Das aktuelle Kongo-Presse-Tagebuch
Das
Kongo-Presse-Tagebuch gibt eine persönliche Meinung wieder. Auf keinen Fall die
offizielle Meinung von Dialog International
Die
angegebenen Links sind teilweise nur kurzfristig im Internet frei erreichbar.
Die weitere Aktualisierung folgt demnächst!
NEU: Sie finden die Ausgaben des Kongo-Presse-Tagebuchs vom März
2007-März 2008 auf folgender Website archiviert: www.l-h-l.org (unter LHL-Aktuell)
Mittwoch,
7. Mai 2008
In diesen Tagen findet eine
Konferenz der Provinz-Präsidenten statt – und es gebe einen “Streit um die
Rückübertragung von 40 %” Seit einem Jahr gebe es den Prozeß der
Dezentralisierung. Dieser habe jetzt bewertet werden müssen. Deshalb seien die
Gouverneure aller Provinzen vom 6.-9. Mai in einer Konferenz zusammengekommen.
Grundsätzlich handle es sich um eine “Selbstbeobachtung”. Was sei der
eingeschlagene Weg? Wo stehe man heute? Was bleibe zu tun?
Man spreche auch über die
Sicherheitslage und die vorbeugenden Maßnahmen der Nahrungsmittelkrise... Am
gestrigen Dienstag habe der Premierminister Gizenga vor der Provinzversammlung
dringende Maßnahmen zur Bewältigung der Nahrungsmittelkrise gefordert.... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63943&id_edition=4327
Dienstag,
6. Mai 2008
Beginnen wir mal heute das Kongo-Presse-Tagebuch
so: Die Analysen, welche aus dem Kongo kommen sind einfach bewundernswert.
Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte Nachricht lesen
wir dann in der heutigen Ausgabe von Le Potentiel unter der
Überschrift “Skandal – Die Mafia hat eine dauerhafte Haut... “ Und die
Geschichte kann eigentlich schnell erzählt werden: Während die Rohstoffpreise
ins Unermeßliche zu steigen scheinen, stagnieren die Einnahmen des kongolesischen
Staates aus den Rohstoffexporten und das Geld fehlt natürlich für die “Baustellen”
des Präsidenten. Man fragt sich sofort was da los ist und Le Potentiel
macht da einige Ursachen ausfindig. Zum Einen werden in Katanga wirklich nur
Rohstoffe exportiert – und sofort jenseits der Grenze in Sambia veredelt, sodaß
vom Nachbarland gleich ein anderer Preis erzielt wird. Und so werden einige
weitere “Tricks” ausfindig gemacht, ganz abgesehen von Verträgen, bei
denen der Staat über den Tisch gezogen wurde. Jedenfalls wird als “der große
Verlierer” all dieser Machenschaften der kongolesische Staat ausfindig
gemacht. Und diese Fakten seien ein Skandal. Im kongolesischen Bergbau würden
echte Wild-West-Manieren herrschen... Da seien gewisse “große
Mafiabosse”, welche den kongolesischen Bergbau als “Geisel” genommen
hätten. Man müsse von einem “Wirtschaftsverbrechen” sprechen für das
Land. Man habe Verträge ausgehandelt, deren Klauseln den Bergbau
kompromittierten. Auch die Überprüfung dieser Verträge zeige noch keinen
radikalen Wandel. Viele Gruben entzögen sich derzeit komplett dem Staat. Ihre
Schaltzentralen befänden sich in Johannesburg, Toronto, London, New York
oder wo auch immer... Jedenfalls würden die Erträge des Staates aus dem Bergbau
in keinem Verhältnis stehen zu den Kursen der Metalle und Mineralien an den
Börsen der Welt... Viele Firmen hätten “Paten” und eine “Mafia”
betreibe ein Konzept, bei dem für den Staat nur noch die Krümel übrigblieben,
in Form von Abgaben oder Exportsteuern. Die großen Einnahmen würden von einem
Kartell verteilt, welches sich außerhalb der Landesgrenzen befände.
Eigentlich habe man vorgehabt, die Bergwerke zur “Speerspitze der nationalen
Wirtschaft” werden zu lassen, doch derzeit seien sie eher ein “Symbol
für einen Fluch”. Privatpersonen teilten sich den Gewinn, während die
Regierung verurteilt werde, einen Plan zur Verschwendung der nationalen
Ressourcen zu unterstützen.... Dadurch, daß die Veredelung sich inzwischen in
Sambia befinde, seien die “Interessen des Staates die ganz Dummen”.
Schätzungsweise verliere der kongolesische Staat allein bei zehn Firmen pro
Jahr um die 5 Milliarden Dollar auf diese Weise. Für ein Land mit einem
Staatsbudget von derzeit 3 Mrd. Dollar sei diese ein “ungeheurer Verlust”,
eine “echte Katastrophe für die Nation”. Profitieren würden davon die
angrenzenden Länder... So stünden solche Länder statistisch an der Spitze der
Exportländer für solche Produkte, während der Kongo unglaublich niedrig
eingestuft werde. Dies sei “wirklich skandalös”. Und der Skandal
erreiche noch einen Höhepunkt durch die “Unterbewertung der Materialien”.
Dadurch würden die finanziellen Ressourcen des Staates unterschätzt. Der
Zeitpunkt sei gekommen, daß “drastische Entscheidungen” getroffen werden
müßten. Das Wort zu dieser “finanziellen Mißwirtschaft” habe jetzt die
Regierung... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63881&id_edition=4326
Ein
anderer Artikel von Le Potentiel befasst sich mit dem Thema “Friedensprozess
in der Region der Großen Seen - die Bataillone der FARDC, welche von der MONUC
ausgebildet wurden, können sie die FDLR verjagen?” - Ob der Kongo
inzwischen bereit sei, sich auf seinem Gebiet von den Hutumilizen zu befreien?
