronik der kongolesischen Geschichte ab 1960: http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/28/africa/AF_POL_Congo_Elections_Timeline.php

Schon am Freitag waren einige Probleme des Gespanns Bemba-Kabila berichtet worden: http://www.iht.com/articles/2006/10/27/news/congo.php und einige weitere AP-Artikel.

Dem britischen Guardian zufolge ist nach Ansicht der englischen Regierung der UNO-Beschluss vom Freitag für eine stärkere Kontrolle des Waffenhandels vor allem auch an die Situation im Kongo gerichtet. In der Tat ist bemerkenswert, daß diese Nachricht von den Diskussion in den Vereinten Nationen in Deutschland praktisch nicht vorkommt. Schlafende Wächter! http://www.guardian.co.uk/armstrade/story/0,,1933807,00.html

Auch die taz hat am gestrigen Samstag ihren Redakteur Dominic Johnson mit einem Bericht aus Kinshasa an prominenter Stelle zu Wort kommen lassen, nämlich auf Seite drei, sodaß wir dies erst heute entdecken und dann auch noch mit der Überschrift „In Angststarre". Dort ist u.a. zu lesen: Kabila oder Bemba? Die beiden Kontrahenten machen es den Wählern nicht leicht. Sie sind unsichtbar. Beide Kandidaten verzichten komplett auf öffentliche Auftritte und äußern sich überhaupt nicht. Kabila schickt seine Ehefrau Olive auf Tournee. Bemba verlässt sich auf seinen Wahlkampfmanager Joseph Olenghankoy. Die Spitzenkandidaten selbst bleiben in Kinshasa, igeln sich ein, haben Angst, dass jemand sie umbringt, sobald sie die Nase aus ihren Bunkern stecken. Wie soll jemals einer von ihnen unter solchen Umständen das Land regieren? http

In der gestrigen Ausgabe der Tageszeitung Die Welt wurde nun auch LeCarré's „Geheime Melodie" rezensiert und auch dazu möchte man sagen gar nicht so schlecht. Hier eine Kostprobe:

Diesen zentralen, kaum einen, für Bruno aber schicksalhaften Tag umfassenden Teil seines altmeisterlich komponierten Romans hat Le Carré in einem Landhaus auf einer namenlosen Insel angesiedelt. In dessen Salon wird verhandelt, und in dessen Keller werden die Teilnehmer abgehört, wenn sie unter sich zu sein glauben. Afrikas Kriege und Bürgerkriege um Rohstoffe, Staatseinnahmen und Schmiergelder erscheinen vor dieser doppelbödigen Kulisse als mieses Kammerspiel, in dem die alten Kolonialherren noch immer Regie führen, denn was war schon der Kalte Krieg verglichen mit einer Konferenz?

http://www.welt.de/data/2006/10/28/1088026.html?s=2

Samstag, 28. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 22.10 Uhr

Joseph Kabila hat der BBC gegenüber in einem Interview erklärt, er werde jedes Wahlergebnis respektieren „das ist überhaupt keine Frage". Hm, kann so nur jemand reden, der ohnehin damit rechnet, die Mehrheit zu bekommen? Sein Kontrahent Bemba hatte schon vorher anderen Journalisten gegenüber erklärt, er werde nicht zu kriegerischen Mitteln greifen, wenn er die Wahlen verliere. Kabila sagte der BBC gegenüber, das Land müsse schleunigst „in Ordnung gebracht werden, um Investoren zu erlauben hereinzukommen, in Ordnung gebracht werden, um den Menschen zu gestatten mobil zu sein, von Ost nach West, von Nord nach Süd zu reisen und in Frieden zu leben, denn sie sind grundsätzlich friedliebende Bürger." Nun ja, hoffen wir, dies waren nicht nur schöne Worte. Doch grundsätzlich ist sowas das, was man vor einer Wahl hören will, nicht die Angst-Eskapaden in französischen und deutschen Medien, die auf eine Wiederholung dessen hinauslaufen, was wir alles schon vor dem 30.7.06 haben lesen und hören müssen. Und wenn Kabila nicht hält was er verspricht, dann sind neue Fakten geschaffen. Aber die Angstpropheten sind dann längst auf und davon und werden dann andere Angstberichte liefern, denn als Wächter bestimmter Werte verstehen sie sich nicht.

http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6092492.stm

Lustig ist, das diese Meldung in diesem Pressetagebuch sich unbemerkt ein zweites Mal eingeschlichen hat und jetzt ganz anders bewertet wurde, denn sie wurde erstmals am Freitag in der Nacht zu Samstag entdeckt und etwas anders bewertet. Aber dies soll jetzt so stehen bleiben.

William Swing, Chef der UNO-Blauhelme im Kongo erklärte heute vor Wahlbeobachtern und Diplomaten, die jetzigen Wahlen im Kongo seien die bedeutendsten in Afrika seit den ersten freien Wahlen in Südafrika nach Abschaffung der Apartheid 1994, wie Reuters berichtet.

Alle Wahlunterlagen sind verteilt", sagte Apollinaire Malu Malu, Chef der Unabhängigen Wahlkommission am Samstag. „Doch wie Sie wissen, ist das Land groß. Wir haben Kommunikationsprobleme. Trotzdem werden wir bei allen Schwierigkeiten alles unternehmen, Ihre Erwartungen zu erfüllen."

http://today.reuters.co.uk/news/articlenews.aspx?type=worldNews&storyid=2006-10-28T190320Z_01_L28886455_RTRUKOC_0_UK-CONGO-DEMOCRATIC-UN.xml

Nicht schlecht" möchte man zu einem Artikel in der Tageszeitung Die Welt sagen, der schon am gestrigen Freitag erschien und mit dieser Episode beginnt: Das Treffen der Kandidaten verläuft nicht gerade in entspannter Atmosphäre. "Wieso versuchen Sie, mich umzubringen?", fragt Jean-Pierre Bemba. "Sie werden mir nicht glauben, aber ich wollte Sie nie umbringen", entgegnet Joseph Kabila, "aber hören Sie auf, mich als Ausländer zu beschimpfen!" "Und Sie! Hören Sie gefälligst auf, mich als Kannibalen darzustellen!", schäumt Bemba. Seit diesem denkwürdigen Dialog im Präsidentenpalais in Kinshasa sind fünf Wochen vergangen… Leider ist das aber auch schon alles, was man Kongolesen in dem Artikel sagen läßt. Der Rest wird doziert oder man läßt Europäer zu Wort kommen. Und alles erscheint unter der Überschrift „Wahlkampf auf dem Pulverfass". Also auch hier: Die Menschen im Kongo kommen nicht vor, sind nicht relevant, höchstes Stimmvieh. http://www.welt.de/data/2006/10/27/1087875.html

letzte Aktualisierung: 28.10.06, 17.10 Uhr

Wenn sich die Tagesschau einschaltet, spätestens dann ist ein Ereignis eine Nachricht. Nun ist aber gar nichts passiert. Und morgen passiert auch nichts, außer, daß die Kongolesen an die Wahlurnen gerufen werden und das Ergebnis frühestens in drei Wochen feststeht. Was tun? Die Lösung der Tagesschau ist, die Spannung hochzukitzeln: Kongo – Angst vor neuem Bürgerkrieg. Der Bericht kommt aus dem Osten, aus Goma. Und eine Situation, die sich seit ein paar Jahren gar nicht verändert hat, wird jetzt so beschrieben: „Der Ostkongo strotzt vor Waffen, vor Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Egal, wer Präsident wird - hier entscheidet sich das Schicksal des Landes. Kabila oder Bemba - die Schlachtgesänge der Milizen werden sie auch in der 2000 Kilometer entfernten Hauptstadt Kinshasa hören." Keine Nachricht ist, woher die Waffen kamen. Wäre auch zu viel des Guten, die aktuellen Veröffentlichungen von amnesty international ausgerechnet in der Tagesschau zu bringen. http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6042828,00.html

