Das aktuelle Kongo-Presse-Tagebuch

Das Kongo-Presse-Tagebuch gibt eine persönliche Meinung wieder. Auf keinen Fall die offizielle Meinung von Dialog International

Die angegebenen Links sind teilweise nur kurzfristig im Internet frei erreichbar.

Mittwoch, 31. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 14.35 Uhr

Die nigerianische Zeitung Daily Champion, die in der Region von Lagos erscheint, bringt heute folgende Meldung: Sambische Sportler lehnen kongolesisches Essen in Kinshasa ab: Zambian players shunned food prepared in DR Congo ahead yesterday's African Youth Championship semi-final against hosts Congo. Fearing 'dirty tricks', meals for the 18-man squad was prepared at the Zambian embassy in Kinshasa, capital of the DR Congo. "At this stage of the competition anything can happen, especially when you are playing the host nation for a place in the final," warned Zambian delegation leader Machacha Shepande. 'Dirty tricks' have been part of African football for decades with visiting national and club sides regularly subjected to a range of difficulties designed to disrupt preparations and lower morale. Sub-standard food, no hot water and insect-infested rooms at hotels, no keys to open training facilities, and unnecessarily long trips in buses lacking air conditioning are some examples of previous tactics employed. http://www.champion-newspapers.com/daily%20champion%20files/sport/article_7.htm

letzte Aktualisierung: 09.25 Uhr

Auch die Süddeutsche Zeitung kümmert sich jetzt, wo alles vorbei ist, ganz rührend um die Berggorillas im Kongo, die „vom Speiseplan der Rebellen gestrichen" werden, so die Meldung der Wissenschafts- und Tierschutzredaktion des Blattes aus München. Eigentlich ist die Geschichte recycelt, aber mit etwas mehr Hintergrund: Wildhüter, die sich im Januar unter dem Schutz von UN-Soldaten in das Rebellengebiet vorwagten, fanden die Überreste der geschlachteten Silberrücken und dokumentierten die Tötung der bedrohten Tiere. Im Internet verbreiteten sich die Bilder mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Nachrichtenagenturen wurden auf das Geschehen aufmerksam und verschickten die Meldung aus dem Dschungel in die ganze Welt. Vergangene Woche wurde die Aufmerksamkeit für Rebellenchef Laurent Nkunda offenbar zu groß. Seine Soldaten würden künftig keine Gorillas mehr jagen, versicherte er nach Verhandlungen mit einem Projektleiter der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und UN-Repräsentanten. ,,Das Einlenken der Rebellen ist von großer Bedeutung für das Überleben der Berggorillas und ein Lehrstück, wie sich moderne Medien für den Artenschutz nutzen lassen'', sagt Christof Schenck, Geschäftsführer der ZGF. ,,Ohne die Fotos der toten Tiere wäre der Protest nie in Gang gekommen.'' http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/46/99946/

Schon wieder hat eine Firma, diesmal in Kanada, Anlaß zum Jubel über Funde im Kongo, nämlich diesmal die Africa Resources Ltd., welche ihren Aktionären in Toronto ganz ausführlich berichtet und dort u.a. dies mitteilt: We are very excited about the progress that we have made at Kalukundi in recent months and we look forward to the commencement of diamond drilling in March to follow up on these results. We have adopted an aggressive plan to convert resources into reserves and to define new resources over the coming months and look forward to reporting back to shareholders in the near future," said Africo Resources' CEO Tony Harwood. Detailed sampling of trenches and deep artisanal pits has outlined excellent cobalt values and also implies the presence of significant copper mineralization within the Kesho and Golf fragments, which will be followed up with diamond drilling. In addition, initial mapping of the Kinshasa fragment has outlined extensive surface copper mineralization which highlights the excellent potential to further expand resources at Kalukundi…. http://www.sys-con.com/read/329858.htm

Jetzt sind die Berichte von Amnesty International und der International Crisis Group über den besorgniserregenden Zustand der kongolesischen Armee FARDC auch im Kongo angekommen und beherrschen heute die Hauptschlagzeile von Le Potentiel. In der Tat ist die Frage, was diese FARDC denn alles noch verkraften muß – jetzt noch die Integration der Soldaten des Generals Nkunda im Nord-Kivu – und dann erst auch noch die ordentliche Auszahlung des von der EU finanzierten Soldes (wie diese so zufrieden damit ist, daß ihr Geld nicht dort ankommt, wo sie's haben möchte, ist mir absolut ein Rätsel…). Der Artikel gehört aber auch sonst zu den äußerst belebenden und quirligen Berichten aus dem Kongo. Hier der Versuch einer Wiedergabe vom Schluß: Daher wird man eine verantwortliche Partnerschaft mit den Vereinten Nationen wiederherstellen müssen, um jede Duplizitäts- und Gefälligkeitseinstellung zu entmutigen. Wer hat ein Interesse daran, daß diese Reform scheitert, wenn es nur die Feinde des RDC sind, die sich immer um die Balkanisation des Kongos kümmern? Aber wie sagte es auch Kardinal Frédéric Etsou „jene Kongolesen, die den Kongo nicht mögen".

Man kann sagen, daß die Regierung Gizenga sich um die Zukunft kümmere. Wenn er es nicht schafft, all diese Zentrifugalkräfte aufzuscheuchen, die vielleicht Strategie und Taktik ändern, wird er eine Öffnung für „das trojanische Pferd" gefunden haben. Es gibt also Gründe, sich um die Folgen des politischen Vorgänge in Demokratischer Republik Kongos Sorgen zu machen. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40600&id_edition=3937

Le Pontentiel meldet auch, daß der belgische König, den die „außerparlamentarische Opposition" der UDPS gar nicht im Kongo sehen will, am 15. März seine erste Kongoreise anzutreten gedenkt, um die ehemalige Kolonie zu inspizieren und dem Kollegen Kabila „bonjour" zu sagen. Erwartungsgemäß ist man im Kongo hellauf begeistert über diesen königlichen Besuch und dürfte ihn mit der landesüblichen Ignorance den einstigen Herren gegenüber über sich ergehen lassen. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40602&id_edition=3937

Während also die FARDC das gesamte kongolesische Land inzwischen unsicher macht, statt dessen Bevölkerung zu schützen, was ja ihr eigentlicher Daseinszweck angeblich sein sollte und während der designierte Ministerpräsident Gizenga immer noch kein Kabinett vereidigen kann, jubeln die Aktionäre von Tiger Resources und wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dazu gehören, können Sie mitjubeln: Mit sensationellen Bohrergebnissen von bis zu 4,58 Prozent Kupfer über 67,4 Meter hat Tiger Resources Ltd. (WKN: A0CAJF) das Weltklassepotenzial des Kipoi-Kupferprojekts in der kongolesischen Kupferprovinz Katanga erneut bestätigt. Bei der in fünf Bohrungen gefundenen Vererzung handelt es sich um oberflächennahes extrem hochgradiges oxidisches Erz, das als leicht abbaubar gilt. Bisher wurde die Vererzung in Kipoi Central nur auf einer Länge von 300 Metern getestet; die gesamte Struktur ist aber mindestens 1,5 Kilometer lang! Für Aktionäre sämtlicher Coleur hat während aller Kongokriege noch nie eine Gefahr bestanden. Wenn etwas sicher und problemlos das Land verlassen konnte, dann waren dies die Rohstoffe. Irgendwie haben deren Beschützer das immer wieder geschafft, überall im Kongo diese gefahrlos aus den Gefahrenzonen herauszukatapultieren - und genügend Dollars dorthin zu schaffen, wo die Kriege produziert wurden. http://www.wallstreet-online.de/nachrichten/nachricht/2008572.html

Jubel auch bei der Uno, schreibt der Berliner Tagesspiegel heute: "Wir freuen uns, das Jahr 2007 mit einem so positiven Trend beginnen zu können", sagte der UNHCR-Beauftragte in Daressalam, Yacoub Al Hillo. Im Verlauf des Jahres sei damit zu rechnen, dass weitere 75.000 Flüchtlinge nach Burundi zurückkehren und weitere 48.000 in den Kongo. Dann könnten die Lager Mtendeli, Mkugwa und Muyovosi im Westen Tansanias geschlossen werden. http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/tansania-fluechtlinge/90255.asp

Reuters meldet, daß „U.N. experts urged the Security Council on Tuesday to step up international efforts to end the illegal trade in valuable minerals and other resources plundered from the Democratic Republic of Congo." The council should help the newly elected government in Congo set up a system to better monitor the exploitation of the vast central African nation's natural resources, with an eye to more effectively cracking down on illegal exploiters, the four outside experts said in a new report .http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/N30368830.htm

Die folgende Nachricht ist eigentlich gar keine, muß aber hier registriert werden: Die französische Version der Ansprache des neuen UNO-Generalsekretärs vor der kongolesischen Nationalversammlung am 27.1. findet sich hier: http://www.un.org/apps/sg/sgstats.asp?nid=2425 Der Generalsekretär hat offenbar wirklich französisch gesprochen – denn eine englische Version ist noch nicht verfügbar…

Dienstag, 30. Januar 2007

30 Tage Schlaflosigkeit" ist heute die Hauptschlagzeile von Le Potentiel in Kinshasa und wer keine Ruhe bekommt, ist der 81jährige designierte Ministerpräsident Gizenga, der immer noch keine Koalitionsregierung vorweisen kann. Offenbar hat's lange Marathonsitzungen bei den Koalitionsverhandlungen gegeben und immer wieder mußten Kompromisse eingegangen werden, die scheinbar so aussehen, daß dann der Präsident der Republik die Ministerposten besetzt hat, so beim Außenministerium, beim Verteidigungsministerium, beim Finanzministerium… Doch jetzt sei eigentlich der Zeitpunkt gekommen, daß die Zusammensetzung der neuen Regierung veröffentlicht werden müsse, schreibt das Blatt, denn allmählich sollte sie wohl auch mal anfangen zu regieren… http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40537&id_edition=3936

Bei den Wahlen der Provinzgouverneure, die von den regionalen Parlamentariern vorgenommen wurden hat die AMP von Kabila sozusagen einen Erdrutschsieg davongetragen, was sofort den Verdacht hervorrief, hier seien Stimmen gekauft worden. Immerhin ist bemerkenswert, daß die AMP-Fraktion öfters auch Stimmen von der Union, also der Bemba-Fraktion bekommen hat, insbesondere in Kinshasa, wo sich der Kabila-Kandidat durchgesetzt hat, obwohl die Stadt bei den Parlamentswahlen ein überwältigendes Votum für Bemba's Koalition abgegeben hat. „Irgendetwas ist faul an der Sache, etwas, das nichts mit Ideologie zu tun hat. Eine Menge Geld ist in Umlauf gebracht worden", sagte Moise Musangana, ein Sprecher von Bemba am Sonntagabend und fügte hinzu: „Dies war die Ermordung der Demokratie." Die AMP dagegen beteuert ihre komplette Unschuld. „Wir lehnen Korruption völlig ab." Die Geschichte ist bei news24 aus Südafrika noch etwas ausführlicher zu lesen. http://www.news24.com/News24/Africa/News/0,9294,2-11-1447_2061053,00.html

Zu diesem Wahldebakel der Union Bemba's bei den Gouverneurswahlen schreibt Le Potentiel in einer Untersuchung, daß hier zwar auch eine Lektion in Demokratie erteilt wurde, aber die Opposition sei eben auch desorganisiert. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40492&id_edition=3936

Auch Le Soft berichtet ausführlich über die jüngsten Wahlergebnisse vom Wochenende, die Bembas Union vor allem in Kinshasa einen schweren Schlag versetzt haben. http://www.lesoftonline.net/

Machtwechsel im Osten des Kongo ist heute die Überschrift in der taz von einem Bericht Dominic Johnson's aus Goma, der die Situation im Nord-Kivu unter das Brennglas nimmt und feststellt: Die Gouverneurswahlen bringen politische Verwerfungen. In der Ostprovinz Nord-Kivu verbünden sich frühere Feinde…Der neue Gouverneur heißt Julien Paluku. Mit ihm übernimmt die Mehrheitsethnie der Nande die Macht von ihren historischen Rivalen der ruandischstämmigen Volksgruppe, die Goma während und seit der jüngsten Kriege regiert hatte. Und zum Schluß ist in dem Artikel zu lesen: Eine weitere Schlüsselfrage für den Frieden wird sein, wie gut sich die neue Nande-geführte Regierung mit Nkundas Tutsi-Rebellen versteht. Diese sehen sich seit dem Friedensabkommen mit Kabila in einer Position der Stärke. Die beiden gemischten Brigaden, die sie mit Einheiten der Regierungsarmee bilden, werden von Nkunda dominiert - sie werden in Nkundas Rebellenbasen zusammengestellt. Von den Regierungssoldaten, die dorthin kommen, sagt ein Beobachter: "Die sehen ziemlich bedröppelt aus." Und Nkunda wird nun Anspruch auf Gelder aus Kongos Militärhaushalt erheben. Dem Machtanspruch der Provinzregierung wird er sich kaum unterwerfen. http://www.taz.de/pt/2007/01/30/a0103.1/text

Bisher hat der Internationale Strafgerichtshof ja nur geprüft ob er auf den Fall eintritt – und gestern ist die Entscheidung gefallen – und das war weltweit die Nachricht des Tages. Reuters meldete im deutschen Dienst: "Die Kammer nimmt die von der Staatsanwaltschaft vorgetragene Anklage an." Mit diesen Worten verkündete Richter Claude Jorda die historische Entscheidung für das erste Verfahren. Der 46-jährige Lubanga hat sich mit seiner Miliz UPC Ende der neunziger Jahre am Bürgerkrieg im rohstoffreichen Osten der Demokratischen Republik Kongo beteiligt. In den fünfjährigen Kämpfen starben vier Millionen Menschen. Lubanga - ein ausgebildeter Psychologe - hat die in der Anklage erhobenen Vorwürfe stets bestritten. http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2007-01-29T182307Z_01_HUB966179_RTRDEOC_0_ICC-ANKLAGE-KONGO-ZF.xml

Sogar für die Tagesschau war das ein Meldung, nämlich Lubanga soll Kinder in den Krieg geschickt haben.