Durch eine militärische Option, wie sie in dem Abkommen von Nairobi vom 9.11.07
vorgesehen sei? Doch mit welchen Mitteln wolle das Militär vorgehen? Manche
denken, dies ginge nur über Umwege, denn der Ostkongo sei nach wie vor das “Eldorado
der kongolesischen und ausländischen Mafia”, die kein Interesse an Ordnung
und Stabilität in dieser Region hätten. Fünf Monate nach dieser gemeinsamen
Erklärung und nach dem schrittweisen Aufbau von zehn Bataillonen der nationalen
Armee in Gebieten, die zuvor unter der Herrschaft der Hutumilizen standen,
könnte der Staat versuchen, seine Souveränität wiederherzustellen. Und zwar im
gesamten Osten des Landes... Manche glaubten, der Ostkongo sei insbesondere ein
“Eldorado für multinationale Konzerne” und einige “Elemente der MONUC”,
was die militärische Lage zur Stagnation bringe. Deshalb könne noch nicht so
schnell Frieden und Sicherheit wiederhergestellt werden. Manche sagten auch,
die Wirtschafts- und Osteuropa-Mafiosi sorgten dafür, daß Chaos und
Instabilität in diesem Teil des Landes erhalten blieben... Jedenfalls habe es
bisher keinen bedeutenden Fortschritt gegeben. Alle bewaffneten Gruppen seien
in der Region geblieben und für die Zivilgesellschaft sei immer noch ein hoher
Preis zu bezahlen. Es gebe noch keine Abrüstung... und das Programm “Amani”,
welches auf der Konferenz von Goma “geboren” worden sei, scheine auch
keine Lösung zu sein. Zum Alltag gehörten weiterhin Scharmützel zwischen den
bewaffneten Gruppen. Und die Zivilbevölkerung trage die Kosten...
http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63884&id_edition=4326
Wir sollten heute noch auf den
Kommentar von Le Potentiel hinweisen, der schlicht den Titel “Sündenbock”
enthält. Und es geht um die Nahrungsmittelkrise, welche mit höchster Intensität
in den Ländern der Dritten Welt den Rahmen aller politischen Erklärungen
überschritten habe. Das Problem bestehe nun weltweit und werde für alle, ob
arm oder reich, schwerwiegende Folgen haben. Wo liege die Schuld für diese
Ernährungskrise, die zu neuen Formen von “Hungerunruhen” führe? Der
Präsident des Senegals habe schon den Schuldigen gefunden. Dieser sei das System
der UNO, welches nicht die Zeichen der Zeit habe lesen können. Doch die
wirkliche Debatte finde anderswo statt. In den Ländern, in denen man in letzter
Zeit “Hungerunruhen” gesehen habe, herrsche oft eine Monokultur und dann
schlage die Nahrungsmittelkrise “mit voller Wucht” zu. In Ländern wie Kamerun,
Haiti, Burkina Faso, in Somalia und in anderen Ländern sei der gemeinsame
Nenner das Fehlen einer langfristigen Vision der Landwirtschaft. Alle diese
Länder hätten viel zu lange ihre Landwirtschaft vernachlässigt, die Fundament
der gesamten Volkswirtschaft sei. Wenn heute der “Aufstand der Kochtöpfe”
geschehe, zahle der Kongo den Preis für seine Nachlässigkeit. Eigentlich sei
das Land, mit den fischreichsten Gewässern der Welt gut positioniert... Doch
wenn die Landwirtschaft zugunsten der Bergwerke vernachlässigt werde,
produziere man in der Bevölkerung Hunger. So werde die Nahrungsmittelkrise im
Land mehr als anderswo spürbar sein. Man solle den Sündenbock keineswegs nicht
anderswo suchen... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63895&id_edition=4326
Die
Berliner taz bemüht sich auch, bei den Berichten um die “Waffen
für Hutu-Kämpfer” mitzuhalten und berichtet heute darüber, “Wenn der
Milizionär zum Inder geht”. Neuere UNO-Dokumente legten nahe, daß indische
Blauhelme ruandischen Hutu-Milizen im Osten des Kongos militärische Unterstützung
zuteil werden ließen... Schwerwiegender noch: Auf Versammlungen mit der FDLR
hätten hochrangige indische Militärs den ruandischen Hutu-Milizionären geraten,
sich nicht von der Monuc nach Ruanda zurückschicken zu lassen, und in mehreren
Fällen seien demobilisierungswillige FDLR-Kämpfer bei UN-Basen abgewiesen
worden. In der Kleinstadt Nyabiondo gebe es "Fraternisierungen"
zwischen Monuc und FDLR. "Weitere Informationen wurden gewonnen, wonach
die FDLR problemlos in Gebieten unter Kontrolle des indischen Bataillons
residiert, Versammlungen abhält und Patrouillen durchführt." Der neue
UNO-Chef, Alan Doss habe von unfairen Vorwürfen gesprochen... Man habe keine
Beweise für systematisches Fehlverhalten gefunden... http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/wenn-der-milizionaer-zum-inder
Montag,
5. Mai 2008
An diesem Montag lesen die
Kongolesen diese Überschrift bei Le Potentiel: Wie in den Zeiten des
Kalten Krieges - Die Demokratische Republik Kongo im Mittelpunkt der
internationalen Herausforderungen. Es gebe Gedränge beim Eingang und
dies sei ein Beweis, daß der Kongo wieder ernstgenommen werde. Der Westen sei
immer noch in den Bretton Woods Institutionen “allgegenwärtig”. Doch die
Schwellenländer würden mit der “klassischen Zusammenarbeit” brechen und
mit einer anderen Philosophie kommen: “Win-win-Situationen”. So würfen
China und Indien ihre Seile in den “Ring”. Dadurch entstünden viele
Möglichkeiten zur wirtschaftlichen und sozialen Förderung für den Kongo. Nun
komme die Frage einer guten Verwaltung auf, andernfalls werde der Kongo zwar “geküsst”,
aber dann “schlecht umarmt”. Kabila habe nun erklärt, der Wiederaufbau
des Landes werde nicht nur von den Chinesen durchgeführt, sondern von “unseren
Partnern in der ganzen Welt”. Einerseits gebe es Budgethilfen der “traditionellen
Partner” und das Strukturanpassungsprogramm, welches wahrscheinlich
im Juni oder September [mit dem IWF] unterzeichnet werde. Dieses führe dann zum
“mit Spannnung erwarteten Schuldenerlaß von 9 Mrd. Dollar”. Doch zum
anderen kämen Milliarden von Dollar aus Indien und China. Überhaupt befinde
sich der Kongo in einer guten Position mit einer Vielzahl von Möglichkeiten für
den Wiederaufbau und die Erneuerung des Landes... Doch seien die Chancen
einer wirtschaftlichen Erholung eine Sache, ihre richtige Verwaltung aber eine
andere... Und der Franzose Alain Minc prophezeie bereits einen “dritten
Weltkrieg” um “die Eroberung der Wirtschaftsräume”... So sei jetzt
schon ein Gedränge im Kongo wie zu Zeiten des Kalten Krieges... Andererseits
wäre gar nicht überraschend, wenn durcch politische Abenteuer der Kongo gar
nicht in die Lage käme, seine Chancen zu nutzen... Schon die jüngsten Kriege im
Kongo zeigten, das seine Behörden die “alten Wege der Naivität, der