Gleichzeitig rufen in Kinshasa beide Kandidaten ihre Anhänger gemeinsam zum Frieden auf. Eine Geste, die wichtig ist, wenn sie denn ernst gemeint ist. Die Rheinpfalz bringt diese afp-Meldung: Einen Tag vor der Stichwahl um das Präsidentenamt im Kongo haben die beiden Kandidaten ihre Anhänger gemeinsam zur Ruhe aufgerufen. "Wir rufen unsere Sympathisanten ebenso wie die Bevölkerung ausdrücklich dazu auf, am Sonntag in Ruhe, Ordnung und Gelassenheit zu wählen, so wie es in der ersten Runde am 30. Juli war", erklärten die jeweiligen Vertreter von Präsident Joseph Kabila und seinem Stellvertreter und Kontrahenten Jean-Pierre Bemba am Samstag. In einem gemeinsamen Dokument verpflichteten sich beide Seiten, für einen friedlichen und sicheren Wahlprozess zu sorgen, die Akzeptanz des Wahlergebnisses zu fördern und die Bevölkerung zu Frieden und Toleranz zu bewegen. http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=NEWSTICKER061028125957.tyk1o2fw

Auch der Stern versucht sich – recht glücklos wie immer – in der Kongoberichterstattung und greift auf einen AP-Bericht zu, der in der Form ein Detail schlicht falsch darstellt: In der ersten Runde der unter anderem von deutschen Soldaten gesicherten Wahl am 30. Juli hatte kein Kandidat die notwendige absolute Mehrheit erhalten: Der 35 Jahre alte Kabila kam auf 45 Prozent, der 44-jährige Bemba auf 20 Prozent. Der Ausgang der Abstimmung war seinerzeit von gewaltsamen Zusammenstößen gekennzeichnet gewesen. Drei Tage lang lieferten sich die Anhänger von Kabila und Bemba blutige Gefechte, denen nach amtlichen Angaben mindestens 23 Menschen zum Opfer fielen. Das hätten sie wohl gerne so gehabt. Aber der Wahlausgang am 30.7. war friedlich. Die Schüsse fielen bekanntlich erst drei Wochen später und hatten etwas mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu tun. http://www.stern.de/politik/ausland/:Stichwahl-Kongo-Wir-Diktatoren/575083.html

Das Handelsblatt bringt einen verhältnismäßig ausführlichen Hintergrundbericht unter der Überschrift „Stichwahl ohne Stabilität", der sich bei genauerem Hinschauen genauso wie bei der Frankfurter Konkurrenz als ein Zusammenstoppeln von Agenturmeldungen entpuppt. Also: nichts Neues unter der Sonne im deutschen Blätterwald.

http://www.handelsblatt.com/news/Politik/International/_pv/_p/200051/_t/ft/_b/1156271/default.aspx/stichwahl-ohne-stabilitaet.html

Man kann den oben genannten Friedensaufruf von Kabila und Bemba bringen - oder so berichten wie Euronews: Angst vor Gewalt bei Wahlen im Kongo - Einen Tag vor der zweiten Runde der Präsdidentschaftswahlen im Kongo spitzt sich die Lage zu. Die Anhänger von Vize-Präsident Bemba zogen durch die Hauptstadt Kinshasa. Nur wenige Meter weiter versammelten sich die Unterstuetzer von Präsident Kabila. Beide Kandidaten verzichten aus Sicherheitsgruenden auf Abschlusskundgebungen. Zunehmende Gewalt kurz vor dem Urnengang weckt Bedenken an einem reibungslosen Verlauf.

Erstens: die Gewalt war tausend Kilometer entfernt in Gbadolite. Zweitens derartige Wahlkampfveranstaltungen finden halt bei Wahlkämpfen statt, überall auf der Welt. Aber im Kongo hat man „Angst". Warum? Weil man nicht mit den Menschen kommuniziert. Haben sie nicht alle einen „düsteren Blick"? war von den deutschen Soldaten noch im Juni zu hören. Und nachdem man kommuniziert hatte, fühlte man sich plötzlich willkommen geheißen. So einfach war das. http://www.euronews.net/create_html.php?article=387800&lng=3

Von all der Kaffeesatzleserei ist in der Berichterstattung der angelsächsischen Welt nichts zu spüren. Die Voice of America bringt ein ganz lebendiges Portrait der Kandidaten. Kabila als „eingesetzter Sohn" und Bemba „als Rebellenchef und Sohn des Multimillionärs". Sofort ist man informiert. Der Leser und Hörer wird wie ein erwachsener mündiger, vollwertiger Mensch behandelt. Man kommuniziert mit den Leuten im Kongo und versucht die Dinge einzuordnen. Ganz erstaunlich, was den Deutschen alles nicht gelingt. http://www.voanews.com/english/2006-10-28-voa10.cfm

Reuters bringt einen Bericht aus Ituri, wo noch keine wirkliche Ruhe eingekehrt ist. Einige Menschen mußten wieder fliehen, obwohl auch sie gerne gewählt hätten. Und dies ist der Schluß des Berichtes: Nevertheless, many eastern Congolese hope Sunday's elections will turn a page in the mineral-rich region's bleak history.

Zakineki Nyaga Dudu, 66, remembers when she voted in Congo's last free election more than 40 years ago. "I'll be so happy to be voting again after all this time," she said, adjusting the knot in her bright orange headscarf. "Whoever wins must bring peace and stop us being attacked."

http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L28881924.htm

Das südafrikanische Fernsehen hat ein Team von 12 Berichterstattern in den Kongo geschickt, nach Lubumbashi, Goma und Kinshasa. Bei einer Wahlveranstaltung in Lubumbashi wurde einer ihrer Reporter – obwohl er als solcher (mit Kameramann und Radiosprecher) deutlich zu erkennen war – von der örtlichen Polizei krankenhausreif geschlagen. Der Sender protestiert aufs Schärfste dagegen und sagt, daß seine Wahlkampfberichterstattung dadurch gefährdet ist. Er hat allen Mitarbeitern im Kongo angeboten, sie zu evakuieren, doch diese lehnen ab und wollen weiterhin berichten. Der Reporter wollte über Polizeimaßnahmen vor dem Hauptquartier der Partei Bembas gegen seine Anhänger berichten, die dort um Erlaubnis nachsuchen wollten, für ihren Kandidaten eine Demonstration durch die Stadt zu machen. http://www.mg.co.za/articlePage.aspx?articleid=288052&area=/breaking_news/breaking_news__national/

Radio France International berichtet unter dem Titel „Angst über den Urnen" über die Situation im Kongo und zitiert den Präsidenten einer kleinen christlichen Partei mit den Worten: „Das Ende der Kampagne ist sehr heiß." Nun ja, in der Tat. Die Temperatur in Kinshasa ist zur Stunde exakt 32 Grad. http://www.rfi.fr/actufr/articles/082/article_47087.asp

Der Sender RTL berichtet eher aus der Perspektive der EUFOR und stellt eine „relative Ruhe" in Kinshasa fest. Nein, der Patient hat noch kein Fieber, trotz der Hitze. http://www.rtl.be/Site/Index.aspx?PageID=209&ArticleID=65557