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6354868_REF1,00.html

USA-Today, die Bild-Zeitung Amerikas, berichtete ebenfalls über die Entscheidung in Den Haag und zwar in einem außerordentlich ausführlichen Artikel von AP. Wenn das deutsche Schwesterblatt ebenso seriös berichtete, stünde hier sofort eine Kaufempfehlung. http://www.usatoday.com/news/world/2007-01-29-child-soldier_x.htm?csp=34

Ein Nachrichtendienst für Aktionäre u.a. von Moto Goldmines weiß zu berichten, daß diese Firma im Kongo verunsichert wurde, weil ihr Deal mit Okimo offenbar auf den Prüfstand für die Verträge gekommen ist, welche die Übergangsregierung mit ausländischen Firmen abgeschlossen hat. Moto Goldmines will natürlich alle rechtlichen Schritte einleiten….

http://www.sharewatch.com/story.php?storynumber=307561

Montag, 29. Januar 2007

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kongo-Kinshasa - Besuch bei Kabila und den Uno-Truppen so berichtet heute die Neue Zürcher Zeitung über den hohen Besuch aus New York in Kinshasa: «Ich wollte diesen beachtlichen Fortschritt selbst sehen», sagte Ban am Samstag vor dem Parlament in Kinshasa. Die Wiedereinsetzung der staatlichen Autorität und die Durchsetzung des Rechtsstaats in allen Landesteilen seien «unabdingbar für die Festigung von Frieden und Demokratie». Die Parlamentarier rief er zu einem «Pakt des guten Regierens» auf. Hierzu gehöre aber auch «eine echte Opposition, in der jeder frei und ohne Angst vor Einschüchterungen seine Meinung äussern kann»

http://www.nzz.ch/2007/01/28/al/newzzEXHQAOR1-12.html

Der Fernsehsender N24 setzt dagegen ganz andere Schwerpunkte: UN-Generalsekretär Ban gedenkt im Kongo getöteter Blauhelme Ban bemühte sich, Sorgen über ein mögliches Ende der UN-Mission im Kongo entgegenzutreten. «Ich habe nicht die Absicht - und auch nicht die Vereinten Nationen oder die internationale Gemeinschaft - die Demokratische Republik Kongo ihrem Schicksal zu überlassen», erklärte Ban. «Im Gegenteil, wir wollen die Regierung und das Volk auf ihrem Weg zur Demokratie unterstützen.» Das UN-Mandat für die Arbeit im Kongo muss im kommenden Monat verlängert werden. Hilfsorganisationen warnten, ein Abzug der Blauhelme könne den instabilen Frieden im Land gefährden. http://www.n24.de/ticker/politik//article.php?articleId=95300

Auch Reuters berichtet aus Kinshasa: Neuer UN-Chef Ban sichert Kongolesen Unterstützung zu: Wichtig für den Kongo sei zunächst der Aufbau einer professionellen Armee und einer Polizei, sagte Ban vor den Abgeordneten. Sobald es dabei Fortschritte gebe, könnten die UN-Truppen nach und nach Verantwortung an die einheimischen Kräfte übertragen. Über den Zeitplan müsse sich die Gemeinschaft mit der Regierung in Kinshasa abstimmen.

http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2007-01-28T124517Z_01_HUD845895_RTRDEOC_0_KONGO-UN-BAN-WE-ZF.xml

In Kinshasa selbst untersucht heute Le Potentieldie Wahrheiten", die Ban Ki-Moon den Kongolesen zu sagen hatte. Der neue UNO-Generalsekretär habe vermieden, die Sprache des Holzhammers zu benutzen Il est allé droit au but pour dire aux Congolais, à travers eux tous les Africains, toutes les susceptibilités de la gestion d'un pays : de la sécurité à l'éternel problème d'un développement durable sans oublier la convivialité politique tant au niveau national que régional en vue de faire face aux exigences d'un environnement international souvent capricieux.

http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40468&id_edition=3935

Die eigentlich interessante Nachricht aus Kinshasa beherrscht aber heute die Schlagzeile von Le Potentiel, nämlich die Botschaft, daß Tshisekedi wieder in der Opposition in Kinshasa eine Rolle spiele. Dies deswegen, weil bei den Gouverneurswahlen die AMP der Fraktion Kabila überwältigende Mehrheiten eingefahren habe und die Union von Bemba geradezu marginalisiert wurde, zumal im Kasai demnächst noch Nachwahlen stattfinden müssen. Das Land brauche aber eine starke Opposition und deshalb fragt das Blatt, wie denn die Mehrheitsfraktion des Präsidenten jetzt das demokratische Spiel spielen wolle. Und in diesem Zusammenhang kommt Tshisekedi von der UDPS, die Wahlabstinenz geübt hatte, wieder ins Gespräch, denn immerhin haben wir nicht allein die parlamentarische Opposition mit Monsieur Bemba und seiner „Union", sondern auch die außerparlamentarische Opposition von Tshisekedi und seiner UDPS. Andererseits, so schreibt das Blatt, müsse man auch das Urteil der Urnen akzeptieren. Dies sei die demokratische Wirklichkeit. Die AMP sei gut organisiert gewesen und habe deshalb die Präsidentschaftsmehrheit errungen. Andererseits werde diese AMP in den nächsten Tagen über zwei Oppositionen verfügen, einmal über die geschwächte „institutionelle" Opposition und zum anderen über die recht starke außerparlamentarische Opposition der UDPS, die „nicht instutionelle Opposition". Dies werde die Demokratische Republik Kongo vor eine harte Prüfung stellen… http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40441&id_edition=3935

In der taz kann heute ein ausführlicher Bericht von Dominic Johnson über die Verhandlungen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gegen Thomas Lubanga gelesen werden, mit der Überschrift: Anklage mangelhaft. Die Verteidigung legt in Den Haag Briefe des vorherigen Militärgouverneurs der Region vor, der seinem "Präsidenten" - vermutlich Kongos Präsident Joseph Kabila - detailliert in E-Mails über seine Pläne zur "Auslöschung der Hema" berichtet. Auch das wird den Strafgerichtshof aber nicht interessieren. Die Anklage sagt dazu einfach, die Mails seien gefälscht. Es wäre ein hoch brisantes Thema, wenn in Den Haag wirklich Kongos Krieg aufgearbeitet würde mit seinen Hunderttausenden Toten und Millionen indirekten Opfern. Das aber ist hier nicht der Fall. Und es tut auch sonst niemand in der internationalen Justiz. So kann die Verteidigung ebenso Propaganda verbreiten. Sie stellt Lubanga als Friedensbringer dar, der nur ethnische Versöhnung gewollt und der seine Organisation ganz demokratisch geführt habe. Dies ist ebenso weit von der Wahrheit entfernt wie die Rassenkriegsversion der Anklage. Aber sie wird durch Lubangas Videoansprachen gestützt, die die Anklage selbst in Den Haag als Beweismittel einbringt…. Fazit: Nein, eine Aufarbeitung des Kongokrieges wird aus diesem Prozess nicht. http://www.taz.de/pt/2007/01/29/a0173.1/text

Antwerpens Diamantenhändler fürchten um ihr Image ist der Titel eines Beitrages zu dem sich die Deutschen Welle herabläßt und der als Public-Relations-Kampagne aus Antwerpen finanziert sein könnte: Das Problem der Blutdiamanten gehöre der Vergangenheit an. Das behauptet zumindest Freddy Hanard. Er ist der Präsident des Hohen Rats der Diamanten, dem Händlerverband in Antwerpen. "Der Film erzählt Vergangenes. Das muss man wirklich dick unterstreichen", sagt Hanard. "Das Problem der Blutdiamanten gab es Ende der 90er Jahre, und es war auf Afrika beschränkt." Damals seien vier Prozent der weltweit verkauften Diamanten Konfliktdiamanten gewesen, heute seien es weniger als ein Prozent. "Das heißt, das System funktioniert."

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,2327040,00.html?maca=de-rss-de-top-1016-rdf

Samstag, 27. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 17.15 Uhr

Die Deutsche Presseagentur ist so gütig, eine kurze Meldung über den hohen UNO-Besuch in Kinshasa über den Ticker laufen zu lassen und schon wird in Deutschland landauf landab in den Regionalzeitungen berichtet: UN-Chef Ban Ki Moon besucht Kabila und UN-Truppen im Kongo. Ja, das versteht jeder. Kabila bekommt Besuch. Wie schön! Die Bildzeitung war heute leider mit der Rente des vorbestraften Herrn Hartz befasst, der künftig 25.000 Euro pro Monat rübergeschoben bekommt. So ist diese Kongo-Meldung natürlich auch nur winzig klein und wir finden sie in einem anderen Blatt, den Lübecker Nachrichten: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist zu einem Besuch im Kongo eingetroffen. Er will unter anderem den im vergangenen Jahr im Amt bestätigten Präsidenten Joseph Kabila treffen und die UN-Truppen besuchen. Die UN-Mission im Kongo ist mit knapp 18 000 Mann die größte weltweit. Auf dem Programm steht auch ein Abstecher nach Brazzaville, der Haupstadt des Kongo, und ein Treffen mit dem Präsidenten Denis Sassou Nguesso. Ban Ki Moon hatte kurz nach Amtsantritt betont, dass Afrika zu seinen Prioritäten zählen werde. http://www.ln-online.de/artikel/2052486/UN-Chef_Ban_Ki_Moon_besucht_Kabila_und_UN-Truppen_im_Kongo.htm

Doch, o Wunder, hier und da erscheint sogar die afp-Version, die etwas ausführlicher ist und sogar auf die Gouverneurswahlen eingeht. Zu Ban lesen wir hier: Bei einem Besuch in der Demokratischen Republik Kongo hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das Parlament zu einem "Pakt des guten Regierens" aufgerufen. Die Wiedereinsetzung der staatlichen Autorität und die Durchsetzung des Rechtsstaats in allen Landesteilen seien "unabdingbar für die Festigung von Frieden und Demokratie", sagte Ban am Samstag vor der im vergangenen Jahr gewählten Nationalversammlung in Kinshasa. Hierzu gehöre aber auch "eine echte Opposition, in der jeder frei und ohne Angst vor Einschüchterungen seine Meinung äußern kann". Und zu den Gouverneurswahlen: In der Demokratischen Republik Kongo begannen am Samstag in neun von elf Provinzen die Gouverneurswahlen. Die Gouverneure und ihre Stellvertreter werden von den Landesparlamenten gewählt. In den Regionen, in denen keiner der Kandidaten in der ersten Runde die absolute Mehrheit erreicht, wird am Dienstag eine Stichwahl abgehalten. In zwei Provinzen wurde die Wahl verschoben, weil die Zulassung mehrerer Kandidaten überprüft werden soll, wie die Wahlkommission mitteilte. http://www.net-tribune.de/article/270107-48.php

In der bisher unbekannten Net-Tribune wird dann sogar noch auf folgendes hingewiesen: Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag will am Montag über eine Anklageerhebung gegen den ehemaligen kongolesischen Rebellenführer Thomas Lubanga entscheiden. Dort ist u.a. dies zu lesen: Erstens ist Lubanga ein bedeutender Milizenchef in Ituri, der viele Verbrechen begangen hat", sagte Karine Bonneau von der französischen Menschenrechtsorganisation FIDH. Zweitens sei es das erste Mal, dass Verbrechen, die in der Demokratischen Republik Kongo begangen worden seien, verurteilt werden könnten. "Es ist der erste Schritt, die Straflosigkeit in dem Land zu beenden", sagte Bonneau. Außerdem sei der Prozess wichtig, da er sich mit dem Rekrutieren von Kindersoldaten befasse, einem Vergehen, das bisher nicht geahndet worden sei. http://www.net-tribune.de/article/270107-51.php

In der englischsprachigen Welt findet der Besuch ausführliche Resonanz. New UN chief tells war-torn Congo to "count on us" schreibt der Boston Globe mit einer Reuters-Meldung. "It is a gigantic task, which I know well from having myself grown up in a country totally ravaged by war," said Ban http://www.boston.com/news/world/africa/articles/2007/01/27/new_un_chief_tells_war_torn_congo_to_count_on_us/

Die BBC berichtet aus dem Parlament u.a. dies: To loud applause, Mr Ban told the Congolese national assembly the country's elections in 2006 were a real source of hope for Africa - but the task of rebuilding was enormous. He said there could be no democracy without justice.