Bewußtlosigkeit, der Mittelmäßigkeit und der politischen
Verantwortungslosigkeit” gegangen seien... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63807&id_edition=4325
Der
nächste Artikel von Le Potentiel holt uns dann wieder mitten rein
in den kongolesischen Alltag: Störungen der Strom- und Zementproduktion –
Die Stunde der Wahrheit hat geschlagen. Im Parlament werde demnächst über
die beiden halbstaatlichen Unternehmen Snel (Elektrizität) und Cinat (Zementherstellung)
gesprochen, die erhebliche Probleme mit ihrer Verlässlichkeit hätten. Sie
stünden seit einiger Zeit im Scheinwerferlicht. Hinsichtlich der Inga-Turbinen
habe ein Techniker bereits im September 2007 interveniert, doch einige Monate
später feststellen müssen, daß sich die Versorgung des Kongos “erheblich
verschlechtert” habe. Zwar habe die Weltbank für die Sanierung der
Inga-Turbinen 269,7 Millionen US-Dollar bereitgestellt, jedoch nicht immer die
Mittel freigegeben, aus Verfahrensgründen, weil die Sanierungsarbeiten durch “unerklärliche
Schwerfälligkeit” blockiert würden... Jetzt wolle sich die
Nationalversammlung mit dem Thema befassen. Ein Drittel der Stadt Kinshasa
befinde sich seit mehreren Tagen immer noch im Dunkeln. Vor einigen Tagen seien
in einer Klinik Zwillinge zu früh geboren worden und in einen Brutapparat
gelegt worden, doch einer der Zwillinge sei am vierten Tag gestorben, weil die
Elektrizität ausfiel... Solche Fälle gehörten leider in Kinshasa zum Alltag und
in den ländlichen Gebieten sei die Situation noch schlimmer... So würde sich
die Nationalversammlung enorm um die Nation verdient machen, wenn die
Abgeordneten einmal herausfänden, was denn da hemme, um die Probleme zu
bewältigen... Bisher formuliere man zwar Empfehlungen, begebe sich aber nie vor
Ort für Prüfungen... An jedem Tag, der vergehe, verliere der Kongo seine Chancen,
in mehr oder weniger kurzer Zeit Gewinne aus der Nutzung der Energieressourcen
zu erzielen. So schlummerten Millionen von Dollar nur deswegen, weil die
Entscheidungsträger sich um ihre persönlichen Interessen kümmerten... Die
Abgeordneten müßten sich bewußt machen, daß der Kongo ein Teil der Lösung der
Energiekrise des südlichen Afrikas sei und deshalb müsse schnell elektrische
Energie bereitgestellt werden, was dann auch dem Staatshaushalt nutze... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63795&id_edition=4325
In
einem weiteren Artikel berichtet Le Potentiel “Über die Kontra-Bande
für Gold und Waffen im Kongo – Human Rights Watch schreibt an Ban Ki-moon zu
den Blauhelmen”. Die Organisation stelle fest, wie die Untersuchungen der
BBC gezeigt hätten, gebe es im UNO Bereich schwerwiegende Versäumnisse
bei internen Kontrollen und der Schmuggel von Gold und Waffen im Osten des
Kongos gehe weit über Einzelfälle hinaus.... Die Anschuldigungen gegen indische
und pakistanische Blauhelme seien “gravierend”. Wenn die UNO nicht in
geeigneter Weise gegen diesen Mißbrauch vorgehe, drohe ihr Ruf geschädigt zu
werden, habe Human Rights Watch geschrieben, gleichzeitig aber auch auf die
positive Rolle der UNO-Blauhelme im Kongo und anderswo hingewiesen. HRW klage
an, daß bisher keine ernsthafte Untersuchung durchgeführt worden sei... Der
Artikel erklärt den Kongolesen, was vorher schon in der Weltpresse zu lesen
war. http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63809&id_edition=4325
Der
heutige Kommentar von Le Potentiel greift das Thema “Sichere
Grenzen” auf. Diese seien zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung “von
entscheidender Bedeutung” und man müsse jetzt die Lehren aus den beiden
zurückliegenden Kriegen ziehen. Insbesondere die Grenzen zu Ruanda würden
ständig verletzt und das hänge mit der Neutralisierung der “negativen Kräfte”
der Interahamwe zusammen, obwohl dies ständig dementiert werde. Hier gelangten
immer noch Waffen an die bewaffneten Gruppen der Region. Und solche Probleme
gebe es auch weiter im Norden, bei den ugandischen Rebellen... Dies werde zu
einer Gefahr für die Nation. So sei dringend erforderlich, daß der Kongo sich
um die Sicherung der Grenzen bemühe und diese auch besser kontrolliere, damit
nicht die Reichtümer des Landes weiterhin “durch all diese Geier
systematisch geplündert” würden. Der Kongo dürfe nicht länger als “Nährboden
für die Paria-Staaten” dienen... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63794&id_edition=4325
Samstag,
3. Mai 2008
Die
heutige Samstagsausgabe von Le Potentiel beginnt mit einer
Betrachtung über den Aufgabenberg, den die Nationalversammlung noch
abzuarbeiten hat. “Mehr als 7 ordentliche Sitzungsperioden” seien nötig
und sie müsse “Kurs nehmen auf die wichtigsten Gesetze”. Die
Abgeordneten könnten sich somit nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. 2010
beginne für sie schon der nächste Wahlkampf. Man müsse jetzt die Dringlichkeit
der Fragen erörtern, die jetzt bevorzugt beschlossen werden müßten. Man müsse
ehrlich sein und anerkennen, daß bisher eigentlich ganz gute Arbeit geleistet
worden sei. Doch die sieben Sitzungsperioden, die jetzt noch blieben, würden
nie ausreichen, um alle nötigen Themen erschöpfend zu behandeln. Deshalb müsste
eine Dringlichkeitsliste erstellt werden. Das wichtigste zuerst, nicht nur,
weil dies eile, sondern auch wegen “politischer Unwägbarkeiten”. Le
Potentiel habe Bürger befragt und man komme zum Schluß, daß besonders
wichtig die Gesetze zur Dezentralisierung seien, jene zur
Nationalversicherung, die Amnestiegesetzgebung, die Gesetze für die
Wahlkommission, für die öffentlichen Unternehmen und für die Justizverwaltung
sowie jene welche den Medienrat beträfen... Man wünsche dringend eine
Führungsrolle des Parlaments, damit alles transparent bleibe und eine gute
Regierungsführung stattfinde. Seine wichtigste Aufgabe sei die Kontrolle der
Exekutive und der staatlichen Betriebe... Man wünsche die Veröffentlichung der
parlamentarischen Untersuchungsberichte... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63780&id_edition=4324&yearID=2008&monthID=05&dayID=03
Pünktlich zum 1. Mai habe
Präsident Kabila, so Le Potentiel heute, eine Verordnung zur
Auszahlung einiger sozialer Beihilfen unterzeichnet, z.B. von Kindergeld, die
dringend nötig seien, um einigen sozialen Spannungen die Spitze zu nehmen.