Einen wirklichen Hintergrundbericht über die Wahlkampfinhalte im Kongo bringt heute Le Monde in Paris von seinem Sonderkorrespondenten aus Kinshasa mit der Überschrift „Gewalt und Fremdenhaß vergiften den Wahlkampf im Kongo". Schlüsselbegriff für das Kabila-Lager war dabei das „congolité" oder die Kunst, den Gegner zu diskreditieren, indem seine Nationalität und seine Treue zum Land bezweifelt wird. Dieses Leitmotiv (im Le Monde in deutsch!) hat den Kern der Schlacht zwischen Jean-Pierre Bemba (20%) und den bisherigen Präsidenten Joseph Kabila (45% der Stimmen im ersten Wahlgang) dargestellt….. „Ist die Diskussion der Nationalität eines Staatschefs schon Fremdenhaß? fragt treuherzig Babala, Verantwortlicher für die Wahlkampagne von Herrn Bemba. Das „congolité" sei eine Erfindung des Kabila-Lagers, um uns in den Augen des Bewohner im Westen des Landes zu diskreditieren. Hätten die Franzosen einen Deutschen als Präsident der Republik im Jahre 1945 akzeptiert?"

http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3212,36-828245,0.html?xtor=RSS-3210

letzte Aktualisierung: 28.10.06, 08.50 Uhr

Das Neue Deutschland schaltet sich in die Kongoberichterstattung ein mit einem Beitrag unter dem Titel „Kongo wählt zwischen zwei ehemaligen Kriegsfürsten". Darin wird referiert, was man weiß (oder auch nicht weiß), aber diejenigen, um die's geht, also die Kongolesen, kommen eigentlich nicht vor. Abschließend heißt es: Sowohl das Lager Kabila als auch das Lager Bemba strotzt nur so vor Waffen – allein die persönliche Garde Kabilas zählt 15 000 Soldaten, und auch der einstige Kriegsfürst Bemba soll über mehrere tausend Mann verfügen. Zwar haben Bemba und Kabila eine Waffenruhe beschlossen, doch ihre Privatarmeen sind an jeder zweiten Straßenecke postiert. Verschanzt hinter Sandsäcken, warten sie auf ihre Befehle. Wie auch die in Kinshasa stationierte europäische Eingreif-truppe EUFOR, an der die Bundeswehr maßgeblich beteiligt ist. Die Spannung steigt also auf allen Seiten. http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=99368&IDC=2

In einem Kommentar derselben Zeitung wird hervorgehoben, auf welch löchrigem Boden das über den Kongo verhängte Waffenembargo steht und bei einer kürzlichen UNO-Abstimmung hätten sogar ausgerechnet die USA dagegen gestimmt. Und „wichtige Rüstungslieferanten wie Russland, China, Indien und Pakistan" hätten sich der Stimme enthalten. Aber genaues weiß man nicht. http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=99370&IDC=7

Im übrigen ist den meisten deutschen Zeitungen heute früh die Wahl im Kongo noch eine Kurzmeldung wert, so, wie man die Menschen daran erinnert, daß heute nacht die Uhr zurückgestellt wird. Berichtet wird über einzelne Gewalttaten. Hier ein Beispiel aus der Jungen Welt: Überschattet von Gewalt, ist der Wahlkampf für die Präsidentschaft in der Demokratischen Republik Kongo in die Endphase gegangen. Rivalisierende Anhänger der Kandidaten Joseph Kabila und Jean-Pierre Bemba lieferten sich in der Nacht zum Freitag in der nordkongolesischen Stadt Gbadolite eine Schießerei, bei der mindestens vier Menschen starben. (AP/jW) http://www.jungewelt.de/2006/10-28/018.php

Doch im Fall der Jungen Welt täuscht der erste Eindruck, denn beim Weiterblättern erscheint dann auf Seite 7 doch noch ein etwas längerer und substantiellerer Hintergrundbericht unter dem Titel „Die Kandidaten sind gut gerüstet", der sich durchaus sehen lassen kann: Der Kandidat (Kabila) hielt es folglich am Donnerstag für überflüssig, zu einem TV-Duell gegen seinen Konkurrenten anzutreten. Um Inhalte wäre es dabei sicherlich auch gegangen und vielleicht sogar zu hitzigen Wortgefechten gekommen, doch letztlich unterscheiden sich beide Kandidaten wenig, wissen sie doch: Es geht während ihrer Regierungszeit in spe weniger um die Interessen ihrer Wählerklientel als um ihre eigenen. Und um die des Westens, von dessen Gunst der eine wie der andere abhängig ist. http://www.jungewelt.de/2006/10-28/039.php

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist Thomas Scheen wieder in Kinshasa eingetroffen und sein erster langer Bericht erscheint heute früh im Blatt unter der Überschrift „Fast täglich Tote im kongolesischen Wahlkampf". Der Artikel enttäuscht jedoch auf der ganzen Linie, werden doch hier lediglich die Agenturmeldungen der letzten beiden Wochen zusammengefaßt und der Dozent schließt mit der Feststellung: Von Kabilas unmittelbarer Umgebung weiß man, daß sie eine Niederlage niemals akzeptieren würde. Die fast ausschließlich von der internationalen Gemeinschaft finanzierte Wahl hat bisher etwa 500 Millionen Dollar gekostet.

http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E1F8F2D12BE7342C1B895CB388918285E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Der Befreiung von Mobutu-Sohn aus den Händen der Bemba-Leute in Gbadolite ist für CNN Anlaß, einen längeren AP-Bericht darüber ins Netz zu stellen. http://www.cnn.com/2006/WORLD/africa/10/27/congo.fighting.ap/index.html?section=cnn_latest

Die Zeitung The Scotsman weist heute noch einmal auf die amnesty-international-Studie hin, nach der im Kongo das UNO-Waffenembargo systematisch verletzt worden ist und zwar vor allem von Rußland, China, den Vereinigten Staaten und Griechenland. http://news.scotsman.com/international.cfm?id=1595722006

Auch die Londoner Times hat inzwischen einen Reporter nach Kinshasa geschickt, der heute früh die beiden Kandidaten in einer netten Geschichte porträtiert. Irgendwie kann Journalismus auch noch etwas anderes sein, als das, was wir in Deutschland vorgesetzt bekommen. Überschrift: Kongos Schicksal dürfte in den Händen der Söhne zweier Diktatoren liegen. Weiß das jemand in Deutschland? http://www.timesonline.co.uk/article/0,,3-2425970,00.html

Auch für den Londoner Independent schreibt jetzt ein Korrespondent aus Kinshasa und auch diesem gelingt es, den Leser sofort mittenhinein zu nehmen in die Stimmung im Land. Er betont allerdings, die Wahlergebnisse würden eine ethnische Spaltung des Landes offenbaren, was sicherlich noch nicht das letzte Wort ist. http://news.independent.co.uk/world/africa/article1935936.ece

Der britische Guardian hat seinen Reporter nach Goma geschickt, der schon gestern einen ausführlichen Bericht ins Blatt gebracht hatte, der – ganz im Gegensatz zur FAZ und anderen deutschen Blättern – von vorn bis hinten fast nur Kongolesen zu Wort kommen läßt. Das ist Journalismus! Man spricht mit den Leuten. http://www.guardian.co.uk/congo/story/0,,1932565,00.html

Freitag, 27. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 23.29 Uhr

Beim Lesen der Überschrift hat man den Eindruck, Reuters trifft den Nagel auf den Kopf: Lage vor Wahl im Kongo ruhig aber instabil. Alle Journalisten, die ihre Bericht in deutschen verschlafenen Redaktionen unterbringen wollen, müssen unbedingt Spannung produzieren. Auch in der NZZ (siehe unten) und wo auch immer. Die Spannung steigt, sie steigt und steigt. Und dann drucken die Redaktionen vielleicht mal einen Bericht aus dem Kongo ab. Aber in Wirklichkeit ist die Lage ruhig. Was auch sonst? Wenn's Probleme gibt, dann kommen die erst nach Auszählung der Stimmen. Dann, wenn Zweifel an der Richtigkeit der Stimmzettel aufkommen. Aber dann sind die Reisejournalisten schon wieder auf dem Heimweg.