"To be a healthy and thriving democracy [it] needs a real political opposition in which everyone can express himself freely and without fear of being intimidated," Mr Ban told lawmakers. http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6304043.stm

Und beim südafrikanischen Mail&Guardian ist eine ausführliche afp-Meldung zu lesen: http://www.mg.co.za/articlepage.aspx?area=/breaking_news/breaking_news__africa/&articleid=297155

letzte Aktualisierung: 27.1.07, 07.49 Uhr

Der Besuch des neuen UNO-Generalsekretäres Ban Ki-Moon in der Demokratischen Republik Kongo markiere einen „Wendepunkt" schreibt afp, doch bisher findet sich lediglich bei der Türkischen Presseagentur ein allerdings ausführlicher Bericht über die heute beginnende Visite. Reportern gegenüber habe Ban bei einem kurzen Zwischenhalt in Kairo gesagt, im Kongo seien „sehr ermutigende Entwicklungen" zugange. Doch die internationale Gemeinschaft müsse die junge Demokratie noch stützen. Deshalb habe er auch den Kongo für seinen ersten Afrikabesuch ausgewählt. Und deshalb sei er gegen jede Einschränkung der MONUC-Aktivitäten im Kongo. (Im Februar wird der UNO-Sicherheitsrat über die Verlängerung des Mandats beschließen.) http://www.turkishpress.com/news.asp?id=160553

Weiter im Osten wird für die indische Khaleej Times aus der gleichen Agenturmeldung gleich die Nachricht, Ban komme in die Demokratische Republik Kongo, um Präsident Kabila zu unterstützen, so die Überschrift und im Text heißt es dann, um „Kabilas junge Demokratie zu stärken". Kabilas Demokratie? Wie im Märchen. Überhaupt, ist die ganze Presseberichterstattung vielleicht nur ein Märchenerzählen? Zumindest sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben und ob Kabila Demokrat oder Kleptokrat wird, das muß sich noch zeigen. Verarmt ist er bisher jedenfalls noch nicht. Die Zeitung in Indien, für die der neue Tag wegen der Zeitverschiebung schon ein paar Stunden früher begann, registriert noch Ban's Ankunft in Kinshasa, wo er in der Nacht vom Justizminister empfangen und ins Hotel geleitet wird. http://www.khaleejtimes.com/DisplayArticleNew.asp?xfile=data/theworld/2007/January/theworld_January775.xml&section=theworld&col=

Die französische Version des afp-Berichtes findet sich u.a. hier: http://www.cyberpresse.ca/article/20070126/CPMONDE/70126255/1014/CPMONDE

Auch die BBC bringt einen qualifizierten Vorab-Bericht zu der Reise des UNO-Generalsekretärs in den Kongo. Die BBC-Korrespondentin bei den Vereinten Nationen, Laura Trevelyan, die mit Herrn Ban reist, sagte, die Situation im Kongo sei noch nicht stabilisiert. Ban habe ihr gesagt, er wolle der internationalen Gemeinschaft die Botschaft vermitteln, daß der Kongo nach wie vor Hilfe benötige. „Es ist von entscheidender Wichtigkeit, den Menschen im Kongo dabei zu helfen, ihren demokratischen Weg zu stabilisieren", sagte er der Korrespondentin. „Gleichzeitig werde ich nicht nur einen Dialog mit Präsident Kabila haben, sondern auch mit Mitgliedern der Opposition, um sie aufzufordern sich in einen Dialog zu begeben." Ban wird am Samstag vor dem Parlament in Kinshasa sprechen. http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6304043.stm

Am Vorabend der Reise von Ban in den Kongo hat die britische Entwicklungsorganisation Oxfam eine Erklärung herausgegeben, wie Reuters berichtet, wonach die UNO aufgefordert wird, ihr Kongo-Engagement zu verlängern, weil sie ansonsten riskiere, daß sich der demokratische Prozeß umkehre. „Die Demokratische Republik Kongo ist an einem kritischen Punkt. Die Wahlen im Dezember waren ein Erfolg, aber die neue Regierungsinstitutionen sind noch schwach", sagte Juliette Prodham von Oxfam in einer Erklärung. „Ohne die fortgesetzte Unterstützung von den UNO-Blauhelmen bestehe das Risiko, daß der Kongo in Streit und Chaos zurückfallen könnte." http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L26846448.htm

In Kinshasa erscheint Le Potentiel heute mit dem Aufmacher, die am heutigen Tag in den Provinzen stattfindenden Wahlen der Gouverneure und stellvertretenden Gouverneure könnten darin ausarten, daß die Abgeordneten bei der Wahl zu Geiseln der Kabila- und Bemba-Fraktion würden und nicht mehr das Wohl der Bevölkerung und ihrer Provinzen im Auge behielten…. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40426&id_edition=3934

Jeune Afrique bringt einen ausführlichen Bericht um die Auseinandersetzung zwischen Wahlkommission, Regierung und Opposition wegen der Gouverneurswahlen im Kasai, deren Kandidaten angeblich eine doppelte Staatsangehörigkeit haben. In dem Artikel wird ein Diplomat zitiert, der sagt: „Wenn man beginnt, mit der Nationalität zu spielen, kann das sehr ernste Folgen haben. Jeder weiß, daß zahlreiche kongolische politische Beteiligte eine doppelte Nationalität haben und wenn man damit zu spielen beginne nach Hexen zu jagen, könnte man etwa 25% der Verantwortlichen innerhalb der Institutionen in den Ruhestand versetzen". http://www.jeuneafrique.com/fluxafp/fil_info.asp?art_cle=34464

Freitag, 26. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 17.08 Uhr

Globe and Mail in Kanada bringt heute eine delikate Nachricht: Democratic Republic of Congo's state-owned gold company OKIMO has called for contracts with Canada-listed Moto Goldmines and its subsidiaries to be canceled or revisited, CEO Victor Kasongo said on Friday. Beginning 2003, OKIMO entered into seven lease agreements and one technical assistance contract with Moto Goldmines in the vast Moto gold fields in the northeast of Democratic Republic of Congo, near the border with Uganda. http://www.globeinvestor.com/servlet/story/ROC.20070126.2007-01-26T143645Z_01_N26229475_RTRIDST_0_BUSINESS-SUMMARY/GIStory/

Irgendwo existiert ein Börsen-Radio und dort wird heute folgendes gemeldet: Der Rohstoffmarkt in Afrika hat sich erstaunlich gut entwickelt, vor allem China ist stark in dem Land vertreten (ach ja, das „Land" Afrika. Das steht das wirklich!). Der Kongo und auch die Kupferprovinz Katanga kehren als wichtiges Rohstoffland zurück auf die Weltbühne. Sven Olsson von der Axino AG berichtet über aktuelle Projekte in Afrika…. Aber nicht schriftlich, sondern mündlich. Man kann sich den Beitrag über diese Website anhören. Überschrift: Der Boommarkt Afrika http://www.financial.de/newsroom/brn/92373.html

letzte Aktualisierung: 26.1.07, 07.43 Uhr

Die Politik im Kongo kämpft mit harten Bandagen, wie das anderswo auch nicht selten ist. Das ist also nichts Neues. Neu ist, daß, wenn nötig, Formalismus Triumpf hat. Jetzt ist nötig die MLC zu schwächen. Wie kann sie wagen, gegen die Korruption kämpfen zu wollen? So geht heute eine „Bombe" los: Ihre Kandidaten für die Gouverneursposten in den beiden Kasais, Dominica Kanku und Alex Kande verfügten schließlich über eine doppelte Nationalität, was im Widerspruch zu Artikel 10 der Verfassung stände, die bestätigt, daß die kongolesische Nationalität einzig ist und unteilbar zu sein hat. Dieser Artikel legt fest: „Die kongolesische Nationalität ist einzig und exklusiv. Sie kann mit keiner anderen gemeinsam besessen werden. Die kongolesische Nationalität ist entweder ein Geburts- oder ein erworbenes Recht. Von Geburt an ist jede Person kongolesisch, die einer ethnischen Gruppe angehört, deren Mitglieder das Territorium bildeten, woraus der unabhängige Kongo (jetzt die Demokratische Republik des Kongos) bei der Unabhängigkeit geworden ist. Dem Gesuch (die Wahl der beiden Gouverneure zu annullieren) ist das belgische Amtsblatt beigefügt worden, um zu beweisen, daß diese zwei Persönlichkeiten noch die belgische Nationalität haben, und daß nichts bewiesen sei, daß sie auf dieses verzichtet hätten. Fortsetzung folgt. http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40350&id_edition=3933

Rebellen bereuen schreibt die taz heute früh in einer Kurzmeldung aus der Welt Nkundas: Die Kämpfer des Rebellenchefs Laurent Nkunda im Kongo wollen keine der sehr seltenen Berg-Gorillas mehr töten. Ihnen war vorgeworfen worden, zwei davon getötet und gegessen zu haben. Ein Vertreter habe jetzt aber der Nationalparkverwaltung versichert, die Gorillas künftig zu verschonen, teilte Wildlife Direct mit. (rtr) http://www.taz.de/pt/2007/01/26/a0081.1/text

Im übrigen wird heute in der taz vom Weltsozialgipfel in Nairobi u.a. dies berichtet: Afrikas Aktivisten sind hochmotiviert und brennen darauf, ihren Regierungen und der Welt Dampf zu machen. Das Weltsozialforum hat der regionalen Bewegung Mut gemacht und, wichtiger noch, Zusammenhalt gegeben. In Afrika, wo internationale Telefongespräche nicht funktionieren und reisen teuer ist, sind die neu geknüpften Netzwerke von unschätzbarem Wert. Über praktische Strategien wurde mehr diskutiert als über Gegenentwürfe zur neoliberalen Gesellschaft; am Tisch saßen oft auch Insider aus Wirtschaft und Politik. http://www.taz.de/pt/2007/01/26/a0148.1/text

Radio Concordia ist der neue katholische Sender im Süd-Kivu, der den Armen ein Stimme geben soll und wie dieser für die dortige Erzdiözese errichtet wurde, ist im Portal for the Broadcast Industry zu lesen: http://www.broadcastnewsroom.com/articles/viewarticle.jsp?id=100114

Wie im Märchen, nur etwas naiver, beginnt ein Artikel in der heutigen Süddeutschen Zeitung: Geheimnisumwitterte Branche - Schmutzige Geschäfte mit Diamanten sind passé. Der Start des Hollywood-Filmes "Blood Diamond" in deutschen Kinos erinnert an die dunklen Zeiten der Edelstein-Industrie. http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/440/99341/

Österreich kommt mehr und mehr auf den Geschmack und „entdeckt" Afrika. Heute findet sich in der Presse ein Public Relations-Artikel von Thomas Kniemeyer mit dem Titel: Diamanthartes Kartell der Oppenheimers über den Diamantenkonzern De Beers, der in folgender Aussage gipfelt: Wäre Sierra Leone oder Angola von Anfang an so fest in Händen eines ordentlich geführten Konzerns wie De Beers gewesen, hätten diese Nationen heute wohl mehr Wohlstand und weniger Blutvergießen vorzuweisen. http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=e&ressort=eo&id=613654

Über den Kongo wird nichts berichtet, aber die Hälfte der deutschen Zeitungen bringen ein „Kalenderblatt" und der Kalendermann sammelt akribisch irgendwelche Zufälle und dann wird daran „gedacht". An was heute z.B. in der tz-München?: „2001 - Joseph Kabila wird als Nachfolger seines ermordeten Vaters Laurent Kabila als Präsident der Demokratischen Republik Kongo vereidigt." Ja, wirklich wichtig. Leider interessiert dabei offenbar gar nicht, daß hier der Gedanke der Demokratie mit Stiefeln getreten wurde und alle sogenannten demokratischen Regierungen des Westens darüber auch jubelten und den roten Teppich auslegten. Solch ein hübscher junger Mann. Wie im Märchen. 6 Jahre hat man gebraucht und die teuersten Wahlen aller Zeiten mit einer halben Milliarde Euro inszeniert mit viel Public Relations für den jungen Wunschkandidaten, um daraus einen „demokratischen Schuh" zu machen. Na ja. Mal sehn, was die Opposition darf. http://www.tz-onl

Verwirrende Fakten auf Stuttgarts romantischen Treppenwegen findet die Backnanger Kreiszeitung in den Krimis von Klaus Wanninger. Heute geht's in den „Schwaben-Sumpf":

Ist der Mörder des Mädchens im familiären Umfeld zu suchen? Oder gibt es Zusammenhänge mit den dubiosen Geschäften ihres Vaters mit importierten Rohstoffen aus Afrika? Dunkle Machenschaften werden aufgedeckt. Der Leser erfährt von der Ausbeutung von Einheimischen im Kongo und Nigeria, von der Zerstörung der afrikanischen Landschaft aus Profitgier und von den Methoden fiktiver Stuttgarter Geschäftshaie und Wirtschaftslobbyisten, die darin verwickelt sind. Ein Sumpf aus dem Klüngel derjenigen, die in den oberen Etagen sitzen… http://www.bkz-online.de/modules/news/article.php?storyid=272965

England hat ein Problem mit der Multikulturalität ganz besonderer Art, wie der Guardian berichtet. Sir Keith quoted the example of one white pupil in her early teens who, after hearing in a lesson that other members of her class originally came from the Congo, Portugal, Trinidad and Poland, said she "came from nowhere".