Jetzt bleibe allerdings noch „der schwierigste Schritt“, nämlich die
verwaltungsmäßige Umsetzung der Anordnung... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63723&id_edition=4324&yearID=2008&monthID=05&dayID=03
Ach, ja die Bürger des Kongos
sind wirklich geplagt. Im “Echo aus der Hauptstadt Kinshasa”, eine
Rubrik bei Le Potentiel, wird “Alarm” geschlagen. “Maßnahmen
zur Bekämpfung von Gesundheitsgefährdungen” werden für Ngaba gefordert. Die
Regenzeit, welche kürzlich in Kinshasa begonnen habe, sei von vielen Einwohnern
lange erwartet worden und einerseits ein Segen. Andererseits würden jetzt
sozusagen unfreiwillig die Klärgruben geleert und nicht selten ergieße sich
dieser ganz andere “Segen” auf die öffentlichen Straßen, in einem Fall
sogar vor das Bezirksamt und man könne sich vorstellen, daß dadurch gesundheitliche
Risiken entstünden. Die Verantwortlichen der Kommunalverwaltung kümmerten sich
überhaupt nicht um solche Probleme. Das letzte Wochenende sei besonders schlimm
gewesen. Ganze Straßenzüge seien mit Abwässern überflutet worden mit allen
entsprechenden Gerüchen. Wirklich schockierend sei, daß die Verantwortlichen
der Stadt dazu überhaupt nichts sagten. Selbst als die Abwässer in der Gosse
vor ihrem Rathaus flossen... Die Klärgruben müßten entleert werden und es gebe
bereits hygienische Einrichtungen dafür. Allerdings seien die
Gemeinschaftsarbeiten im Rahmen des “Salongo” (der Wohlfahrt) in dem
Zusammenhang nur ein “Täuschungsmanöver”. Die Behörden müßten dafür
sorgen, daß die Hauseigentümer sanitäre Anlagen einrichteten... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63767&id_edition=4324&yearID=2008&monthID=05&dayID=03
Der heutige Kommentar von Le
Potentiel trägt die Überschrift “Pressefreiheit in Gefahr” und
nimmt den “Internationalen Tag der Pressefreiheit” zum Anlaß,
entsprechende UNO-Botschaften zu zitieren. Auch im Kongo seien derzeit wieder
zwei Journalisten im Gefängnis... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63738&id_edition=4324&yearID=2008&monthID=05&dayID=03
Der oberste UNO-Blauhelm, Alan
Doss, erklärt heute in einem Interview, welches er dem Reuters-Korrespondenten
Joe Bavier in Kinshasa gewährte, die Human Rights Watch-Beschuldigungen
seien ganz unverhältnismäßig. Es handle sich um Einzelfälle, über welche schon
vor einem Jahr berichtet worden sei und man könne damit wirklich nicht
sämtliche UNO-Blauhelme gleichsetzen. Deshalb schadeten solche
ungerechtfertigten Behauptungen dem UNO-Image erheblich, denn am Ende könne
passieren, daß einzelne Länder sowas zum Anlaß nähmen, ihre Blauhelmeinsätze
überhaupt einzustellen. Immerhin hätten allein im Kongo schon über 100
UNO-Soldaten seit Beginn des Einsatzes den Tod gefunden und die Situation im
Osten sei immer noch sehr gefährlich und benötige UNO Unterstützung. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L0374505.htm
Freitag,
2. Mai 2008
Alles neu macht der Mai, sagt
man dieser Tage in Deutschland. In den Tropen ist sozusagen Mai und Oktober
immer gleichzeitig und so gedeiht auch die Gerüchteküche von Kinshasa. Sie hat
sich mal wieder die Hauptschlagzeile von Le Potentiel erobert: Und
wenn Antoine Gizenga abträte... Geht er oder geht er nicht? Das sei
die Frage im Zusammenhang mit dem Amt des Ministerpräsidenten und
Regierungschefs, welche sich verschiedene Zeitungen der kongolesischen Hauptstadt
(mal wieder) stellten und die in der politischen Klasse diskutiert werde.
Nichts genaues weiß man nicht, auch nicht der Berichterstatter und so wollen
wir hier mal die Spekulation auf sich beruhen lassen. Immerhin, so daß Blatt,
habe “der charismatische Führer der lumumbistischen Partei Palu, Gizenga, in
Bandundu und Kinshasa Hunderttausende von Anhängern”... und eigentlich habe
man eine Koalitionsvereinbarung für die gesamte Legislaturperiode abgeschlossen...
Doch manche “Beobachter” glaubten, Gizenga müsse im Juni “über die
Klinge springen”. Man wisse das aus “sicheren Quellen”. Aber was
seien diese wert in einem Land, in dem das Gerücht ganze
Dienstleistungsbetriebe für die Intelligenz nähre, die viel damit zu tun
hätten diese zu entwirren und zwischen wahr und falsch zu unterscheiden...
Vor allem bleibe, wenn Gizenga wirklich zurücktreten müsse, die Frage, was denn
danach komme.... Eine Regierungskrise könne der Kongo jetzt wirklich nicht
gebrauchen... So enthalte eine evtl. “Verdrängung von Gizenga” einige
unbekannte Daten, etwa, wie seine Basis reagiere, ob sie passive bleibe oder
brutal werde, oder wie andere politische Akteure dann aktiv würden..... Niemand
wünsche jedenfalls eine politische Krise. Andererseits, zu bestimmten
Kabinettsanpassungen gehöre politischer Mut, falls sie im Interesse der Nation
nötig seien. Doch dann dürfe es keine Erpressung geben... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63678&id_edition=4323&yearID=2008&monthID=05&dayID=02
Der heutige Kommentar von Le
Potentiel behandelt das Thema “Eine neue Sozialordnung”. Die
ganze Welt habe am Vortag den 1. Mai als Tag der Arbeit gefeiert, so natürlich
auch der Kongo. Im riesigen “Stadion der Martyrer” hätten die
Gewerkschaften für jene eine Veranstaltung zelebriert, welche Arbeit hätten.