Leider hat der Reuters-Artikel ein paar Schönheitsfehler. Einer davon liest sich so: „Ein Eufor-Sprecher sagte am frühen Nachmittag, in der Stadt komme es immer wieder zu Zusammenrottungen von Anhängern beider Lager, die von Eufor-Soldaten aufgelöst würden." Aha, die Kongolesen rotten sich also zusammen. Endlich macht der EUFOR-Einsatz Sinn. Das ganze Geld dafür muß ja irgendwo sinnvoll angelegt sein. Der nächste Schönheitsfehler liest sich so: Nach einer heftigen Schießerei brachten Bembas Gefolgsleute am Donnerstag mit Francois Joseph Mobutu Nzanga einen Verbündeten Kabilas vorübergehend in ihre Gewalt. Daß dies über tausend Kilometer von Kinshasa entfernt, tief in der Provinz stattfand kommt nur indirekt etwas später zur Sprache. Der Schluß des Reuters-Beitrages ist dann ganz versöhnlich: Die internationale Gemeinschaft unterstützte die Wahl im armen, aber rohstoffreichen Land mit mehr als 400 Millionen Dollar und weit über 1200 Beobachtern. Was soll man denn auch sagen? Das Land ist stinkreich. Aber der Reichtum fließt in kriminelle Kanäle und die Hälfte des Staatsbudgets wird von der Entwicklungshilfe bestritten. Die Herrschenden haben's deshalb gar nicht nötig, sich um das Wohl der Bevölkerung zu kümmen. Das Geld kommt auch so. Das ist genauso wie bei der Deutschen Bahn. Der Regionalverkehr ist von den Landesregierungen bestellt und bezahlt und die Qualität ist völlig egal. Das Geld wird auch so in die Bundesbahnkassen gespült. Genauso ist das im Kongo mit der Entwicklungshilfe. http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2006-10-27T154750Z_01_HAG756857_RTRDEOC_0_KONGO-WAHL-ZF.xml

Die nächste Baustelle ist Die Presse in Wien. Hier ist schon bekannt, was die Österreicher am morgigen Samstag über den Kongo zu lesen bekommen. Das beste an der Meldung vorweg: Gleichzeitig mit der Stichwahl für das Präsidentenamt werden die zehn Provinzregierungen gewählt. Deren Abgeordnete stellen dann die Senatoren für die zweite Kammer im Parlament. Dies ist wirklich ein Novum. Keine andere deutsche Zeitung hat das bisher geschafft, darüber zu berichten. Der Rest des Artikels kommt rüber wie aus einem Maschinengewehr: Wer durch Kinshasa fährt, erkennt das Gewaltpotenzial an jeder größeren Kreuzung: Entweder stehen dort Kabilas Gardisten - etwa 6000 Mann - oder Bembas Soldaten, die auf knapp 1000 Mann geschätzt werden. Zwei Fragen bleiben offen. Erstens: Können die 8000 Polizisten in Kinshasa nach der Bekanntgabe des Wahlresultats eine neue Kampfrunde verhindern? Zweitens: Wird Bemba, der im Westen des Landes seine Hochburgen hat, sich grollend in den Kasai und nach Bandundu zurückziehen und den Kongo damit spalten? http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=595229

Ansonsten mausert sich ausgerechnet die Mitteldeutsche Zeitung zur Kongo-Spezialistin. und bringt die ausführliche dpa-Berichterstattung einer Dame, die aus Kinshasa berichtet, unter der Überschrift: Wahlkampf der Phantome in Kinshasa. Dann schreibt sie u.a. folgendes: Die EU-Truppe unter deutscher Führung bereitet sich unterdessen auf mögliche Unruhen vor und fliegt 200 zusätzliche Soldaten aus dem benachbarten Gabun ein, unter ihnen auch deutsche Fallschirmjäger. In den klimatisierten, mit Moskitonetzen ausgestatteten Zelten wird derzeit viel über eine mögliche Verlängerung des Mandats diskutiert. «Wir werden nicht innerhalb eines Tages abziehen», sagte Befehlshaber General Karl-Heinz Viereck. Für die Rückverlegung seien mehreren Wochen eingeplant, so dass die Präsenz von EUFOR auch während der kritischen Phase vor der Vereidigung einer neuen Regierung in dem zentralafrikanischen Land gewährleistet sei.

Nach Ansicht von Experten bringt EUFOR sich damit in eine heikle Lage. «Wenn es dann Unruhen gibt, kann EUFOR nichts machen, weil sie kein Mandat haben, sondern nur noch im Land sind, um ihren Rückzug abzuwickeln, sagte Jason Stearns von der International Crisis Group. Das könne leicht zu unangenehmen Situationen führen. Die Bundesregierung hatte dem Einsatz nur unter der Bedingung zugestimmt, dass er auf vier Monate beschränkt wurde. http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1161930671491

Ach, wie großzügig er doch ist. Der britischen BBC hat Joseph Kabila offenbar erklärt, er akzeptiere das Ergebnis der Wahl. Das sei keine Frage. Wirklich? Natürlich ist sich der junge Mann mit seinen Hintermännern klar, daß er gute Chancen für eine rechnerische Mehrheit hat. Dann ist gut reden. Was aber, wenn doch alles anders ist? Wie sehen dann die Karten aus? Der Rest kann bei der BBC hier gelesen werden: http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6092492.stm

Abrüstung ist der Schlüssel verkündet lapidar Business Day in Südafrika für die Situation im Kongo. In der Tat, damit wäre schon ganz viel gewonnen. Weiterlesen hier: http://www.businessday.co.za/articles/topstories.aspx?ID=BD4A303596

Auch die südafrikanische Fernsehstation ist hinsichtlich Kongo etwas unbeholfen. Jetzt verkündet sie: Kongolesischer Rebellen-Anführer ist dem Frieden verpflichtet. Und dann kommen Worte von General Nkunda. Oh, welche Langeweile. http://www.sabcnews.com/africa/central_africa/0,2172,137414,00.html

Ganz anders die Londoner Times. Hier berichtet der Korrespondent von irgendwoher aus der kongolesischen Provinz: Hopes of democracy and peace wither amid fears of violence. http://www.timesonline.co.uk/article/0,,3-2424176.html

letzte Aktualisierung: 12.45 Uhr

Jetzt beginnt auch die Neue Zürcher Zeitung ganz zaghaft wieder mit sowas wie einer Kongoberichterstattung. Heute morgen erscheint ein Agenturbericht unter der Überschrift: „Lage in Kongo-Kinshasa zugespitzt" «Die Lage ist weiter sehr angespannt», sagte ein Vertreter der Uno-Mission in der Demokratischen Republik Kongo-Kinshasa (MONUC). Aus Sicherheitsgründen sagte Bemba die für Freitag geplante Abschlusskundgebung ab. Kabila, der in Kongo-Kinshasa bei der ersten Runde der Wahl schlecht abgeschnitten hatte, war während des Wahlkampfs gar nicht öffentlich aufgetreten. Am Sonntag sind 25 Millionen Wähler aufgerufen, sich zwischen Kabila und Bemba zu entscheiden. http://www.nzz.ch/2006/10/27/al/newzzETSCIAKQ-12.html