Jetzt sollen mehr „britische Werte" unterrichtet werden. http://politics.guardian.co.uk/publicservices/story/0,,1998429,00.html

Donnerstag, 25. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 12.04 Uhr

Die BBC berichtete heute vormittag, daß die MIBA, also die bisher wichtigste Diamantenproduktionsfirma im Kasai, einen dramatischen Produktionsrückgang von 80 % im letzten Jahr zu verzeichnen hatte („Slump at DR Congo's diamant firm") . Hauptgrund sei angeblich ein bewaffneter Konflikt mit Grubenarbeitern gewesen. Die Mitarbeiter der MIBA warteten noch auf 4 Monatsgehälter. Allerdings bevölkern auch täglich rund 10.000 private „handwerkliche" Diamantensucher das MIBA-Gelände, sodaß vielleicht andere doch das Geschäft machen…

http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6297425.stm

Die Frankfurter Rundschau hat heute den angemessenen Beitrag zum Start der deutschen Version des Films „Blutdiamanten" gebracht, mit einem Hintergrundbericht („An den Diamanten klebt weiterhin Blut") und zahlreichen Stellungnahmen von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen zur Frage, ob Diamanten durch Kimberley wirklich „clean" sind. Sogar ein Video zum Film kann angeschaut werden. http://www.fr-online.de/top_news/?sid=9b44adba2614781c3ea358d42f71532d&em_cnt=1058407

letzte Aktualisierung: 25.01.07, 09.10 Uhr

Die arabische Zeitung AlJazeera berichtet in ihrer englischen Ausgabe ausführlich über eine Untersuchung von Amnesty International, wonach jetzt die größte Gefahr für den inneren Frieden im Kongo von der eigenen Armee FARDC ausgeht. Korruption, Mißbrauch von Geldern und Verzögerungen bei den Integrationsprogrammen, welche die Soldaten in die Zivilgesellschaft zurückführen sollen, gefährden die nationale Stabilität, gab Amnesty in dem gestern veröffentlichten Bericht bekannt. http://english.aljazeera.net/NR/exeres/2A6E001C-8225-4687-AE99-83856EBAA090.htm Die Original-Presseerklärung von Amnesty findet sich hier http://www.amnestyusa.org/news/document.do?id=ENGAFR620022007

Auch Bemba meldet sich in der kongolesischen Politik zurück mit einer Warnung an Kabila, daß Mißbrauch und Korruption die Demokratie unterminieren und die Opposition dazu führen könnte, zu Streiks und Protesten aufzurufen. Bemba, who had said after losing the poll that he would exercise peaceful opposition, slammed "buying of consciences" and corruption which he said marred senatorial elections held last week, in which Kabila supporters won a clear majority.

http://www.int.iol.co.za/index.php?from=rss_Africa&set_id=1&click_id=&art_id=qw1169672761789B252 Auf französisch ist die Meldung hier zu lesen: http://www.avmaroc.com/actualite/rdc-bemba-hausse-a66419.html

Kongolesische Regierungsstellen haben, einer Meldung der südafrikanischen news24 zufolge, gestern ein Verbot für abgedunkelte Fensterscheiben bei Autos erlassen: DRC bans „gangster cars" ist die Überschrift. Künftig dürfen nur noch Regierungsautos so rumfahren. Endlich Klarheit! http://www.news24.com/News24/Africa/News/0,,2-11-1447_2059259,00.html

In den USA ist Dikemba Mutombo in den Zeitungen gestern der gefeierte Held gewesen, der es bis in die „Rede der Nation" des Präsidenten Bush geschafft hat. Jetzt plant er ein „Wohltätigkeitsbasketballspiel" (diese Wortschöpfung klappt nur im Deutschen) in Paris zugunsten seines Krankenhauses in Kinshasa und in dem Artikel kommt auch raus, was wir schon befürchtet haben: Das seit August letzten Jahres fix und fertige Gebäude konnte noch immer nicht den Betrieb aufnehmen, weil nach wie vor wichtiges Equipment fehlt. Mutombo hofft nun im April eröffnen zu können. Diese Verzögerung (wofür wir schon den kongolesischen Zoll als Verursacher vermuteten) ist ein Skandal erster Güte, wenn man bedenkt, daß in Kinshasa nicht gerade an jeder Ecke eine Gesundheitsstation steht. http://www.chron.com/disp/story.mpl/sports/bk/bkn/4497706.html

Was viele Medien in den letzten Wochen intensiv beschäftigt hat, muß doch zu einem „happy end" kommen: Das Morden an den Berggorillas im Kongo. So berichtet denn auch Associated Press (wieder aus dem Senegal), im Kongo hätte nun Rebellenchef Makanga weiteren Kontrollen in den Naturschutzgebieten zugestimmt. Doch die Parkwächter seien noch skeptisch. Weiterer internationaler Schutz sei nötig. http://www.cumberlink.com/articles/2007/01/25/ap/science/d8mrrmd03.txt

Aus dem „kleinen" Kongo berichten die Zeitungen, daß aus einem Gefängnis 200 Gauner ausbrechen konnten und jetzt die Hauptstadt Brazzaville unsicher machen. Die Anstalt war für 100 Gefangene geplant gewesen und bei Unruhen wurden die Wärter gezwungen die Türen aufzuschließen. Ein Häftling starb bei den Auseinandersetzungen. http://shortnews.stern.de/shownews.cfm?id=652933&u_id=330694

Seit Jahren tauchte in der internationalen Presse in der Kongoberichterstattung ein Name aus Polen auf, also kein Exil-Pole, mit hochinteressanten Berichten: Ryszard Kapudcinski. Der Autor ist leider in diesen Tagen an einem Herzinfarkt mit 74 Jahren gestorben, doch die Zeitungen weltweit sind voll mit Nachrufen. Ryszard Kapudcinski ging schon in den fünfziger Jahren als Korrespondent polnischer Medien nach Afrika, bereiste den Kontinent und schickte hochqualifizierte Berichte nach Polen – die dann auch in anderen Ländern und manche später gesammelt als Bücher erschienen, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. So war Ryszard Kapudcinski auch schon während des ersten Bürgerkriegs im Kongo. Ein Nachruf findet sich u.a. im Tagesspiegel Immer knapp über der Grasnarbe - Vom Genie eines Jahrhundert-Reporters http://www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/25.01.2007/3040438.asp Auch die FAZ veröffentlicht einen längeren Nachruf Herodot unserer Zeit: Ryszard Kapuscinski ist tot

http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E6E4F6C97C7304BE7B61556CBAA4167F9~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Im Wiesbadener Tagblatt und benachbarten Lokalzeitungen läßt sich die kleine Erfolgsgeschichte eines jungen Kongolesen finden, der als Flüchtling ins Land kam, vom Vater versteckt wurde aus Angst vor Abschiebung und dann mit 18 eine Schule fand, wo er Haupt- und jetzt Realschulabschluß nachholen kann. http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=2685788

Mittwoch, 24. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 06.47 Uhr

Die Veröffentlichung der neuen Regierung in Kinshasa läßt auf sich warten. Le Potentiel macht sich heute früh so einige Gedanken über das „warum". Und man hat vier Punkte gefunden: Erstens sind die Verhandlungen blockiert, weil bisher die Provinzen Südkivu, Katanga und Bandundu überrepräsentiert sind. Zweitens ziehen sich die Bemühungen hin, dieses nötige regionale Gleichgewicht in der Regierung wiederherzustellen. Die dritte Schwierigkeit sind „die Namen einiger Personen, die ein Problem darstellen." Und die vierte Schwierigkeit für Gizenga bestünde in der Verwaltung all dieser „Divergenzen". Um alles zu beschleunigen ist jetzt schon eine außerordentliche Sitzung der Nationalversammlung einberufen worden. Unter den fünf Tagesordnungspunkten betreffen zwei die künftige Regierung: Es handelt sich um die Punkte „Prüfung und Annahme des Aktionsprogramms der Regierung, anschließend ihre Einsetzung; dann Prüfung und Abstimmung über den Gesetzesentwurf zur Bereitstellung des provisorischen Haushalts für das Jahr 2007". http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40236&id_edition=3931

In Übersee liest man wenigstens bei den Chinesen heute früh etwas über den Kongo, nämlich im People's Daily ein kurzer Hinweis, daß der neue UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon am Freitag den Kongo bereist. In Kinshasa sind Gespräch mit Kabila, Gizenga und dem Parlamentspräsidenten Vital Kamerhe geplant, außerdem mit Oppositionsvertretern. Anschließend reist Ban Ki-moon weiter nach Kisangani, um dort UNO-Blauhelme zu besuchen.

http://english.people.com.cn/200701/24/eng20070124_344221.html

In den USA hat Präsident Bush gestern abend seine Rede an die Nation abgeliefert und – wie konnte dies anders sein – die amerikanische Größe herausgestellt. Und gab dafür u.a. dieses Beispiel, was hier im Original wiedergegeben werden soll: Dikembe Mutombo wuchs in Afrika auf, unter großer Armut und viel Krankheiten. Er kam mit einem Stipendium an die Georgetown Universität, um Medizin zu studieren – doch Trainer John Thompson schaute sich Dikembe an und hatte eine andere Idee. Dikembe wurde ein Star in der nationalen Baseball-Mannschaft und ein Bürger der Vereinigten Staaten. Doch vergaß er nie das Land seiner Geburt – oder die Pflicht, seine Segnungen mit anderen zu teilen. Er hat ein brandneues Krankenhaus in seiner Heimatstadt gebaut. Ein Freund sagte von diesem gutherzigen Mann: „Mutombo glaubt, daß Gott ihm die Gelegenheit gegeben hat, große Dinge zu tun." Und wir sind stolz, diesen Sohn des Kongo unseren amerikanischen Kameraden [fellow] nennen zu können.

Wir wollen lieber nichts dazu sagen. Vielleicht kommt Bush ja noch nach Kinshasa, das Krankenhaus einzuweihen, um damit zu Hause zu punkten. Jedenfalls würde dann gewiß das Equipment, mit dem das Krankenhaus eingerichtet werden soll, schneller durch den Zoll kommen. http://www.tribune-democrat.com/local/local_story_023234113.html

Während an den Börsen der Goldpreis beträchtliche Luftsprünge macht, veröffentlicht BANRO sehr detailliert neueste Zahlen über Goldfunde im Twangiza-Gebiet im Süd-Kivu im Kongo. Banro is a Canadian-based gold exploration company focused on the development of four major, wholly-owned gold projects along the 210 kilometre-long Twangiza-Namoya gold belt in the South Kivu and Maniema provinces of the DRC. Led by a proven management team with extensive gold and African experience, Banro's strategy is to unlock shareholder value by increasing and developing its significant gold assets in a socially and environmentally responsible manner.

http://biz.yahoo.com/prnews/070123/to490.html?.v=12

Die Oberösterreichischen Nachrichten befassen sich heute mit diesem Thema: Eine Bio-Energie mit Kollateralschaden - Afrika will eine "Grüne Opec", Asien sieht in Palmöl das Heil, das Resultat ist fragwürdig Seit 30 Jahren holzen die Südamerikaner für ihre Spritprojekte den Regenwald ab. Dasselbe wollen nun afrikanische Länder tun. Senegals Präsident Abdoulaye Wale träumt von einer "Grünen Opec", die den Erdölländern Konkurrenz machen würde. Kongo etwa habe riesige Flächenressourcen, die für Ölpflanzen genutzt werden könnten. Doch 40 Prozent der Fläche des Kontinents seien schon unfruchtbar. http://www.nachrichten.at/wirtschaft/511339?PHPSESSID=

Dienstag, 23. Januar 2007

Oh, die Politik! Jetzt geht sie so richtig los, auch im Kongo. Da berichtet Le Potentiel heute, der Kampf um die Präsidentschaft im nagelneuen Senat sei angekündigt worden – und zwar zwischen Kananga und Mbandaka. (Oder meinen sie zwischen Bayern und Preussen? - hurra, der Kongo wird normal!) http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40196&id_edition=3930

Und dann kommt im selben Blatt noch eine wirklich umwerfende Nachricht. Nicht nur, daß die Zahl der Minister bekanntlicherweise „elefantöse" Ausmasse annehmen soll, jetzt wird noch eins draufgesetzt und ein Ministerium für die kongolesische Diaspora eingerichtet. Das hat auch wirklich noch gefehlt, wir haben solch ein Ministerium wirklich bisher schmerzlich vermisst. Hier der tröstende Bericht: http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40142&id_edition=3930

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. So ist denn die dritte Nachricht in Le Potentiel heute die Ankündigung, daß bei einer genauen Betrachtung der vielen Namen, die jetzt gewählt wurden, eine „Rückkehr der Dinosaurier" ins Haus steht. Mit anderen Worten, jene, die man durch die Wahlen begraben wollte, leben und lehnen ab zu sterben. So steht's da, heute in Le Potentiel, ich kann auch nichts dafür. Man bemüht den berühmten Larousse, also, die Enzyclopädie Frankreichs, wo zu lesen ist, „Dinosaurier" sei eine „Person, deren vergangene Bedeutung verhindert zu verschwinden". Und nicht nur das. Jene, die man „Dinosaurier" nennt, beginnen, darüber stolz zu sein: „Ich akzeptiere, daß man mich Dinosaurier nennt…" Tja: Diese Persönlichkeiten wurden soeben gewählt entweder Abgeordneter, oder Senator. In der Vergangenheit und besonders während der 2. République haben sie hohe Funktionen übernommen. Sie verfügen alle „über eine wichtige Vergangenheit, die verhindert, daß sie verschwinden". Ab hier verdienen sie, „Dinosaurier" genannt zu werden…