Die Frage bleibe, ob die hehren Ideen, welche dort geäußert wurden, siegen
könnten. Die grundlegende Frage sei, wie die Situation der Arbeitsplätze in der
Zukunft im Kongo aussehe. Wie verlaufe im Kongo der soziale Dialog, den die Internationale
Arbeitsorganisation empfehle? Inwieweit seien jene, welche Arbeit hätten,
überhaupt gewerkschaftlich organisiert? Am 1. Mai sollten diese Fragen, die
immer aktuell blieben, beantwortet werden, vor allem in einem Land voller
sozialer Spannungen, verursacht durch das Fehlen einer ordentlichen
Arbeitsmarktpolitik, einer Sozialpolitik und durch den “Störfaktor
informeller Sektor”, vor allem aber durch die hohe Arbeitslosigkeit. Was
benötige ein Land, dessen Verwaltung immer noch gelähmt und ineffizient
sei, da die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung nicht stimmten? Gebe es im
privaten Bereich Hoffnungen? Auf alle Fälle seien die Gewerkschaften gefordert,
aber sie müßten sich aus ihrer Erstarrung lösen und ihre Daseinsberechtigung
am besten dadurch beweisen, daß sie die sozialen Interessen der Arbeitnehmer wahrnähmen.
Hier müßten einige Strategien überarbeitet werden. Und ein sozialer Dialog sei
nötig. Die Regierung werde im übrigen danach beurteilt, ob sie fähig sei, die
Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Und zwar in eine lohnende
menschenwürdige Arbeit... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63679&id_edition=4323&yearID=2008&monthID=05&dayID=02
Außerhalb
der Demokratischen Republik Kongo macht sich Der Standard, eine
Zeitung, die in Österreich erscheint, ausnahmsweise mal Sorgen um, tja, um die
kongolesischen Elefanten. Kongo: Elefanten Wilderei nimmt zu, ist die
Überschrift des arg kleinen Artikels, in dem immerhin mitgeteilt wird,
Tierschützer fürchteten die “Liberalisierung des Elfenbeinhandels”. Und
im Kongo häuften sich die Fälle von Elefanten-Wilderei, das habe jedenfalls das
kongolesische Naturschutzinstitut mitgeteilt, welches “erneut drei Kadaver
von abgeschossenen Dickhäutern gefunden” habe. Ihnen seien zuvor die
Stoßzähne ausgerissen worden. Seit dem 14. April seien im Virunga-Nationalpark
[nördlich von Goma, im Reich des Tutsi-Generals Nkunda] bereits 17 Elefanten
tot aufgefunden worden... In dem Park, der zum Welterbe der UNESCO gehöre,
hätten 2006 nur noch rund 350 Elefanten gelebt, im Jahre 1959 seien dies noch
3.500 gewesen... Man vermute einen Zusammenhang mit der südafrikanischen
Aktion, wieder die Jagd auf Elefanten zuzulassen, weil dort die Bestände sich
regeneriert hätten. Im Kongo versuchten Milizen mit dem Elfenbein Geschäfte zu
machen... http://derstandard.at/?url=/?id=3324311
Auch
die BBC berichtete heute von „Befürchtungen über Elefanten-Abschüsse
im Virunga-Nationalpark“ http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/7379775.stm
Reuters
schreibt, die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates wollten Anfang Juni mal wieder
eine „Betriebsausflug“ zu den afrikanischen Krisenherden unternehmen, darunter
auch in den Kongo. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/N02514233.htm
In
einem anderen Reuters-Bericht wird meldet der Kongo-Korrespondent
Joe Bavier, Human Rights Watch habe am Freitag Dokumente dafür
vorgelegt, daß – entgegen bisheriger offizieller UNO-Behauptungen – die
indischen und pakistanischen Blauhelm-Soldaten viel tiefer in einen illegalen
Waffenhandel verstrickt seien als man bisher dachte. Man habe entsprechende
UNO-Untersuchungsberichte ignoriert, verniedlicht oder zu den Akten gelegt... http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/N02278304.htm
In
einem weiteren BBC-Bericht aus dem Kongo ist zu hören, daß die Ölfirma
Tullow, die bereits für Uganda am Albertsee nach Öl bohrt, ihre
entsprechenden Verträge mit dem Kongo verloren habe, weil ein Vertrag, der 2006
von einem Minister unterzeichnet worden sei, vom Präsidenten nicht bestätigt
wurde, was im Kongo aber nötig sei. Von kongolesischer Seite sei gesagt worden,
man wolle nicht das gesamte Öl, welches unter dem Albertsee liege, einer
einzigen Firma zukommen lassen. Der Kongo habe inzwischen die Lizenz – für
welche Tullow offenbar bereits eine
Menge Gebühren an den Kongo gezahlt habe – einer anderen Ölfirma zugesprochen,
an welcher Südafrika beteiligt sei. http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/7377383.stm
Mittwoch, 30. April 2008
Ist das schon ein verhaltener
Jubel, der aus der heutigen Schlagzeile von Le Potentiel uns
entgegenschwillt? Mit dem Zustrom der Milliarden aus China, Indien... - Das
Ende des “finanziellen Diktats”. Das Wiederaufleben der Spannungen zwischen
Belgien und dem Kongo habe das Ende eine Epoche eingeläutet, nämlich
jene der “klassischen Zusammenarbeit”, wie sie auch in verschiedenen
Formen bei den Institutionen von Bretton Woods gepflegt worden sei. Die
hohen belgischen Besucher, die in Kinshasa unterwegs gewesen seien, hätten sich
also nicht geirrt und eingestanden, daß offenbar das Ende dieser
“klassischen Zusammenarbeit” bevorstehe. Hauptgrund für diesen Umschwung
sei die Ankunft der Neureichen in der Arena der Weltwirtschaft, nämlich
der sogenannten Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien, die
inzwischen nicht mehr unter der Aufsicht des IWF oder der Weltbank stünden.