Bei der Deutschen Welle ist heute der Kongo das „Tagesthema" und ein kurzer Einstieg ist auf der Website zu lesen unter der Frage: Stichwahl - Kommt der Kongo zur Ruhe? http://www.dw-world.de/dw/episode/0,2144,2120007,00.html

Das Handelsblatt hat nun auch General Nkunda, der in der Nähe von Goma residiert, eine Visite abgestattet und berichtet heute ganz ausführlich darüber. Ist das nicht eigentlich ein ganz netter Warlord? Was die Leute aber auch nur haben!

http://www.handelsblatt.com/news/Politik/International/_pv/doc_page/1/_p/200051/_t/ft/_b/1155919/default.aspx/der-gefaehrliche-zauderer.html

Im übrigen machen die „Kämpfe vor den Stichwahlen" – tausend Kilometer von Kinshasa entfernt in den Gazetten Deutschlands per Agenturmeldungen die Runde und stimmen die Menschen auf die „Spannungen" ein, die in den nächsten Tagen zu erwarten sind. Oder doch nicht?

letzte Aktualisierung: 27.10.06, 07.57 Uhr

In Kinshasa finden heute früh die Leser von Le Potentiel einen Kommentar in ihrer Zeitung zum Thema „Das Schicksal des Kongos" – über welches am Sonntag, dem 29. Oktober abgestimmt wird. Sicherlich ist in diesen Überlegungen nicht nur oder nicht vor allem die Wahl zwischen Pest und Cholera gemeint, sondern vielleicht in erster Linie die Wahl der Abgeordneten zu den Provinzparlamenten, die in mancher Hinsicht wichtiger ist. Le Potentiel schreibt: An diesem Wahltag werden die Kongolesen vor ihrem Gewissen von ihrer Freiheit Gebrauch machen zu wählen, um sich mit den Führungskräften ihrer Wahl auszustatten. …Was sicher ist, ist es, daß alle Kongolesen weniger ihren importierten ideologischen Überzeugungen folgen, sondern patriotisch Teilhaber sind eines gemeinsamen Grundes von großem Ehrgeiz und Aspirationen. Sie müssen in der Tat im Herzen des Kontinents einen Rechtsstaat aufrichten, eine Quelle von Vitalitäts-, Kreativitäts- und Erfindungsreichtum… Eine solche Umwelt müßte die Kongolesen anspornen, den Rechten und Grundfreiheiten des Menschen das Beispiel von Mut, von Großzügigkeit, von Ehre und von Beständigkeit hinzuzufügen. So liegt es künftig an den Bürgern, ein Kontrollrecht über die Regierung auszuüben – nicht umgekehrt. Es geht also mehr um die Macht des Rechts als um das Recht auf die Macht.…

Ja, können wir sagen, das sind schöne Worte. Aber dort, wo sie heute gesprochen werden, zeugen sie von großem Verantwortungsbewußtsein und verdienen jede Unterstützung. Sie drücken die ganz normalen Hoffnungen und Wünsche des kongolesischen Volkes aus, endlich einmal normal und ungestört in einem Gemeinwesen leben zu können, das der Gerechtigkeit verpflichtet ist und das die Mißstände der Vergangenheit überwindet. Das zu respektieren und zu unterstützen, das ist die Pflicht des Tages. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_edition=&id_article=36421

Mit der taz vom heutigen Freitag kehren wir zu den Niederungen des Alltags zurück. Hier wird der Ausbruch von den Gefangenen aus dem Zentralgefängnis untersucht, denen die Ermordung von Kabila-Vater zur Last gelegt wird. Die englische Presse hatte schon am Mittwoch darüber berichtet. Dominic Johnson könnte sich wohl auch vorstellen, daß sie nicht geflohen, sondern gekidnappt wurden. Denn wie sonst blieb ihre „Flucht" bis morgens 11 Uhr unbemerkt, wo sie doch rund um die Uhr bewacht wurden? Jedenfalls vermutet er durch diesen Vorgang eine weitere Destabilisierung im Kongo und schreibt: In Kinshasa geht dieser Tage große Befürchtung um, dass im Zusammenhang mit der bevorstehenden Präsidentschaftswahl bewaffnete Gruppen stärker werden, die entweder für Kabila oder für seinen Herausforderer Jean-Pierre Bemba Unsicherheit schüren könnten. http://www.taz.de/pt/2006/10/27/a0096.1/text

Die Frankfurter Rundschau nähert sich dem kongolesischen Wahltermin heute mit einer dpa-Kurzmeldung folgenden Inhalts: EU-Chefdiplomat Javier Solana hat die Kongolesen aufgefordert, bei der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentenwahl "in Würde und in Ruhe" die Stimme abzugeben. Es gehe um eine historische Entscheidung, erklärte Solana in Brüssel. Vor allem die beiden Kandidaten - der amtierende Präsident Joseph Kabila und sein Herausforderer Jean-Pierre Bemba - hätten "eine ungeheure Verantwortung vor ihrem Volk und auch vor dem afrikanischen Kontinent". http://www.fr-akt

Die International Herald Tribune hatte schon gestern ihren „Kongotag" und die Leser mit einer ganzen Reihe von kürzeren und längeren Artikeln auf das Wahlereignis eingestimmt. Das Hauptereignis mit dieser Überschrift: Congo's presidential challenger vows to accept results if he loses http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/26/africa/AF_POL_Congo_Elections.php

Ein anderer Bericht bringt etwas über die Vorgänge in den Gefängnisses: Inmates at main jail in Congo's capital riot, two dead http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/26/africa/AF_GEN_Congo_Prison_Riot.php

Der dritte und mit Abstand längste Bericht befasst sich u.a. mit den Vorgängen in Gbadolite

Gunbattle breaks out in northeastern Congo town during election campaigning

http://www.iht.com/articles/ap/2006/10/26/africa/AF_GEN_Congo_Fighting.php

Wer Gelegenheit hat, in diesen Tagen einen Blick in die gedrucke Ausgabe der ZEIT von dieser Woche zu werfen, findet darin einen Artikel von Andrea Böhm, die im Sommer ein Weblog aus Kinshasa schrieb und jetzt unter dem Titel Held des Kongo: Gegen Krone und Konzerne: Wie der amerikanische Missionar William Sheppard im Kautschuk-Gulag des belgischen Königs Leopold zu einem Anwalt der Menschenrechte wurde eine historische Untersuchung zum Kongo veröffentlicht.