Wenigstens der kongolesische Journalismus ist erfrischend! http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40143&id_edition=3930

Na, und bei der taz wollen wir jetzt mal nachsichtig sein und nicht behaupten, Dominic Johnson habe erst heute bemerkt, daß Bemba im kongolesischen Senat sitzt. Aber er berichtet wirklich erst heute darüber, oder, müssen wir sagen, er darf erst heute darüber berichten, denn gestern hatte er ja auch schon über den Kongo berichtet? Immer über den Kongo berichten, das wird allmählich auch den taz-Kollegen zuviel. Armer Dominic! Der Artikel findet sich hier: http://www.taz.de/pt/2007/01/23/a0100.1/text

Und das muß hier unbedingt auch noch rein: Die Frankfurter Rundschau hat doch gestern tatsächlich im Lokalteil über den Kongo berichtet! Kaum zu glauben, sowas. Und was wurde berichtet? Genau das, was seit einer Woche schon die Spatzen von den Dächern pfeifen - jawohl, Sie haben das als treue Leserinnen und Leser des Presse-Tagebuchs schon geahnt: Die Frankfurter Zoologische Gesellschaft…. wir ersparen uns weiterer Worte. Wer's unbedingt auf deutsch lesen will - voilà: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/frankfurt/?em_cnt=1056063&

Montag, 22. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 22.25 Uhr

Also, da ist gerade der größte Orkan aller Zeiten einen ganzen Arbeitstag lang durch Deutschland gefegt und die Wissenschaft behauptet, dies sei ein „ganz normaler Wintersturm" gewesen, der halt seit 20 Jahren nicht mehr da gewesen sei (in Wirklichkeit noch nie, noch nie, noch nie: jawohl) und jetzt kommt die Wissenschaft an und veröffentlicht eine Weltkarte mit den Erderwärmungen der kommenden Jahre – und Sie werden nicht glauben, was die Wissenschaft da so alles festgestellt hat! Nein, Sie können sich das einfach nicht vorstellen. Die Wissenschaft hat also festgestellt, daß mit der höchsten Erderwärmung ausgerechnet im Kongo- (und Amazonas-) becken zu rechnen ist, nämlich mit einer Steigerung von 11 Grad [sic] Jetzt hoffen wir bloß mal, das ist wenigstens nur Fahrenheit und nicht Celsius. Aber auch bei Fahrenheit ist das eine Feststellung, die einen vom Hocker fallen läßt. Und wissen Sie, was angeblich auch noch festgestellt wurde? Ausgerechnet in den USA ändert sich fast gar nichts bei den dann zu erwartenden Temperaturen. Hilfe, wer hat die Studie bezahlt? http://www.edie.net/news/news_story.asp?id=12501

Ach, wie interessant. Da existiert also eine Ministerial Order #0366/Cab.Mines/KKM/MK/ MN/ 97 vom 31. Mai 1997 [nochmal: sic!] und just als Weihnachtsgeschenk hat jetzt der kongolesische Bergbauminister (the "Minister") am 22.12.06 an weitere Herrschaften geschrieben, an den Vice-President of the Republic in charge of Economic and financial commission, the Vice-Minister of Mines, PTM Minerals and Gecamines, whereby the Minister confirmed the following: usw.usw., das läßt sich im Artikel lesen, jedenfalls müssen PTM Minerals (Cayman) Ltd. [Ja, Sie haben richtig gelesen, Cayman-Inseln – unglaublich!!!] , a wholly owned subsidiary of Simberi, and Gecamines, agreed in 1997 to complete a joint venture to operate the Kakanda Project. Kurz und schlecht, der Kongo kommt nicht aus den höchstwahrscheinlich höchst ungerechten Verträgen heraus, mit denen Kabila-Vater über den Tisch gezogen wurde, und die schon Prof.Mbaya, seinerzeit Minister für Wiederaufbau und Planung, unter die Lupe genommen hatte, dann aber ausgebootet wurde. http://www.sys-con.com/read/325816.htm

Und jetzt dies: Zenit sieht die Welt von Rom aus und ist Sprachrohr der päpstlichen Verlautbarungen. So wurde denn heute die deutsche Version der Ansprache veröffentlicht, die der römische Heilige Vater am 8. Januar vor dem Diplomatischen Corps gehalten hat und darin sozusagen in einer Tour d'horizon die Probleme der Welt im Schnelldurchgang absolvierte. Zum Thema Zentralafrika lesen wir folgendes: Die Region der Großen Seen wurde seit Jahren von gnadenlosen, blutigen Kriegen heimgesucht. Es ist daher angebracht, mit Interesse und Hoffnung die positiven Entwicklungen der letzten Zeit aufzunehmen, besonders den Abschluss der Phase des politischen Übergangs in Burundi und zuletzt in der Demokratischen Republik Kongo. Es ist dennoch dringend, dass sich die Länder um eine Rückkehr zu funktionierenden rechtsstaatlichen Institutionen bemühen, um alle Willkür einzudämmen und die soziale Entwicklung zu ermöglichen. In Ruanda wünsche ich mir, dass der lange nationale Aussöhnungsprozess nach dem Völkermord in Gerechtigkeit, aber auch in der Wahrheit und Vergebung seinen erfolgreichen Abschluss findet. Die internationale Konferenz über die Region der Großen Seen, an der auch eine Delegation des Heiligen Stuhls und Vertreter zahlreicher nationaler und regionaler Bischofskonferenzen Zentral- und Ostafrikas teilnehmen, lässt neue Hoffnungszeichen erahnen. http://www.zenit.org/german/visualizza.phtml?sid=101520

Warum muß die MONUC noch länger im Kongo bleiben? Ihr Kommandeur, General Babacar Gaye aus dem Senegal gab heute die Antwort: "Die FARDC" – die Armee der Demokratischen Republik Kongo - "gehört zu den schlimmsten Verletzern der Menschenrechte im ganzen Land", sagte er. "Der Unterschied zu den bewaffneten Gruppen besteht darin, daß die (offizielle) Armee nicht auf Befehle hört. Der Mangel an Disziplin und die Gewalt kommt von Individuen."

"Soldaten, die unterernährt sind, ärmlich bezahlt, ohne Uniformen – bilden eine schwierig zu befehligende Armee", fügte er hinzu.

Die MONUC hat eine Aufgabe zu erfüllen bei der Reformierung des Militärs im Lande durch gemeinschaftliche Ausbildungen und hat dafür die volle logistische Unterstützung der FARDC," sagte Gaye, wenige Tage vor dem Besuch des neuen UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon in Kinshasa. Mehr ist in einem Bericht der südafrikanischen Agentur News24 zu lesen. http://www.news24.com/News24/Africa/News/0,9294,2-11-1447_2058171,00.html

Mit den Aussichten auf baldigen Frieden im Osten des Kongo boomen die Ideen für wirtschaftliche Entwicklungen. So kommt die Schiffahrtsgesellschaft der ugandischen und kenianischen Eisenbahn, die auf dem Viktoriasee täglich 6.000 Menschen per Schiff befördert, auf die Idee, sowohl auf dem Kivu- als auch auf dem Albertsee regelmäßige Dienste mit zuverlässigen Booten einzurichten, was bisher dort genau fehlt. Dies schreibt jedenfalls die Zeitschrift East African Business Week, die in Kampala erscheint. http://www.busiweek.com/index.php?option=com_content&task=view&id=2712&Itemid=9

Im „Medienhaus Der Neue Tag" [das ist eine Zeitung] war in Ostbayern Der Herzschlag des Schwarzen Kontinents (jawohl, das steht da), noch zu spüren, mit der Show Mama Africa in Weiden („Witt-Weiden") und alle Zuschauer im Saal wurden zu „Afrikanern ehrenhalber" ernannt. Der Rest war Zirkus. Im atemberaubenden Tempo taucht der "Circus der Sinne" in ein neues Lebensgefühl ein und eröffnet einen Einblick, der über das Offensichtliche hinausgeht….Natürlich erinnern Hechtsprünge durch drei übereinander aufgetürmte Reifen stark an Andre Hellers "Begnadete Körper". Doch was dort mit asiatischen Artisten zuweilen wie technisch-kühler Leistungssport anmutet, erhält in der afrikanischen Version eine belebende Eleganz…. http://www.oberpfalznetz.de/onetz/967418-131,1,0.html

letzte Aktualisierung: 22.1.07, 09.03 Uhr

Die taz liefert heute den für Deutschland längst fälligen ausführlichen Hintergrundbericht zum Thema „Kongos neuer Krieg vorerst beendet Ruanda vermittelt zwischen Präsident Kabila und dem ruandischstämmigen Rebellenführer Nkunda im Osten" Darin ist zu lesen: Wenn nun die im Feld ungeschlagenen Rebellen mit den ihnen unterlegenen Regierungseinheiten zusammengelegt werden, fragt sich, wer hier eigentlich wen integriert. Für Nkunda ist das Abkommen eine politische Bestätigung…. Für Kongos Präsident Kabila besteht der Vorteil der Vereinbarung darin, dass der Ostkongo, der bei den Wahlen massiv für ihn stimmte, jetzt zum Frieden finden könnte. Kabila revanchiert sich damit auch bei der ruandischstämmigen Minderheit, die ihn bei den Wahlen mehrheitlich unterstützte. http://www.taz.de/pt/2007/01/22/a0141.1/text

Die taz widmet sich außerdem in ihrem Kommentar nochmal ausführlich dem Thema „Militäreinsätze in Afrika" : Soldaten müssen erwünscht sein - Die Kongo-Mission zeigt: Der Einsatz der Bundeswehr im Ausland ist nur sinnvoll, wenn vor Ort der Wille zum Frieden besteht. Von einer Mission in Darfur ist daher abzuraten. In dem Artikel lesen wir dann u.a.: Im Nachhinein erweist sich, dass der Konzentration des Eufor-Einsatzes auf Kinshasa eine völlig richtige politische Lageanalyse zugrunde lag. Trotz der Stammesvielfalt zeigte sich, dass es eine kritische Masse an kongolesischem Patriotismus gibt, dessen politischer Fokus Kinshasa ist. Die politische Perspektiven des Landes werden dort entschieden. Das größte Verdienst des Eufor-Einsatzes ist, dass er europäisch und international das nötige politische Engagement für den Kongo mobilisiert hat, um die dortigen konkurrierenden Lager auf die vereinbarten Spielregeln zu verpflichten. Im entscheidenden Moment haben die Eufor-Kräfte zudem genau das getan, wofür sie im Kongo stationiert worden sind: Sie haben geholfen, ohne Ansehen der involvierten Parteien, bewaffnete Konflikte zu unterbinden.

http://www.taz.de/pt/2007/01/22/a0200.1/text

In Kinshasa weist Le Potentiel heute früh darauf hin, daß 23 Tage seit der Ernennung von Gizenga zum Ministerpräsidenten vergangen sind, aber immer noch keine Regierung zustandegekommen sei, obwohl man doch neulich schon über die „elefantöse" Menge an Ministern zu berichten wußte... http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40140&id_edition=3929 Daneben wird über den Beitrag der kongolesischen Zivilgesellschaft beim Welt-Sozial-Gipfel in Nairobi berichtet http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=40122&id_edition=3929

Haben die armen Schweizer gestern in ihrem Leib- und Magenblatt NZZ am Sonntag recht schwer verdauliche Kost zum Thema „Blutdiamanten" verabreicht bekommen, so sieht das heute früh in London bei den Lesern des Guardian so ziemlich anders aus. Hier wird tatsächlich informiert. Auch in England läuft diese Woche der Film an, der schon vor der Jahreswende in den USA das Weihnachtsgeschäft mit den „Blutdiamanten" durcheinanderwirbelte (allerdings sanken die Verkäufe nicht). Und der Guardian weiß zu berichten, daß die Diamantenindustrie jetzt eine Handvoll „Stars" mit Millionenbeträgen engagiert hat, die das Image ihrer „Steine für die Ewigkeit" aufpolieren sollen. Der Guardian befragt die Leute, auch bei Amnesty International, Global Witness und bei World Vision. Kurz, hier werden die Dinge auf die Reihe gebracht und Zusammenhänge aufgezeigt. http://film.guardian.co.uk/news/story/0,,1995775,00.html?gusrc=rss&feed=12

Sonntag, 21. Januar 2007

Leonardo DiCaprio als Tour-Guide durch afrikanische Abgründe ist heute ein Beitrag in der NZZ am Sonntag anläßlich der Schweiz-Premiere der deutschen Version des Films Blutdiamanten" in der kommenden Woche. Das Blatt schreibt: Über den Spielfilm «Blood Diamond» kann man streiten. Er klärt über die Problematik von Konfliktdiamanten auf, überschätzt aber Massnahmen zu ihrer Ächtung. Ein bißchen viel Geschwätz enthält der Artikel ansonsten, aber wenn man auch noch sonntags eine Zeitung vollschreiben muß, bleibt das nicht aus.