Die Frage, welche bleibe, sei jetzt, wie die Industrieländer auf die
Milliardenbeträge aus diesen Ländern reagieren werden... Und mit ihren großen
Geldtöpfen seien diese Länder dabei, die hochheiligen Grundsätze der
Bretton-Woods-Institutionen zunichte zu machen. Und wie immer bei einer
neuen Zusammenarbeit, so sei für diese Schlacht Afrika auserwählt
worden. Die afrikanischen Länder, als “emanzipierte Kolonien” trügen,
trotz Unabhängigkeit, bereits die Kosten. Anschauliches Beispiel sei der Kongo.
Man setze ihn unter Druck, seit das Chinaabkommen abgeschlossen worden sei. Und
bald komme auch Indien mit entsprechenden Verträgen dazu... Während bisher die
Industrieländer über Weltbank und IWF mit der “Spirale der Verschuldung”
winkten, so genössen diese neue Formen der Zusammenarbeit ganz andere
Bedingungen... Doch die Wirklichkeit, so störrisch, wie sie auch sei,
läute tatsächlich das Ende dieses Diktats ein, mit einem unumkehrbaren
Wandel... Dann wird u.a. aus einem Buch des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph
Stiglitz zitiert, der dazu bereits Ende der 90er Jahre unter die Titel “Die
große Ernüchterung” geschrieben habe, es gebe eine große Diskrepanz
zwischen der Dynamik der Weltwirtschaft und der Kraft der Bretton-Woods-Fonds,
welche diese zum Zusammenbruch bringe... Inzwischen seien “souveräne Fonds”
entstanden, die eine neue “internationale Wirtschafts-Geopolitik”
betrieben. Die Reichen müssten sich mit Neureichen arrangieren... Ironie der
Geschichte sei, daß sich “die große Schlacht” ausgerechnet in Afrika
abspiele. Nach langen Jahren mit IWF-Programmen sei Afrika auf der Suche nach
neuen Modellen der Entwicklungszusammenarbeit... Und da sei der bemerkenswerte
Durchbruch Afrikas in China ein perfektes Beispiel. China investiere inzwischen
in allen afrikanischen Ländern und gewönne dadurch neue Wirtschaftsräume. Und
die Zusammenarbeit gründe auf dem Pragmatismus der “Win-win-Situation”.
Das fürchte der Westen und mobilisiere seine “Gendarmen”, nämlich IWF,
Weltbank usw., um dafür Hindernisse zu aufzustellen... Und hier spreche die
verbale Eskalation der letzten Durchreise belgischer Regierungsmitglieder
Bände... Doch die Zeiten hätten sich geändert und die Zeit sei reif für die
armen Länder Afrikas, die Zusammenarbeit in ihrem eigenen Interesse
mobiliserten. Joseph Kabila habe diese Zeichen der Zeit sicherlich erkannt und
sei von der Unumkehrbarkeit der Dynamik überzeugt, welche nunmehr die
internationalen Wirtschaftsbeziehungen präge. Mit mehr als 60 Jahre Präsenz “in
der Nähe der Armen der Welt” hätten weder IWF noch Weltbank die wachsende
Kluft zwischen Arm und Reich vermindern können. Heute eröffne China unter dem
Zeichen einer “harmonischen Entwicklung” eine neue Ära des Friedens, die
im Gegensatz zu den kolonialistischen Modellen stünde. China sorge für eine
neue Art “strategischer Partnerschaft” mit Afrika, die gekennzeichnet
sei durch Gleichberechtigung und gegenseitigem Vertrauen auf der politischen
Ebene, sowie durch eine Win-Win-Situation für die Wirtschaft... Dadurch seien
China und die anderen Schwellenländer sozusagen erwachsen geworden. Dies hätten
Autoren wie Stieglitz und andere vorhergesagt, doch auch, daß der Westen dieses
Szenario “beharrlich ignorieren” werde... Seine “klassische
Zusammenarbeit” mit bi- und multilateralen Abkommen bevorzuge fast
ausschließlich die Interessen der dominierenden Partner. Stieglitz habe
seinerzeit deswegen bereits eine Reform der internationalen Finanzinstitutionen
vorgeschlagen. Doch frage man sich inzwischen, ob dies nicht unrealistisch
gewesen sei. Denn 80 % der Weltbevölkerung hätten gar kein Stimmrecht
beim IWF, welches von der wirtschaftlichen Bedeutung abhänge und die USA
hätten ohnehin immer ein Vetorecht... Mit den Schwellenländern gebe es
solche Probleme nicht. Ihre Wirtschaft zeige beeindruckende Wachstumsraten
und sie suchten nach einer Diversifizierung ihrer Absatzmärkte... Nachdem also
der Weg des Westens den Armen nicht geholfen habe, so befinde sich jetzt der
Kongo versuchshalber auf der Straße nach Osten, von wo vielleicht endlich
Entwicklung zu erwarten sei... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63673&id_edition=4322
Manchmal
haben ja auch Gedenktage ihren Sinn – und wenn auch nur deshalb, weil heute Le
Potentiel ein paar Zahlen auf den Tisch bringt, nämlich anläßlich des
heutigen “Tages der Ausbildung”. Überschrift: Bildung im Kongo – Lehrer
schlecht bezahlt, lahmer Unterricht... Tatsache sei heute im Kongo, daß
praktisch alle Lehrer von den Eltern bezahlt würden, weil der Staat “untätig”
bleibe im Bildungssystem. Die Tage vergingen, doch alle blieben sich gleich.
Die Regierungen kämen und gingen. Man unterzeichne Vereinbarungen und
resigniere. Alles sei schon bezüglich des Unterrichtes gesagt worden, doch an
der beschämenden Situation ändere sich nichts. Hier und da werde
gestreikt und wenigstens die Auszahlung der Lohnrückstände gefordert...