Donnerstag, 26. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 21.45 Uhr

Die Rheinpfalz bringt heute abend eine Kurzmeldung über eine Äußerung von Bemba:

Der Vizepräsident der Demokratischen Republik Kongo, Jean-Pierre Bemba, will auch eine Wahlniederlage am Sonntag akzeptieren. Bedingung dafür sei allerdings, dass die Wahlen frei, demokratisch und transparent verliefen, sagte Bemba am Donnerstag vor Journalisten in Kinshasa. In diesem Fall "werden wir die Entscheidung der Bevölkerung akzeptieren und in die Opposition gehen". Bemba betonte dennoch seine Siegesgewissheit, sagte aber, "auch in der Opposition kann man das Land aufbauen, solange es eine Demokratie ist". http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=NEWSTICKER061026191800.3tnkffpt

Sat1 schaltet sich wieder in die Kongoberichterstattung ein und – dreimal dürfen Sie raten - womit beginnen die Meldungen heute? Richtig! Gespannte Ruhe vor Stichwahl in Kongo ist die Parole. http://www.sat1.de/news/politik/2006/10/26/n2006102616393200002/

Reuters ist da schon ein Stück weiter, denn in der Ruhe fielen Schüsse. Ein Wahlkämpfer Kabilas war festgenommen worden und zwar in Gbadolite, 1.000 Kilometer von Kinshasa entfernt, dem einstigen Urwaldparadies von Mobutu. Und der Festgenommene hieß auch Mobutu und ist der Sohn des Diktators, heute Partner von Kabila. So dreht sich der Wind. Er war gewaltsam in eine Radiostation eingedrungen, die aber von Bembas Leuten verteidigt wurde. Drei Personen seien verletzt worden. http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2006-10-26T174848Z_01_HAG664109_RTRDEOC_0_KONGO-WAHL-SCHIESSEREI.xml

Die französische christliche Zeitung La Croix brachte heute auf der Titelseite einen ausführlichen Hintergrundbericht ihres Korrespondenten aus Kinshasa mit dem Titel: Épreuve démocratique en RD-Congo http://www.la-croix.com/article/index.jsp?docId=2284888&rubId=1094

letzte Aktualisierung:26.10.06, 16.03 Uhr

Die Absage des Fernsehduells zwischen den beiden Kandidaten Pest und Cholera in Kinshasa hat einige internationale Aufmerksamkeit gefunden. Die Voice of America bringt einen ausführlichen Hintergrundbericht, der vor allem die Meinung der Menschen auf den Straßen von Kinshasa einfängt. Ein Ansatz, der in der angelsächsischen Presse durchaus üblich ist. Ob da der Mensch mehr im Mittelpunkt steht? http://www.voanews.com/english/2006-10-26-voa12.cfm

Ähnlich arbeitet auch ein ganz ausführlicher Hintergrundbericht, der heute von Reuters verbreitet wird. Darin wird ein Kinois mit diesen Worten zitiert: "We don't need a Kabila kingdom in which when the father dies we get the son," said civil servant Emmanuel Isangya.

Und am anderen Ende des Landes wird dies dem Reuter-Berichterstatter gesagt: All the work Kabila did in bringing peace and ending the war shows he is the only leader for this country," said Delphin Jakatumbu, a security guard in Kalemie, on the shores of Lake Tanganyika."

http://today.reuters.com/news/articlenews.aspx?type=worldNews&storyid=2006-10-26T123451Z_01_L26581625_RTRUKOC_0_US-CONGO-DEMOCRATIC.xml

In Kinshasa knistert derzeit offenbar die Luft. In der Nähe des Gefängnisses gab's heute eine Schießerei, wie Reuters in einer anderen Nachricht meldet, sehr viel mehr weiß man aber noch nicht. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L26598637.htm

Der südafrikanische Independent-Online bringt einen afp-Hintergrundbericht von Georges Samba mit einer Analyse der Aufgaben, die den Wahlgewinner im Kongo erwarten. Der Artikel kommt zu diesem Schluß: "All the state services are rotting away with corruption," said the chairman of a large company, who asked not to be named.

"Civil servants are too badly paid to put up any resistance."

Whether in the mining or the transport sectors, "no business deal is conducted in transparent conditions", he added, declaring that a thorough state sector reform "is indispensable if one day anybody were to re-establish public services worthy of the name". http://www.int.iol.co.za/index.php?from=rss_Africa&set_id=1&click_id=&art_id=vn20061026104258617C917663

Offenbar schreibt Georges Samba von afp jetzt ganz fleißig darüber, was er in Kinshasa sieht. Die südafrikanische Sunday Times, die offenbar auch in der Woche nicht schläft, bringt aus seiner Feder einen Artikel über die Zustände der Krankenhäuser in Kinshasa. http://www.suntimes.co.za/zones/sundaytimesNEW/basket6st/basket6st1161856417.aspx

Helen Vesperini von der afp befindet sich in Goma und schreibt über die Herausforderungen des Friedens im Osten des Landes. Ihr Artikel wird ebenfalls von der südafrikanischen Sunday Times mitten in der Woche veröffentlicht. http://www.suntimes.co.za/zones/sundaytimesNEW/basket6st/basket6st1161856364.aspx

In Chicago veröffentlicht die dortige „Sun-Times" einen Hintergrundbericht von Associated Press zu den Wahlen. Der Autor ist ANJAN SUNDARAM und befindet sich mitten in der Provinz und hat sogar Pygmäen befragt. http://www.suntimes.com/news/world/112189,CST-NWS-congo26.article

Die BBC hat heute früh ein ausführliches Portrait von Bemba gebracht, der übrigens mit einer Brasilianerin verheiratet ist. http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6085536.stm

Die südafrikanische Zeitung THE STAR bringt einen weiteren afp-Hintergrundbericht, nachdem die Welt des Geldes, insbesondere aus Asien und Amerika, aber auch von afrikanischen Nachbarländern ungeduldig auf das Ende des Wahlprozesses wartet, um im Kongo in all die vielen Rohstoffe investieren zu können. http://www.thestar.co.za/index.php?fArticleId=3504732

letzte Aktualisierung 26.10.06, 09.40 Uhr

Dominic Johnson berichtet vor den Wahlen aus Kinshasa und sein erster Bericht von dort in der heutigen taz enthält diese Nachricht: Vor den Wahlen am kommenden Sonntag scheitert eine TV-Debatte der beiden Kontrahenten Kabila und Bemba an unüberbrückbaren Gegensätzen. Die Bewerber für das Präsidentenamt sind bislang nicht im Wahlkampf aufgetreten. http://www.taz.de/pt/2006/10/26/a0093.1/text

Auch die Mitteldeutsche Zeitung bringt diese Nachricht und schreibt außerdem, die Wahlbehörden würden unter Druck gesetzt, das Ergebnis so schnell wie möglich zu verkünden, damit EUFOR pünktlich abziehen kann. Ja, das ist ein Grund. Weihnachten steht bald vor der Tür. http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1161675672874

Die Rheinpfalz bringt eine afp-Meldung, nach der die MONUC (UNO-Blauhelme im Kongo) die Kandidaten aufgerufen hat, „ihre Anhänger zur Ruhe aufzurufen". Wenn die Kandidaten, wie berichtet wird , nirgends öffentlich auftreten, noch nicht einmal im Fernsehen, ist doch alles ruhig, oder? http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=NEWSTICKER061025132605.fd67nay7

Das Nachrichtenportal Politikerscreen bringt ein ausführliches Portrait von Bemba, dem Herausforderer Kabilas under dem Titel: Der Machtkampf des Multimillionärs. http://www.politikerscreen.de/index.php/Main/Artikel/id/143733/name/Machtkampf+des+Multimillionärs/Blickpunkt/2/n1/Themen/n2/AussenSicherheit

dpa hat in diesen Tagen in Kinshasa offenbar eine Korrespondentin stationiert, die eine Bundeswehrärztin begleitet und vom Dienstalltag der Jungs von Jung berichtet. Dort ist zu lesen: Vom Alltag in Kinshasa bekommen die meisten Bundeswehrsoldaten allerdings kaum etwas mit. «Wir verlassen das Lager nur in Uniform und nie zu Fuß», sagt Korb. «Um halb elf müssen alle wieder zurück sein.» Die Ärztin hat allerdings mehrere Krankenhäuser der Stadt besucht, um sich ein Bild von der medizinischen Versorgung zu machen. «Es ist schon schockierend, die Patienten liegen auf dem Boden, und die Ärzte behandeln nur die, die auch bezahlen können», sagt sie. http://www.glaubeaktuell.net/portal/journal/journal.php?IDD=1161657240&IDB=1&IDDLink=&IDDParent=1028562136