http://www.nzz.ch/2007/01/21/al/articleEUDIM.html

letzte Aktualisierung: 17.20 Uhr

Was sich Europäer so alles denken, wenn sie Nachrichten bekommen, die sie sofort mit ihrer Welt vergleichen. Aber erstmal ist lobenswert, wenn ein Sender wie n-tv eine Meldung über die Senatswahlen im Kongo bringt. Zweitens ist die Überschrift „Kabila festigt Machtposition" vielleicht doch etwas irreführend. Denn die Mehrheitsverhältnisse standen ja schon fest und der Senat wird von den Abgeordneten heraus gewählt, so wie etwa in Deutschland der Bundesrat. Wenn also dort Kabila die Mehrheit hat, dann bekommt er die eben auch im Senat. Eigentlich ist verwunderlich, daß Kabila's AMP gerade mal 56 von 108 Sitzen bekommen hat. Das ist nicht gerade überwältigend und spiegelt auch nicht genau das Ergebnis der Parlamentswahlen wieder. Wichtig ist jedenfalls, daß ein weiterer Schritt zur Schaffung demokratisch legitimierter Institutionen getan wurde. Entscheidend wird in Zukunft sein, ob diese Institutionen funktionieren und ihres Amtes walten – und zwar vor allem auch die Opposition! http://www.n-tv.de/756111.html

Genau die gleiche Nachricht bringt der südafrikanische Independent-Online mit einem ganz anderen Aufmacher, nämlich: Früherer Rebellenführer gewinnt Sitz im Senat. Der Artikel betont, daß Bemba jetzt einer von den 8 Senatoren aus der Hauptstadt Kinshasa ist. Hiermit haben wir allerdings die Nachricht des Tages, weniger, daß Kabila seine Machtposition festigt, denn das ist mit den Senatswahlen wirklich nicht entschieden worden. http://www.int.iol.co.za/index.php?from=rss_Africa&set_id=1&click_id=&art_id=iol1169364522169R131

Die eigentlich nötigen Hintergrundinformationen zu den Senatswahlen im Kongo finden sich in Jeune Afrique in einer afp-Meldung http://www.jeuneafrique.com/fluxafp/fil_info.asp?art_cle=34338

Reuters hat in einem Hintergrundbericht nochmal an den gestrigen Beginn der Rückführung der bisherigen Nkunda-Milizen in die reguläre Armee erinnert, womit die wichtigste Rebellion im Osten aufgelöst wird. Sicherlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L20569590.htm Auch La Libre Belgique widmet diesem Ereignis einen eigenen Korrespondentenbericht: Vers une intégration de Nkunda ? http://www.lalibre.be/article.phtml?id=10&subid=83&art_id=326792

La Libre Belgique bringt außerdem im Wirtschaftsteil einen interessanten Artikel über Bemühungen Belgiens (und der EU), zur Verhinderung der Kriegsökonomie auch einen Herkunftspaß für eine Reihe weiterer Rohstoffe einzuführen, also nicht nur bei Diamanten. Dazu wurde in Belgien eine Kommission eingerichtet, die Empfehlungen an die Politik ausarbeiten soll. Hier ein bemerkenswerter Abschnitt zur Kobaltproduktion: Der Großteil der kongolesischen Kobaltproduktion stammt aus der Arbeit der Handwerker. Aber diese können keine großen Mengen gleichzeitig produzieren. „Wir denken, daß man die Ausbildung von Genossenschaften von creuseurs ermutigen kann", antwortet Herr de Putter „mit Statut, Schutz und Möglichkeit, am Markt unter besseren Bedingungen teilzunehmen. Heute sind diese Bedingungen ziemlich wild, und die Handwerker erhalten einen sehr kleinen Teil des Geldes, das aus diesen Erzen erzielt wird".

Auch außerhalb Belgiens werde an Bescheinigung für Gold, Platin und Niobium gearbeitet; der Diamant war Pionier mit Kimberley-Prozess. Jedenfalls soll am Ende das Europäische Parlament neue Einfuhrregelungen verabschieden, die solche eine Zertifizierung vorsehen. http://www.lalibre.be/article.phtml?id=3&subid=85&art_id=326980

Monsieur Mutombo ist ein Absolvent der Universität Lubumbashi und neuerdings frischgebackener Kongo-Direktor der kanadischen Diamantenfirma Gee-Ten Ventures. http://www5.sys-con.com/read/325509.htm

Die Angolanische Presseagentur brachte gestern in ihrem französischsprachigen Dienst eine Nachricht mit dem Titel Hommages officiels pour Patrice Lumumba à Lubumbashi, und zwar letzten Mittwoch in dem Dorf Shilasimba in Katang, also an dem Ort, wo Patrice Lumumba von seinen staatlichen Mördern hingerichtet wurde. http://www.angolapress-angop.ao/noticia-f.asp?ID=502864

Samstag, 20. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 10.15 Uhr

Eine wirklich echte Nachricht aus der Demokratischen Republik Kongo ist heute (wieder einmal) in der Rheinpfalz zu lesen und zwar exklusiv. Sie ist klein und fein und deshalb hier in voller Länge wiedergegeben: In den elf Provinzen der Demokratischen Republik Kongo sind am Freitag neue Senatoren gewählt worden. Insgesamt 108 Senatoren sollen die Provinzen in der Hauptstadt Kinshasa vertreten; knapp 1130 Bewerber stellten sich der Wahl. Gewählt wurden die Senatoren von den 690 Abgeordneten der elf Provinzparlamente. Ursprünglich waren die Senatswahlen für den 7. Januar geplant gewesen. Am 27. Januar sollen die Gouverneure der Provinzen neu bestimmt werden. Nach Angaben eines Sprechers der Wahlkommission verzögerte sich der Beginn des Urnengangs in einigen der 26 Wahllokale, die in den elf Provinzen eingerichtet wurden. http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=NEWSTICKER070119132454.8hpz9z6w

Congo at the Crossroads der Titel einer meisterhaften Photoreportage, welche bei Time-Magazine runtergeladen werden kann und zwar als Dia-Schau mit mündlichen Erläuterungen des

Photographen Marcus Bleasdale. Die Bilder beweisen einmal mehr, daß Schwarz-weiß-Photographie eine eigene Aussagekraft hat. Natürlich wäre das alles in Farbe noch viel „schöner" geworden, aber, was der Reporter aus dem Kongo überhaupt zeigen wollte, hätte der Betrachter vielleicht gar nicht wahrgenommen. Kabila im barocken Prunk seines Amtszimmers, davor und dahinter Bilder von Soldaten vor ärmlichsten Hütten. Ein Blick in Gold- und Diamantenminen und überhaupt viele Bilder aus dem Kongo, so wie das Land ist. Sehr schön! Man muß sich die Bilder zwei- und dreimal und vielleicht noch häufiger anschauen… Übrigens sind dort auch noch ältere Dia-Schauen aus dem Kongo anzusehen. http://www.time.com/time/photoessays/2007/congo_bleasdale_multimedia/ Der Photograph ist übrigens 38 Jahre alt und photographiert bereits seit 8 Jahren im Kongo. Und warum schwarz-weiß Bilder? Die Photos sollen den 4 Millionen Kriegstoten „ein Gesicht geben", sagt Blaesdale. Darüber denkt Amerika jetzt nach.. Vielleicht kann Amerika bei vielen tausend toten Soldaten im Irak sich da jetzt viel besser hineinfühlen als Europa und mit der Trauer um die eigenen Soldaten an die Millionen trauernden Mütter im Kongo denken… Der einführende Artikel („Inside Congo") zu der Diaschau findet sich hier: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1580371,00.html

Spiegel-Online gestattet heute als „Satellitenbild der Woche" einen Blick aus dem All auf den Tanganjikasee. Der dazugehörende Artikel hat die Überschrift „Bedrohte Naturidylle im Herzen Afrikas". Wenn wir jetzt mal davon absehen, welche „Naturidylle" Europäer denn in Afrika suchen, ist auf dem Photo vor allem eins bemerkenswert: Die Teile des Kongos, die zu sehen sind, haben (noch) ein sattes Grün, während Richtung Tansania gerade mal ein paar grüne Einsprengsel sind, der Rest ist braun. Von der Sonne verbrannt? http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,460982,00.html An dieser Stelle ist vielleicht angebracht an einen außerordentlich wichtigen Hintergrundbericht zu erinnern, der schon Anfang Dezember 2005 in der taz erschien und glücklicherweise bei kongo-kinshasa.de noch zu finden ist: Todesurteil für einen See http://www.kongo-kinshasa.de/taz/taz2005/taz_051206.php Auf der Agenda von Dialog International steht übrigens eine Wiederaufforstungsmaßnahme an den Hängen zum Tanganjikasee bei Uvira!

Auch der Kunstmarkt interessiert sich für den Kongo, vor allem, wenn dieser in Brüssel stattfindet. Was da so angeboten wird und zu welchen Preisen, das ist heute in der FAZ zu lesen. Hier eine Kostprobe: Mehr noch als die präkolumbische Kunst gehört die Stammeskunst zu den traditionellen Stärken der Messe - diesmal führt Dartevelle aus Brüssel einen „konde", einen Nagelfetisch aus dem Kongo des 19. Jahrhunderts, ins Feld. Die stehende hölzerne Figur mit geweißtem Gesicht, die in der erhobenen rechten Hand eine Lanze hält, kommt aus dem Totenreich - die eingeschlagenen Nägel sollten den Geist der Statue wecken. Die Skulptur aus der Baseler Sammlung Tschopp wird mit mehr als 300.000 Euro beziffert. http://www.faz.net/s/RubBC09F7BF72A2405A96718ECBFB68FBFE/Doc~E99D2406C48CD47749D3AD381431F678C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Freitag, 19. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 08.45 Uhr

Jetzt hat sich Monsieur Nkunda auch selbst zu Wort gemeldet. Im südafrikanischen Independent-Online wird er mit den Worten zitiert, seine Kämpfer hätten, nach den Gesprächen in Kigali, mit ihre Wiedereingliederung in die kongolesische Armee begonnen. Reuters gegenüber habe Nkunda telefonisch erklärt: „Ich denke, dies führt zu einer friedlichen Einigung." Er selbst plane auch wieder in die kongolesische Armee zurückzukehren, aber nur, wenn die kongolesische Regierung den internationalen Haftbefehl aufhebe, der gegen ihn erlassen wurde. MONUC-Vertreter gaben bekannt, daß es Gespräche mit Leuten von Nkunda im Nordkivu gegeben habe, aber auch, daß noch logistische Probleme bestünden, weshalb sich die Re-Integration verschieben könnte. http://www.int.iol.co.za/index.php?from=rss_Africa&set_id=1&click_id=&art_id=qw1169155088996B252

Pambazuka News ist ein Wochenblatt für soziale Gerechtigkeit in Afrika und bringt einen kritischen Kommentar zum Welt-Sozial-Forum in Nairobi von Kameelah Rasheed, einem Gemeinwesenarbeiter und Fulbright-Stipendiat an der Witwatersrand Universität in Johannesburg, Südafrika. Darin findet sich u.a. die Überlegung, ob diese Mammutveranstaltung nicht eigentlich doch „konservative Kräfte stabilisiere"? Der Autor überlegt trotzdem nach Nairobi zu reisen, doch „in diesem Jahr hält mich die fehlende Finanzierung der Reise vom Weltsozialforum fern. Doch die Glücklichen, die die Gelegenheit haben an diesem Ereignis teilzunehmen, sollten sich an die Worte von Patrice Lumumba erinnern. Vor 45 Jahren, bevor der Führer der kongolesischen Befreiung ermordet wurde, hinterließ er in „Kongo – mein Land" eine bedeutende Botschaft. Er schrieb: Es ist einfach, Slogans zu rufen und Erklärungen zu unterschreiben, aber eine ganz andere Sache ist etwas zu schaffen, zu leiten und Tag und Nacht mit der Suche nach Lösungen für Probleme zu verbringen." Obwohl dies vor über 45 Jahren geschrieben wurde, so ist dieser Aktionsaufruf auch heute noch wichtig, wenn viele ihre Sachen für die Reise nach Nairobi packen." Pambazuka ist übrigens kisuaheli und bedeutet soviel wie „sich erheben, erwachen"

http://www.pambazuka.org/en/category/comment/

Amerika hat in Wirklichkeit ganz andere Probleme. Dort residiert die nationale Basketball-Ikone Dikembe Mutombo, der 1987 mit 21 Jahren aus dem damaligen Zaire in die USA kam. Jawohl, wir kennen ihn ein bißchen, denn er hat zu Ehren seiner Mutter ein 15-Millionen-Dollar-Krankenhaus in Kinshasa gestiftet, bei dem irgendwie die Ausstattung vielleicht im Zoll hängengeblieben war und das deshalb – so waren die letzten Nachrichten – immer noch leerstand und nicht eröffnet werden konnte. Nun hören wir auch diesmal nichts von der Eröffnung, sondern davon, daß in den amerikanischen Medien, d.h. in den täglichen Talkshows im Fernsehen und wo auch immer, offenbar lang und breit über das wahre Alter von Mutombo hergezogen wird und Witze darüber gemacht werden, er sei doch in Wirklichkeit schon deutlich älter. Mutombo geht das allmählich auf die Nerven, seine Frau wird unruhig und seine 9jährige Tochter schaue sich die Sendungen an und gewinne den Eindruck, Papa sei ein Lügner.