Wie sei es soweit gekommen? Die öffentliche Finanzierung des Bildungssystems
habe 1986 begonnen zu bröckeln, obwohl seitdem noch ein weiteres Wachstum zu
verzeichnen gewesen sei, dank der direkten Finanzierung durch private
Haushalte. Laut letzter Statistik seien in den Jahren 2001/2002 im Land fast
19.100 Grundschulen in Betrieb gewesen, mit 159.000 Lehrern für mehr als
5,47 Millionen Schüler und weitere 8.000 weiterführende Schulen mit 108.000
Lehrern für 1,6 Mill. Schüler. Im gleichen Jahre habe es 326 Hochschulen
gegeben mit 200.000 Studenten. In den Städten sei die Schule von 76 %
der Kinder besucht worden, im ländlichen Raum nur von 48 %... 2004
seien 52 % der Kinder zur Schule gegangen und die allgemeine Rate der
Analphabeten im Land betrage inzwischen 33,2 %, allerdings 43,3 % bei
den Frauen. Viele Lehrer erhielten einen Monatslohn von weniger als 20
Dollar... Trotzdem gelinge noch einiges, dank der Opferbereitschaft der
Lehrer. Allerdings sei heute im Kongo der Schüler der Chef seines
Lehrers. So passiere nicht selten, daß Schüler zahlungskräftiger Eltern in
der Klasse “gut” seien... Wie bereite man auf diese Weise ein Land auf die
Zukunft vor? Der Jesuitenpater Martin Ekwa habe vielleicht recht, der zu
diesem Thema ein Buch mit dem Titel “Die Schule verraten” geschrieben
habe... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63627&id_edition=4322
Dienstag, 29. April 2008
Natürlich schaut man und hört
im Kongo genau hin, was in belgischen Medien über den Besuch des Ministertrios
in Kinshasa geschrieben und gesagt wird. Trotz verbaler Eskalation,
schreibt Le Potentiel gebe es zwischen Belgien und dem Kongo
keinen Bruch. Na, etwas “Franchise” pardon, Unglück sei gut,
schreibt das Blatt. Gewiß, der Ton habe sich zwischen Belgien und dem Kongo
seit letzter Woche verschärft. Aber weder in Kinshasa noch in Brüssel spreche
man von einem “Zwischenfall”. Die drei Minister seien kaum nach Brüssel
zurückgekehrt, so seien sie bereits im belgischen Fernsehen aufgetreten und da
sei schon klar geworden, die Zeit zu einem Bruch sei noch nicht da... Aber auch
wenn “der Vorfall von Kinshasa” als abgeschlossen betrachtet werden
könne, so werde die Debatte um das, was da in der kongolesischen Hauptstadt
geschehen sei, in Belgien noch länger anhalten. So sei der belgische Premierminister
Yves Leterne bereits vom Parlament dazu angehört worden. Und Montagmorgen
habe der Ministerrat darüber auch in den Medien gesprochen. Die Verhandlungen
seien geprägt gewesen von “Offenheit”. Der Kongo sei ein “befreundetes
Land” und da müsse man auch schonmal Dinge offen bei Namen nennen können.
Und letztenendes gehe es ja um den Kampf gegen Korruption und persönlicher
Bereicherung. Der Außenminister, der wohl ins Fettnäpfchen getreten ist,
behaupte nun, er habe lediglich die Botschaft der belgischen Regierung
überbracht, die das Elend der kongolesischen Bevölkerung anspreche, ungerechtfertigte
Bereicherung einiger kongolesischer Führer und die Korruption. Er sage
jetzt, die belgischen Bemühungen würden “in den nächsten Tagen Frucht
bringen”. Man habe offen miteinander gesprochen und Präsident Kabila sei
gut vorbereitet gewesen. Was die Vorwürfe der Arroganz ihm gegenüber
anbetreffe, so wolle er nicht polemisieren, doch wenn er erneut in solch eine
Situation komme, werde er dasselbe sagen. Er werde keine Entschuldigung
präsentieren, denn er habe nur die Wahrheit gesagt, also Klartext geredet, ohne
diplomatische Floskeln. Und was den Eindruck “Herren – Knecht”
anbelange, so hätte dies vielleicht für die belgisch-kongolesische Beziehungen
kurz nach der Unabhängigkeit gegolten, doch die heutigen belgischen Minister seien
damals gerademal geboren worden und gehörten einer anderen Generation an. Man
respektiere natürlich einen Präsidenten, der mit 58 % der Stimmen gewählt
worden sei. Er habe zweifellos eine demokratische Legitimation. Allerdings sehe
er im Bereich der Menschenrechte keine nennenswerten Fortschritte und die
Soldaten der nationalen Armee würden weiterhin beschuldigt, sexuelle
Mißhandlungen zu begehen, ohne dafür vor Gericht gestellt zu werden. Des
weiteren sei dann der Außenminister gefragt worden, schreibt das Blatt, ob er
auch bei seiner Chinareise demnächst die Frage der Menschenrechte so offen
ansprechen wolle. Er habe geantwortet, dies Problem stehe auf der
internationalen Agenda, sei also kein bilaterales Problem und die Position
seiner Regierung sei klar und das gelte auch für diese Probleme im Kongo. Doch
der belgische Verteidigungsminister Pieter De Crème habe, laut Le
Potentiel eine andere Ansicht: Karel De Gucht, der Außenminister,
habe etwas zu provokativ harte Worte gebraucht und es an Diplomatie fehlen
lassen. Man spreche in solch harten Worten nicht mit einem Freund... Und die
belgischen Minister hätten dann auch ihre [eigentlichen] Anliegen nicht
verschwiegen. Sie hätten erkannt, daß sie im Grunde nicht auf die “Flut der
chinesischen und demnächst auch der indischen Milliarden” vorbereitet
seien. Der bisherige “klassische Ansatz der Entwicklungshilfe” sei
obsolet. Was die kongolesischen Reichtümer anbelange, so müsse jetzt geklärt
werden was notwendig sei, damit später keine Ungleichgewichte entstünden. Man
müsse auch sehen, daß trotz alledem die kongolesische Bevölkerung in extremer
Armut lebe, während eine kleine Gruppe von Menschen dabei sei, reich zu
werden... So äußere sich dieses Ungleichgewicht im Bereich der Migration und
der Stabilität im Kongo, der in der Region der Großen Seen eine wichtige Rolle
spiele. Natürlich dürfe man nicht “verhehlen”, daß man einerseits eine
historische moralische Verpflichtung habe, andererseits auch etwas “gewinnen”
wolle bei der Zusammenarbeit, indem man Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
abwäge... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63536&id_edition=4321&yearID=2008&monthID=04&dayID=29
Im Wirtschaftsteil von Le
Potentiel findet sich ein Artikel zu Umweltproblemen: Umwandlung
der Forstverträge – Nichtregierungsorganisationen fordern die Regierung zu