Die Mitteldeutsche Zeitung bringt einen anderen Bericht der dpa-Korrespondentin, nämlich über die Flucht der angeblichen Kabila-Vater-Mörder aus dem Gefängnis. http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1161351453417

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Eine ap-Kurznachricht der taz bringt's am heutigen Mittwoch an's Licht:

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat erneut bekräftigt, dass die Bundeswehrsoldaten fristgerecht zum 30. November aus dem Kongo abziehen werden. Jung zeigte sich beim Forum "Bundeswehr und Gesellschaft" gestern überzeugt, dass die Lage im Kongo auch nach der Stichwahl am 30. Oktober stabil genug bleiben werde, um den termingerechten Rückzug zu sichern. Anders lautende Berichte seien "unzutreffend". Das Mandat für den Einsatz im Rahmen der Eufor-Mission zur Absicherung der Wahlen läuft am 30. November aus. http://www.taz.de/pt/2006/10/25/a0055.1/text

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist das Thema heute eine Glosse wert. Darin schreibt K.F.: Die Bundeswehr wird den Kongo-Einsatz fristgerecht zum 30. November beenden. Sagt der Verteidigungsminister. Aber vielleicht hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht - und zwar den in Paris. Der französische Präsident war nicht ganz unbeteiligt daran, daß die Kongo-Mission mit deutschen Soldaten überhaupt zustande kam. Treffen entsprechende Berichte zu, dann hat der Afrika-Politiker Chirac die Bundeskanzlerin bereits wissen lassen, daß eine Verlängerung in seinem Sinne wäre. Sollte Verteidigungsminister Jung davon keine Kenntnis haben? Noch einmal wird er sich nicht überrumpeln lassen, nur um abermals gewagte Begründungen für die Präsenz der Bundeswehr liefern zu müssen. Jung weiß, daß er Flexibilität braucht, um auf instabile Lagen reagieren zu können, wie man sie für den "volatilen" Kongo jederzeit erwarten muß. Auslandseinsätze folgen nicht der Logik der Stechuhr. Deutschland macht also Erfahrungen, die andere westliche Partner mit friedenserhaltenden und Stabilitätseinsätzen reichlich gesammelt haben: Man bleibt (immer) länger als vorgesehen. Auf der anderen Seite gibt es den Bundestagsbeschluß, die Versicherung der Regierung. Darauf muß man sich verlassen können. http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E37114B178F404CC6B23DD5633DAAA1F0~ATpl~Ecommon~Scontent.html

In der Jungen Welt ist heute zu lesen: Bayern wird der Kongo zu heiß

Die CSU-Landesgruppe lehnt eine Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes im Kongo kategorisch ab. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte am Dienstag in Berlin, das Mandat ende am 30. November. Ramsauer reagierte auf einen Bericht der Mitteldeutschen Zeitung, wonach die EUFOR-Truppe länger als geplant in der Demokratischen Republik Kongo bleiben soll, wenn sich die Sicherheitslage wegen der Stichwahl am 29. Oktober entscheidend verschlechtern sollte. Wie die Zeitung unter Berufung auf EUFOR-Kreise in der Hauptstadt Kinshasa berichtete, haben dies Deutschland und Frankreich »auf höchster politischer Ebene« vereinbart, aber nicht publik gemacht. Ramsauer sagte, davon wisse in den Fraktionsführungen niemand etwas. (ddp/jW) http://www.jungewelt.de/2006/10-25/018.php Auch der Spiegel bringt diese Meldung: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,444461,00.html

Die englischen Medien sind schon ein Stück weiter: In Kinshasa konnten gestern ein Dutzend Gefangene fliehen, die wegen der Ermordung von Laurent Desiré Kabila, dem angeblichen Vater des amtierenden Präsidenten, inhaftiert waren. Dagegen schließen Menschenrechtsorganisationen nicht aus, daß sie gekidnappt wurden, was ja immerhin auch denkbar ist. Hier die Reuters-Meldung: http://today.reuters.co.uk/news/articlenews.aspx?type=worldNews&storyid=2006-10-24T191812Z_01_L24138442_RTRUKOC_0_UK-CONGO-DEMOCRATIC-PRISONERS.xml Diese Nachricht macht nun schon die Runde in der englischsprachigen Welt, so in einer ap-Meldung vom Boston-Globe: http://www.boston.com/news/world/africa/articles/2006/10/24/assassination_figures_flee_congo_jail/ Auch Independent-Online in Südafrika bringt diese ap-Nachricht: http://www.int.iol.co.za/index.php?from=rss_Africa&set_id=1&click_id=&art_id=qw1161703084733A163

Die Reuters-Nachrichten aus dem Kongo erreichen inzwischen immerhin auch die französischsprachige Welt. So veröffentlicht der Nouvelle Observateur den Bericht von Alistair Thomson:

http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20061024.REU45694.html?idfx=RSS_international

Mindestens 14 belgische Parlamentarier haben sich in den Kongo begeben, um als Wahlbeobachter vor allem bei den Provinzwahlen mitzuwirken. Dies berichtet Le Soir mit einer Nachricht von Belga http://www.lesoir.be/actualite/monde/2006/10/24/article_des_parlementaires_belges_au_congo.shtml

Wirtschaftlich ist der Kongo natürlich immer attraktiv. In Katanga gibt's eine neue Erfolgsgeschichte: http://www.nasdaq.com/aspxcontent/NewsStory.aspx?cpath=20061024%5cACQKNB200610240958KNOBIAS_NEWS____2006102413_2266.htm&

Dienstag, 24. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 20.10 Uhr

Heute abend soll hier etwas ausführlicher auf einen Artikel eingegangen werden, der schon letzten Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) erschien und leider im Netz nicht ganz frei zugänglich ist: Im Portrait – Nicky Oppenheimer, Der Diamantenkönig. Der Chef von De Beers ist einer der reichsten Männer der Welt. 40 Prozent aller Diamanten stammen aus seinen Minen. Eins vorweg. In dem Artikel wird gesagt, De Beers habe keine Minen im Kongo, jedoch in Tansania. Und dort wurde neulich – in diesem Presse-Tagebuch wurde darüber berichtet – ein Programm begonnen, mit dem sogenannte „informelle Diamantenschürfer", die ein sehr gefährliches Dasein haben, eine gewisse soziale Grundsicherung bekommen sollen und in den seinerzeitigen Veröffentlichungen war ausdrücklich erwähnt worden, daß dieses Programm auch auf den Kongo ausgedehnt werden solle. In der FAS nun ist zu lesen, weshalb De Beers dieses Programm auflegt: Das Image der Diamantenbranche ist seit der Begriff „Blutdiamanten" die Runde macht, im Keller und Hollywood bereitet gerade einen Streifen mit dem Titel „Blood Diamants" vor, der noch vor Weihnachten in die Lichtspielhäuser kommen soll. (Die deutsche Version nach Weihnachten.) Zwar hat De Beers inzwischen wegen der Teilnahme am Kimberley-Prozess ein gutes Gewissen, aber der Ruf der ganzen Branche ist dem Diamantenkonzern natürlich nicht egal. Und deshalb wird jetzt das soziale Mäntelchen umgelegt. Doch Oppenheimer geht in der FAS noch weiter. Er versteht sich als „Afrikaner" – weil in Südafrika geboren – und „ist stolz darauf, daß der De-Beers-Fonds Millionen in soziale und medizinische Hilfsprojekte pumpt. Und so ägergert sich der Manager darüber, daß nicht anerkannt wird, welchen Reichtum die Diamantenindustrie Botswana und Namibia bringt. „Das sind afrikanische Erfolgsgeschichten…." Und der Chef ist verärgert darüber, „daß Afrika immer als ausgebeutet, auf Almosen angewiesener Kontinent dargestellt wird."