Ob nicht vielleicht die amerikanischen Medien mal eine Geburtsurkunde im Kongo suchen sollten? Mutombo selbst will eher mit dem Kommissar der Medienüberwachung sprechen, der „ein guter Freund von ihm" sei und der wohl dafür sorge, daß der Spuk ein Ende nehme. „He's a great man. He can make it stop." http://sports.espn.go.com/nba/news/story?id=2735070&campaign=rss&source=NBAHeadlines Mutombos „Profil" findet sich übrigens hier, jeder Treffer säuberlich statistisch aufgezählt: http://sports.espn.go.com/nba/players/profile?statsId=425

Donnerstag, 18. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 09.12 Uhr

Auch der Boston Globe bringt heute früh in einer recht ausführlichen AP-Meldung die Nachricht, die Regierung in Kinshasa habe mit General Nkunda ein Abkommen getroffen, so wie das gestern schon die BBC wußte. Human Rights Watch wird zitiert, die UNO würde besser daran tun, Nkunda als Kriegsverbrecher zu verhaften…. http://www.boston.com/news/world/africa/articles/2007/01/17/congo_agrees_to_deal_with_warlord/

Im Mannheimer Morgen ist heute früh ein ausführlicher Hintergrundbericht über die Anklagevorwürfe gegen Thomas Lubanga auf Seite drei zu lesen unter der Überschrift: Der Mann, der Kinder zum Töten schickte.: In wenigen Tagen will der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag mitteilen, ob die Anklage zugelassen und der Prozess eröffnet wird. Der könnte dann im März beginnen und dürfte sich über mehrere Monate hinziehen. Und nicht nur der Kongo, sondern ganz Afrika und der Rest der Welt werden genau beobachten, ob das hehre Versprechen der internationalen Gemeinschaft, keine Kriegsverbrechen mehr ungesühnt zulassen, ehrlich gemeint ist. Dem bemerkenswerten und lesenswerten Artikel sind sogar Literaturangaben beigegeben mit Berichten über den Einsatz von Kindersoldaten. http://www.morgenweb.de/nachrichten/dritte_seite/20070118_2110900012_34506.html

Jetzt wird den Jungs (und Mädels), die für EUFOR im Kongo waren, landauf, landab auf die Schultern geklopft - auf den Neujahrsempfängen der Bundeswehr. In Leer (Ostfriesland) spendete der Bürgermeister 50 Liter Bier und dann wurde erzählt. Bei typischem Ostfriesland-Wetter: Sturm und Regen. Im Kongo habe die Luftfeuchtigkeit auch täglich bei über 90 Prozent gelegen, witzelten einige Soldaten. Allerdings herrschten dabei auch Temperaturen von über 30 Grad. Der Höhepunkt des Kongo-Einsatzes sei eindeutig „die Heimkehr" gewesen. Die Lebensbedingungen in dem Land seien schon mehr als gewöhnungsbedürftig gewesen. „Es gab niemanden, der keine Magen-Darm-Probleme hatte." Die Verpflegung sei nicht optimal gewesen. „Vieles war zu fett. [o nein!] Der Kontakt zu den Einheimischen sei vor allem auf den Märkten möglich gewesen. Mit Händen und Füßen habe man sich verständigt. „Wir haben vor allem auf den Kunstmärkten viel gekauft, schöne Figuren aus Holz und Masken", erzählen die Soldatinnen. http://www.ostfriesen-zeitung.de/index.php?pageId=5&org_ressort=GE&edat=2007-01-18&article=337877

Auch bei Schweizer „Blick" ist jetzt die eigentlich ganz traurige Nachricht angekommen, die schon Anfang des Jahres zirkulierte: Wieder Gorillas abgeschlachtet, mit einem herzzerreißenden Photo. Doch der Bericht ist nicht nur arg spät, sondern auch sonst köstlich. Berichtet wird aus Dakar (Ostkongo) und zitiert wird Robert Muir von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, einer Londoner Umweltstiftung. Bringe das auch noch einer auf die Reihe, daß Muir für die Frankfurter in Nairobi sitzt und mit der Londoner Stiftung kooperiert. Aber der Blick hat wenigstens guten Willen gezeigt. http://www.blick.ch/news/tierwelt/artikel53917

Der Blick ist vielleicht nicht ganz so verschlafen, wie das gerade den Eindruck machte. In der Tat kursiert seit gestern eine entsprechende neue Meldung. In den USA bekommt man aber davon doch etwas mehr Qualität auf den Frühstückstisch, z.B. in The Sentinel (Pennsylvania). Dort ist immerhin auch bekannt, in welchem Land Dakar liegt (wo der Bericht geschrieben wurde). Auch das gleiche Photo kann in Philadelphia betrachtet werden. http://www.cumberlink.com/articles/2007/01/18/ap/science/d8mnc5400.txt Weitere Berichte in der Denver Post http://www.denverpost.com/ci_5033942?source=rss und ein anderer Bericht im Londoner Daily Telegraph http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2007/01/18/wcongo18.xml und in The Independent, London: http://news.independent.co.uk/world/africa/article2162860.ece

In Eugene, Oregon, USA ist jemand von besonderem Stolz erfüllt, hat er doch eine Briefmarke entworfen, welche laut Artikel am morgigen Freitag von der Post in der Demokratischen Republik Kongo herausgegeben werde zum Tag der Weltreligionen (21.1.). "Ideas came to me partially from the committee, partially from people in Congo, and my own ideas," Dighton says, "and I put them all together, back and forth with the committee for about two months, and it was finally approved." Und das ganze kann sogar noch in einem Videoclip angeschaut werden, ein Spot aus einer amerikanischen Lokalradiosendung. Die abgebildete Briefmarke firmiert aber unter Republique du Congo, also dem „kleinen Kongo" von nebenan. Nun ja, die afrikanischen Grenzziehungen sind ohnehin unverständlich und lingala wird hüben und drüben gesprochen und das alles muß man jenseits des Großen Teiches auch noch auf die Reihe bringen.

http://www.kval.com/news/local/5243311.html

Mittwoch, 17. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 18.20 Uhr

Mitten hinein in einen friedlichen Nachmittag bringt die BBC heute geradezu sensationelle Nachrichten aus Kinshasa: Der unten schon erwähnte General Nkunda habe einer Friedensvereinbarung zugestimmt, verlautete aus militärischen Kreisen der Hauptstadt. Schon am 21.1. würden seine Milizen in die nationale Armee eingegliedert. Diesem Rebellenchef Nkunda selbst werde Asyl „in einem dritten Land" gegeben, trotz anstehender Anklagen wegen Kriegsverbrechen. Oberst Kiyimbi, der die BBC über diese Neuigkeiten informierte, sagte, er selbst habe den Auftrag bekommen, die 1.500 – 2.000 Kämpfer von Nkunda in die nationale Armee zu integrieren. Die Nachricht wird von seiten der Milizen Nkundas noch nicht bestätigt.

http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/6271943.stm

Jeune Afrique, ein Magazin, das in Paris herauskommt und in Europa vor allem von Afrikanern gelesen wird, bringt gerade heute ein Porträt über diesen General Nkunda, dem kongolesischen Tutsirebell, der bisher das Milizen-Fürstentum in der Nähe von Goma aufrechterhält und neuerdings jetzt eventuell die Vereinbarung zur Lösung des Konflikts mit Kinshasa getroffen hat. http://www.jeuneafrique.com/jeune_afrique/article_jeune_afrique.asp?art_cle=LIN14017nkundnoilbu0

Im Kongo selbst ist heute im ganzen Land ein Feiertag zum Gedenken an P.E.Lumumba, bemerkenswerterweise genau zu der Zeit, zu der in den U.S.A. an Martin Luther King auch mit einem Feiertag gedacht wird - beide waren Zeitgenossen, beide wurden brutal ermordet. Reuters bringt heute eine Erinnerung an diesen Feiertag und knüpft dann daran an, daß ja auch der frischgebackene Ministerpräsident Gizenga ein Weggefährte Lumumbas war und schreibt dann: "Politics in Congo is about personality and not policy. It's still about interest and about distributing posts," he said. [Jason Stearns, Nairobi, von der Internatonal Crisis Group] "My feeling is that Gizenga will get a brief honeymoon period, and then his leadership will be bitterly contested. But as long as he has Kabila's support, I think he will make it through this difficult transition period," Stearns added. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L17829169.htm

Sogar die Moskauer Prawda fängt jetzt an, noch nachträglich der EU wegen ihrer EUFOR-Soldaten auf die Schultern zu klopfen und berichtet ausführlich über die UNO-Sitzung, bei der selbiges mit dem EU-„Außenminister" Solana neulich geschehen ist. Allen Parteien sei gratuliert worden und das Jahr 2007 hätte keinen besseren Start haben können, schreibt die Prawda. Das sei der Erfolg internationaler Kooperation in Afrika gewesen. Aha. Hoch lebe die internationale Solidarität. http://english.pravda.ru/world/africa/17-01-2007/86525-africainternatcoop-0

Eigentlich nichts Neues verkünden einzelne deutsche Blätter, wie z.B. die taz: Mehrheit für Kabila - aber immerhin wird per Kurzmeldung registriert: In der Demokratischen Republik Kongo kontrolliert das Parteienbündnis von Präsident Joseph Kabila sieben der elf Provinzen. Dies geht aus den Abstimmungen über die Leitung der Provinzparlamente hervor. Bei der Präsidentschaftswahl hatte Oppositionschef Jean-Pierre Bemba noch die Mehrheit der Provinzen gewonnen. http://www.taz.de/pt/2007/01/17/a0117.1/text

Dienstag, 16. Januar 2007

Die Berliner taz ziert heute über die ganze erste Seite die Abbildung eines Atomkraftwerks und die Schlagzeile lautet „Afrika im Banne des Atoms". Im Innern ist zu lesen: Der Uranpreis vervielfacht sich, Afrikas Uranvorkommen geraten ins Visier der Rohstoffmärkte. In Namibia, Niger, Südafrika und anderen afrikanischen Ländern liefern sich Bergbaukonzerne aus Australien und Kanada mit Ankäufern aus China und USA einen Wettlauf um die besten Reserven FRANÇOIS MISSER schreibt über Strahlende Geschäfte im Kongo - In der Heimat der Hiroshima-Atombombe werden bis heute Uranerze geschmuggelt Ein anderer Artikel lautet: Die Atomkraft hat weltweit Konjunktur und die Uranförderung hält mit dem Bedarf nicht länger Schritt. Der neue Hoffnungskontinent der Bergbaukonzerne heißt Afrika

http://www.taz.de/pt/2007/01/16/a0143.1/text

Am 13.1.07 hatte übrigens die taz in ihrem Reiseteil schonmal einen längeren Bericht über Die Herren von Los 40 - Wer will schon nach Mongbwalu im Kongo? Für Goldsucher ist das ein spannender Ort. Mongbwalu war bis vor kurzem No-go-Area. Allein Namen wie Uganda, Ruanda und Kongo beschworen grausame Bilder von Völkermord herauf. Doch in Wahrheit ging es immer um den Zugang zu Rohstoffen, zum Gold. http://www.taz.de/pt/2007/01/13/a0209.1/text

Dominic Johnson hat noch eine kurze Einleitung zu dem Reisebericht geschrieben unter dem Titel Überleben im Kongo. Die Demokratische Republik Kongo hat rund 60 Millionen Einwohner, die fast alle in absoluter Armut leben. Dabei hat das Land einige der reichsten Mineralienvorkommen der Welt…. http://www.taz.de/pt/2007/01/13/a0212.1/text

Auch im Handelsblatt findet sich eine Rohstoffgeschichte, aber hier geht's um Eisenerz, für das ein „Bedrohlicher Engpaß" vorliege: Warum erschließen die großen Rohstoffkonzerne nicht mehr neue Eisenerzminen? Leigh Clifford, Chef von Rio Tinto, hat die Frage schon zu oft gehört. Seufzend erhebt er sich aus dem Ledersessel in seinem Büro, holt einen Weltatlas aus dem Regal und schlägt die Afrika-Karte auf. „Hier, zum Beispiel Kongo", sagt er und setzt den Finger mitten in den grünen Urwald. „Das Potenzial ist groß, aber wo die Mineralien sind, gibt es keinerlei Infrastruktur. Das ist wahrscheinlich tausend Kilometer von der Küste entfernt." Diamanten kann man im Aktenkoffer ausfliegen, Erze nicht. Sie brauchen eine Eisenbahnstrecke und einen Hafen – ganz zu schweigen von der politischen Stabilität, die ein auf Jahrzehnte angelegtes Investment erfordert. http://www.handelsblatt.com/news/_pv/_p/200038/_t/ft/_b/1208428/default.aspx/index.html

Montag, 15. Januar 2007

Die Medien in Kinshasa stehen heute im Zeichen der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Kardinal Etsou – dieser 15.1.07 ist zum offiziellen Trauerfeiertag erklärt worden - und die Zeitung Le Potentiel kam heute sogar mit einer Extrabeilage unter dem Titel „Cardinal Etsou – Kabila – Lumumba" heraus. Warum hier Lumumba und seine Ermordung besonders bemüht wird, das ist der Spekulation anheim gegeben. Aber zumindest der Vorgänger von Etsou und nicht wenige seiner Mitbrüder sind zumindest keines natürlichen Todes gestorben und ob Etsou wirklich friedlich entschlafen ist, wird hier und da bezweifelt. Konkret: Spekulationen stehen im Raum, daß auch bei Etsou nachgeholfen wurde. Aber nichts genaues weiß man nicht. Jedenfalls räumt Le Potentiel ganz ausführlich seinem Testament Platz ein und auch seinen Beiträgen zu den Wahlergebnissen, die durchaus Kabila-kritisch waren und eben dem Thema Etsou – Kabila – Lumumba. Bemerkenswert!. http://www.lepotentiel.com/