Später sagt er: „Ich mag gönnerhafte Spenden für Afrika nicht. Sie sind für die Fehlschläge in Ruanda und Burundi verantwortlich. Es wäre viel besser, die Weißen im Norden würden die Ärmel aufkrempeln und sich in Afrika mit Projekten engagieren. Aber der Norden interessiert sich nicht für Afrika. Da werden die Schulden erlassen und Spenden verteilt, und dann dreht man sich um und kümmert sich um Indien und China."

Zum Kimberley-Prozess sagt Oppenheimer: „Ein riesiger Erfolg, der völlig unterschätzt wird." Dadurch wurde das vormals sehr verschlossene Geschäftsgebaren von De Beers überwunden. „Wir haben uns mit Regierungen und Nichtregierungsorganisationen an einen Verhandlungstisch gesetzt – das hätten wir früher nie getan." Und offenbar schafft der Hollywood-Film nochmehr Publizität der Diamantenbranche. Jetzt werden Journalisten in die heiligen Hallen von De Beers ins Londoner Hauptquartier eingeladen, die fast ein Jahrhundert lang kein Außenstehender zu sehen bekam. Übrigens darf nicht vergessen werden, daß ohne die Kampagne der Nichtregierungsorganisationen ein „Kimberley-Prozess" (der die Herkunft der Diamanten dokumentieren muß) nicht existieren würde.

http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=common/zwischenseite.asp&dx2={5CAF77D2-CAA2-4AF4-34D9-3C861FF8365D}&rub={035D49F5-2EC3-47D5-A803-F3F19B49A0EA}

Passend zu diesem Portrait von Oppenheimer hat die Süddeutsche Zeitung heute einen Artikel veröffentlicht unter dem Titel: Blutdiamanten – Ein Schlachtfeld voller Steine. Darin wird festgestellt, die UNO dränge auf eine Verschärfung der Kontrollen. Am morgigen Mittwoch will die UNO einen entsprechenden Bericht beraten. Unter anderem habe man festgestellt, daß mit dem Kimberley-Prozeß in den letzten Jahren der Diamanten-Export ausgerechnet von Ghana um 60 % gestiegen sei. Hier seien Diamanten „gewaschen" worden, die dadurch das Kimberley-Siegel bekamen. Und an der Elfenbeinküste blühe der Schmuggel. Susie Sanders von Global Witness sagt: ,,Wir fordern ein sofortiges Diamantenexportverbot für Ghana''.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/559/89470/1/

letzte Aktualisierung: 24.10.06, 11.40 Uhr

Ach ja, was ist neulich alles an Druckerschwärze draufgegangen, um hoch und heilig zu beteueren, daß die Jungs von Jung Weihnachten wieder zu Hause sein würden. Und jetzt, nach der UNO-Anfrage? Heute sind die Medien voll mit Berichten, daß die Jungs wohl noch ein bißchen dableiben müssen. Die Rheinpfalz widmet dem Thema einen längeren afp-Bericht, der natürlich die französische Meinung widergibt, denn die Deutschen zieren sich noch. http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=TOPTHEMEN061024073241.dj0drgy0

Auch die Mitteldeutsche Zeitung hat wohl heute eine entsprechende Meldung veröffentlicht, nach der es „auf höchster politischer Ebene" entsprechende Absprachen gebe, die offiziell nicht publik gemacht würden. Mutig ist die „Repräsentantin der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kinshasa, Andrea Ostheimer, (sie) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung": "Es wäre sinnvoll, das Mandat bis Januar zu verlängern. Der Prozess ist im November nicht abgeschlossen. Ich finde es sehr unklug, sich in einem solchen Augenblick zurückzuziehen." http://www.net-tribune.de/article/241006-12.php

Nun tut auch die Deutsche Presse Agentur ihre Pflicht und widmet dem neuerlichen Wahlereignis im Kongo einen sogenannten Hintergrundartikel, der nach einer Veröffentlichung in der Kölnischen Rundschau heute morgen so beginnt: Wenn es nach den Wahlplakaten geht, gibt es im Kongo am Sonntag keine Verlierer. Unter dem Porträt des leicht unbeholfen wirkenden Präsidenten Joseph Kabila steht in dicken Lettern „Sieger". Sein Herausforderer Jean-Pierre Bemba präsentiert sich staatsmännisch als „Präsident der Republik", die Hände vor sich auf dem Schreibtisch gefalten, im Hintergrund die Nationalflagge. Und zum Ausklang: Das Mandat der Eufor-Truppen läuft Ende November aus. Es mehren sich jedoch die Stimmen, die angesichts der heiklen Lage eine Verlängerung fordern.

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1161361391761.shtml

Die Frankfurter Neue Presse zitiert eine andere dpa-Meldung, die ganz elegant allen Seiten gerecht zu werden versucht: Die von der Bundeswehr geführte EU-Mission im Kongo wird auch nach Ende des Mandats am 30. November in Kinshasa präsent sein. Man werde nicht innerhalb eines Tages abziehen, sagte EUFOR-Befehlshaber General Karl Heinz Viereck in Kinshasa. Es werde einen gut organisierten Prozess der Rückverlegung geben, fügte er hinzu. Er sei «relativ optimistisch», dass die Stichwahl am Sonntag friedlich verlaufe. Die deutschen Soldaten sollen wie geplant spätestens Weihnachten zu Hause sein. http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=3286461

In der englischsprachigen Welt findet ein ausführlicher Hintergrundbericht von Reuters über den Wahlkampf im Kongo Beachtung, der hier gefunden werden kann: http://today.reuters.co.uk/news/articlenews.aspx?type=worldNews&storyid=2006-10-24T090754Z_01_L24925186_RTRUKOC_0_UK-CONGO-DEMOCRATIC-NEIGHBOURS.xml

Auch Associated Press (ap) bringt einen längeren solchen Hintergrundbericht, der von der südafrikanischen Independent Online nachgedruckt wird. http://www.int.iol.co.za/index.php?from=rss_Africa&set_id=1&click_id=&art_id=qw1161607501914B236

Montag, 23. Oktober 2006

letzte Aktualisierung: 08.35 Uhr

Beginnen wir die Woche mit einem Blick in die kongolesische Presse. Die wichtigste Zeitung in Kinshasa, Le Potentiel macht sich heute früh Sorgen über „die wachsende Intoleranz beim Wahlkampf in mehreren Städten des Landes. Kandidatenbildnisse werden zerrissen; Wahlkämpfer und ihre Mitarbeiter mußten sowohl in Lubumbashi als auch in Bukavu aus ihren Hotelzimmern flüchten, weil sie Angst hatten, von Militanten des gegnerischen Lagers gelyncht zu werden." Diese unerfreulichen Nebenerscheinungen der Demokratie à la congolaise Bemba/Kabila dürften, so wird vermutet, zu einer hohen Stimmenthaltung am nächsten Sonntag führen. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=36162&id_edition=3859

Libération in Frankreich bringt heute einen Korrespondentenbericht aus Bukavu über den Wahlkampf, wo „weit weg von Kinshasa" die Bevölkerung auf Kabila „eingeschworen" sei.