Auch eine andere Zeitung in Kinshasa – Le Soft – diskutiert ganz ausführlich die Frage, ob Kardinal Etsou's Tod vielleicht doch gewaltsam herbeigeführt wurde. Man berichtet, daß in den letzten Wochen sein Gesicht auffällig dem eines ukranischen Präsidenten ähnelte, den man mit Dioxin vergiftet habe. Außerdem seien die Ärzte schon zwei Wochen vor dem Tod ziemlich erstaunt gewesen über die Verschlechterung der gesundheitlichen Situation ihres Patienten – und zwar im Bereich Leber, Nieren und Lunge…http://www.lesoftonline.net/phil.php?id=981

Sonntag, 14. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 20.54 Uhr

Kann sich jemand vorstellen, daß ausgerechnet in Texas (U.S.A.) eine Agentur sitzt, die einen Hintergrundbericht zum Thema „Warten auf die Demokratie-Dividende" (im Kongo) hinlegt, wie dies seit Wochen nicht in auch nur einer einzigen der unterschiedlichen Medien auf dem gesamten Globus zu lesen war? Nun, dabei ist der Artikel eigentlich gar nichts besonderes, die meisten Informationen zur Verteilung der Wählerstimmen etc.etc. sind eigentlich bekannt. Doch dann weiß der Autor aus Ituri über die dortigen Vereinbarungen für einen Waffenschein zu berichten: The local UN leader, Brigadier General Christian Houdet, commented: "It's the beginning of the end. We have meetings, we have discussions, day and night with all these militias and right now, tonight, it is the accomplishment of all this process. And we are very, very happy with that."

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels liegt außerdem auf der Analyse der Forstwirtschaft im Kongo. WWF sei dabei, neue Zertifikate für nachhaltigen Holzeinschlag zu entwickeln und die deutsche Firma Danzer ist schon ganz scharf darauf, solche zertifizierte Regionen „nachhaltig nutzen zu können".

Insgesamt gibt der Artikel die Stichworte für das, was in den nächsten Jahren im Kongo topaktuell sein wird. http://www.redorbit.com/news/science/800564/waiting_for_the_democratic_dividend/index.html?source=r_science

Wer mal richtig neidisch werden und wissen will, wie kongolesische Flüchtlinge in Schottland begrüßt werden, jawohl, in der Heimat des Geizes, der muß den hier angezeigten Artikel des schottischen Sunday Herald lesen. Als Deutscher fühlt man sich wie in einem anderen Film. „Kongolesen wurden mit einem Hauch von Afrika willkommen geheissen" ist die Überschrift und man glaubt nicht, daß sowas überhaupt möglich ist. Und dabei ist alles eigentlich ganz normal. Nur eben nicht bei den Weltmeistern im Abschieben. http://www.sundayherald.com/news/heraldnews/display.var.1122072.0.congolese_welcomed_with_taste_of_africa_and_tunnocks_teacakes.php

Samstag, 13. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 09.11 Uhr

Im Kongo eine Koalitionsregierung zu bilden, dürfte eine Kunst sein, für die man wahrscheinlich erstmal 81 Jahre alt werden muß. In einem Land, in dem am liebsten jeder sich selbst sein Präsident ist, wollen natürlich alle Koalitionsparteien angemessen im Kabinett sitzen. So steht uns eine „elefantöse" und „gigantische" Regierung bevor, wie die Presse in Kinshasa heute kommentiert - mit einer Unmenge an Ministern, Vizeministern und Vizevizeministern. Und als der neue Regierungssprecher auf die gewaltigen Kosten hingewiesen wird, die solch ein Kabinett dem Land aufbürde, antwortet er „sophistisch", eine Regierung mit wenig Ministern könne verschwenderischer sein, als eine mit vielen Ministern. Wie richtig. Aber bei Wasser und Brot werden diese Herren Minister und Vizeminister sicherlich nicht im Hotel Memling sitzen. So schließt denn auch Le Potentiel seinen Bericht mit dem Satz: „Die Nach-Wahlzeit wird der Vor-Wahlzeit entsprechen, das wird niemanden beruhigen, weder im Ausland noch im Inland …" http://www.lepotentiel.com/afficher_article.php?id_article=39838&id_edition=3924

Die koreanischen Ohmy-News-International befassen sich sehr ausführlich mit der Situation der Menschenrechte in der Demokratischen Republik Kongo und stellen fest, daß die Lage für Rückkehrer keineswegs sicher ist. Einige der gravierenden Verletzungen, so die Verhaftung von Mme. Nlandu, von der wir gestern berichteten, werden zitiert. http://english.ohmynews.com/articleview/article_view.asp?at_code=385909

Lorbeeren krönen das Haupt von Siegern bei Sportkämpfen. Und wenn's keinen Sieg gibt? Dann benötigt man eine Inszenierung. So geschehen gestern in Hamburg beim Jahresempfang der Führungsakademie und des Landeskommandos Hamburg der Bundeswehr. Der Oberbürgermeister der Hansestadt lobte die Bundeswehr und Generalmajor Wolf-Dieter Löser, der Kommandeur der Führungsakademie stellte fest, dass die Bundeswehr gegen alle "Unkenrufe" einen Bürgerkrieg im Kongo mit verhindert habe. Die Milliarde „Entwicklungshilfe" für den Kongo, die der Einsatz gekostet hat, muß sich ja irgendwie rentieren… Berichtet hat dies das Hamburger Abendblatt. http://www.abendblatt.de/daten/2007/01/13/668642.html

Die Bundeswehr scheint jetzt überall Jahresempfänge durchzuführen. So auch im norddeutschen Rotenburg/Wümme. Der dortige Standortälteste läßt in seiner Rede die Auslandseinsätze Revue passieren und fragt dann etwas zurückhaltender als sein Hamburger Kollege: Und der Kongo? „Ob die deutsch-französischen Truppen wesentlich zur Sicherung der Wahl und Stabilität des Landes beitragen konnten, werden wir wahrscheinlich nie sicher erfahren", so Nehring. Aber der Einsatz sei ein wichtiges Zeichen für die europäische Außen- und Sicherheitspolitik gewesen und habe wie geplant nach dem ersten Kontigent ohne eigene Verluste beendet werden können. http://www.rotenburger-rundschau.de/index.php?menu=55&command=showartikel&ID=50365

Freitag, 12. Januar 2007

letzte Aktualisierung: 21.10 Uhr

Sollten nicht in Ituri nur jene schießen dürfen, die einen Waffenschein haben, wie vor einigen Tagen lauthals verkündet wurde? Doch heute haben ausgerechnet jene die Welt in Bunia nochmal so richtig verrückt gemacht, die diese Waffenscheine kontrollieren sollten: Angehörige der offiziellen kongolesischen Armee. Schon lange ist bekannt, daß die gefährlichsten Militärs im Kongo Angehörige dieser Armee sind und heute früh zogen sie schießend und plündert aus ihren Kasernen in Bunia heraus und vergewaltigten u.a. die Adoptivtochter eines ausländischen Mitarbeiters einer Hilfsorganisation. Und alles deshalb, weil ihnen zum Jahresende ein „Bonus" versprochen worden war, der noch nicht ausgezahlt ist. MONUC-Soldaten aus Marokko machten dem Spuk ein Ende. Berichtet hat dies heute CNN. http://www.cnn.com/2007/WORLD/africa/01/12/Congo.riot.reut/index.html?section=cnn_latest

Obwohl schwer krank, wurde die Menschenrechtsaktivistin und Juristin Marie Therese Nlandu gegen den ärztlichen Rat wieder ins Gefängnis von Kinshasa geworfen. Sie war als Wahlbeobachterin aus England in den Kongo gekommen und dann im Zusammenhang mit dem Brand beim Obersten Gerichtshof beschuldigt und verhaftet worden. Im Gefängnis zog sie sich eine Lungenentzündung zu. Der Gerichtsprozeß gegen sie konnte wegen ihrer schweren Erkrankung vorerst nicht stattfinden. Christian Solidarity Worldwide's Chief Executive, Mervyn Thomas, says: "By denying adequate medical treatment to Mrs Nlandu, the DRC is in violation of it's obligation, under Article 10 of the International Covenant on Civil and Political Rights, to treat all prisoners with humanity and dignity. Details in „Christian Today" http://www.christiantoday.com/article/human.rights.lawyer.dying.in.prison.amid.congolese.persecution/9075.htm

Die südafrikanische Sunday Times, die bekanntlich auch in der Woche eine sehr rührige Online-Redaktion hat, berichtet heute mit einer afp-Meldung, daß der Kongo immer noch 1,5 Millionen Flüchtlinge hat, davon rund eine Millionen innerhalb des Landes, die Hälfte davon im Nordosten und knapp eine halbe Million im Ausland. Zwar seien im Zusammenhang mit den Wahlen inzwischen viele weitere Flüchtlinge wieder nach Hause zurückgekehrt, aber manche zögerten noch mit der Rückkehr. Weitere Details hier: http://www.suntimes.co.za/News/Article.aspx?id=357922

letzte Aktualisierung: 12.01.07, 12.35 Uhr

Gestern abend sind – nach einer Meldung von AngolaPress die sterblichen Überreste von Kardinal Etsou in Kinshasa eingetroffen, um an diesem Wochenende in der Cathédrale Notre Dame du Congo aufgebahrt und anschließend beigesetzt zu werden. Präsident Kabila ließ dem amtierenden Weihbischof am Mittwoch über seinen Innenminister einen Briefumschlag mit einem Geldbetrag für die Beerdigungskosten überreichen, dessen Höhe nicht bekanntgegeben wurde. http://www.angolapress-angop.ao/noticia-f.asp?ID=501009

Wer so alles mal im Kongo war. Der nagelneue Direktor der Lindner-Hotel-Kette in Frankfurt-Hoechst plaudert heute in der Frankfurter Rundschau über seinen Werdegang und weiß folgendes zu berichten: Zum berühmten Boxkampf zwischen Mohammed Ali und George Foreman wurde Roessler in den Kongo eingeflogen. Etwa 40 000 Zuschauer mussten im extra für diesen Zweck gebauten Dorf untergebracht und versorgt werden. "Weil die Landschaft so reizvoll war, blieb ich. Damals für Intercontinental." Ja, ja, das waren noch Zeiten… http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?em_cnt=1048219&

letzte Aktualisierung: 12.01.07, 09.17 Uhr

Ja, hatten wir das nicht schon lange geahnt? Die Jungs vom Jung im Kongo, bei denen schon im Herbst Vorfreude aufkam bei dem Gedanken, Weihnachten bei Mama unter'm Baum sitzen zu dürfen, waren gar keine richtigen Soldaten. Also, sie haben nur so getan als ob und waren in Wirklichkeit – und jetzt ist's nämlich raus: verkleidete Entwicklungshelfer.

Genau das ist der letzte Schrei aus Berlin, den heute der Tagesspiegel zum besten gibt. Und warum das alles? Nun, ganz einfach: Zu den Millenniumsentwicklungszielen zwecks Abschaffung der Armut gehört das Versprechen der Regierungschefs, die Quote für Entwicklungshilfe auf 0,7 % des Bruttosozialprodukts anzuheben, doch in Deutschland ist sie erst bei 0,35 % angelangt und da ist natürlich jeder Cent Entwicklungshilfe ein Quotenrenner. Schuldenerlasse gehören dazu, genauso wie die Goethe-Institute und die Ausgaben für Asylbewerber, aber bisher eben leider noch keine Kosten für die Auslandseinsätze der Bundeswehr, was manchen natürlich ein Dorn im Auge ist. Und genau das, haben jetzt findige Beamte in Berlin entdeckt, sollte bald geändert werden. Die Ausgaben für die Jungs vom Jung in der Welt „da unten" sollten somit aus dem Entwicklungshilfeministerium gesponsert werden können.

Am Ende kommt dann heraus, daß all die Kriege in der sogenannten Dritten Welt Entwicklungshilfe gewesen sind – hätten wir uns das nicht denken können?

Und die reichen Staaten im Norden stehen auch noch fein da, denn sie haben plötzlich ihre versprochene Armutsabschaffungsquote erfüllt - und die Wohltäter dafür waren ihre Soldaten. Na, wenn das nicht der Stein der Weisen wäre und auch noch entdeckt in deutschen Amtsstuben? Schlaue Bürschchen da in Berlin, nicht wahr?. Weiterlesen hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/12.01.2007/3016831.asp

Die Diamantengeschichte aus Mbuji Mayi, die schon vorgestern von Angolas Presse Agentur erzählt wurde, zirkuliert heute auch in einer „offiziellen" afp-Version in den südafrikanischen Medien, allerdings ist afp wesentlich schlechter informiert als die Angolaner. Independent-Online kündigt die Meldung verschmitzt mit der Überschrift an Thief stashes gems where the sun don't shine