Transparenz auf ist die Überschrift. Die Wälder des Kongos seien eine
Einkommensquelle für 40 Mio. Menschen und sie seien die zweitgrößten
Regenwälder der Welt. Eine NRO habe jetzt ein Memorandum an den Umweltminister
veröffentlicht, in dem sie mehr Transparenz bei der Verwaltung des Prozesses
der Überprüfung der Waldtitel einfordern, damit die Bevölkerung auch etwas
davon habe. Der Überprüfungsprozeß sei inzwischen unumkehrbar, obwohl einige
Verzögerungen und erhebliche Verlängerungen eingetreten seien. Neuere Studien
zeigten, daß im Kongo die Forstfirmen oft nicht kontrolliert würden und sich
nicht selten rechtswidrig verhielten. Die NRO's beklagten sich darüber, daß die
Behörden zu wenig Mittel für ihre Forstmaßnahmen hätten und deshalb auch zu wenig
die Waldgebiete überwachen könnten. Diese Situation öffne dem Mißbrauch Tür und
Tor. Doch wenn jetzt der Überprüfungsprozeß abgeschlossen werde, so bestehe die
“einzigartige Chance”, eine Reform der Forstpolitik auf der Grundlage
von Transpazenz zu entwickeln, die sich um das Wohlergehen der Bevölkerung
kümmere. Man sehe klar, daß die Zukunft des Regenwaldes im Kongo an einem
entscheidenden Punkt angelangt sei. Deshalb habe die Regierung jetzt die
Aufgabe, die erforderlichen Maßnahmen mutig zu ergreifen. Die Unterzeichner der
NRO-Erklärung forderten eine Verlängerung des Abholzungsmoratoriums für eine
Forstwirtschaft im industriellen Maßstab und sie seien der Ansicht, die “derzeitigen
Schwächen des Forstsektors im Kongo” seien durch einen Mangel an effektiven
Kontrollen gekennzeichnet, Rechtssicherheit fehle, ebenso ein Mangel an
standardisierten Verfahren für das Umweltministerium. So empfehle man eine
ganze Reihe von Verbesserungen. Vor allem müsse eine effektive Verwaltung alle
illegalen Aktivitäten wirksam unterbinden können... http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63540&id_edition=4321&yearID=2008&monthID=04&dayID=29
Der heutige Kommentar in Le
Potentiel befasst sich mit dem “Kongo und die G24”. Das
chinesische Darlehen, die andauernden Ungleichgewichte der öffentlichen
Finanzen im Kongo – dazu habe sich die kongolesische Delegation am Rande der
Frühjahrstagung der Bretton-Woods-Institutionen ausführlich erklären müssen,
alles in der Hoffnung, daß man sich beim IWF darauf einige, mit dem Kongo ein
neues Dreijahres-Programm im Rahmen des Armutsbekämpfungs-Fonds abzuschließen.
Man hoffte also, die IWF-Experten würden solch ein Abkommen inzwischen
befürworten. Doch dies sei nur eine “Verhandlungsetappe” in Washington
gewesen. Darüberhinaus habe der Kongo die Ehre gehabt, den Vorsitz bei der “Gruppe
der 24” innezuhaben, die sich vielleicht im Oktober wieder treffe. Zu den
G24 gehörten Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Südafrika und
auch wenn das Gremium keinen offiziellen Charakter habe, sondern nur informeller
Natur sei, so habe dieser kongolesische Vorsitz derzeit für das Land die “schöne
Gelegenheit”, der Stimme des Gouverneurs der Zentralbank des Kongos international
Gehör zu verschaffen. Er werde darüber sprechen, daß sich die G24 auch zu den
großen Fragen der Weltwirtschaft äußern müsse. Dazu gehöre etwa die Politik des
IWF zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Welt, besonders im Kongo und in
Brasilien. Jedenfalls habe sich der Kongo dies zur Aufgabe gemacht. Dieser
Vorsitz helfe dem Land, eine neue “kollektive Identität” auf dem “internationalen
Schachbrett” zu finden. Dazu sei auch ein “Schub an Stolz unerlässlich”.
Das Land müsse seine Vorteile aufgrund der Zugehörigkeit zu den internationalen
Institutionen “kapitalisieren”. Verloren sei noch gar nichts, wenn das
Land wieder seine ganze Kraft zurückgewinne. Alles hänge von der Bereitschaft
ab, sich einst als würdige und wohlhabende Nation zu zählen. Dafür sei der
Vorsitz der G24 ein “schönes Beispiel”...
http://www.lepotentiel.com//afficher_article_archive.php?id_article=63538&id_edition=4321&yearID=2008&monthID=04&dayID=29
Montag, 28. April 2008
An diesem Montag befasst sich
der Hauptartikel von Le Potentiel mit einem etwas orakelhaften
Thema: Fünf Baustellen: Druck auf China ist der Titel. Scheinbar gibt's
seitens des “Westens” Bestrebungen, China sein Kongoengagement etwas “madig” zu
machen und das Land der Mitte zu motivieren, ebenso erstmal zu warten, bis der
kongolesische Haushalt “stabilisiert” ist. Doch die jetzige Phase sei
entscheidend für die Maßnahmen, die man unter dem “Etikett der 5 Baustellen”
laufen lasse. Jedenfalls stünden noch die Mittel der Bretton
Woods-Institutionen aus, die natürlich ebenfalls dringend benötigt würden,
doch letztere sollten Bedingungen unterliegen, die mit dem China-Darlehen
zusammenhingen... Und dadurch spreche man immer häufiger davon, daß sie auf
China Druck ausüben wollten, damit auch dieses die Konditionen mittrage... In
Katanga sei allerdings schon mit dem Bau der Autobahn Kasumbalesa-Lubumbashi
begonnen worden und bei Detailgesprächen in China, die allerdings bisher geheim
geblieben seien, gehe es um die Modalitäten zur Auszahlung der Geldmittel...
Doch genau dies habe in der westlichen Finanzwelt “viel Unruhe”
hervorgebracht [weil nämlich beträchtliche Beträge in die Geldzirkulation des
Kongos gelangen, mit unvorhersehbaren Folgen für die Geldwertstabilität...] und
deshalb setze man China unter Druck, nicht völlig frei die Mittel in den
kongolesischen Kreislauf zu bringen... Ein weiterer Punkt für die Bretton-Woods-Institutionen
sei die Frage, ob das chinesische Darlehen die Höhe der Auslandsverschuldung
des Kongos ändere. Im Kongo selbst argumentiere man bisher, dies sei eine “Win-Win-Situation”,
d.h. das Darlehen werde durch Rohstoffe zurückgezahlt, also nicht mit Devisen.
Immerhin wäre ein Unterschied, ob sich die Auslandsschulden um 9 Mrd. Dollar
praktisch verdoppeln würden oder ob in Naturalien zurückgezahlt werde...
Jedenfalls seien “all diese Belastungen nicht geeignet”, den
Wiederaufbau des Kongos zu fördern und zwar so schnell wie möglich. Wenn heute
China den Willen des Westens akzeptiere, dann gerieten die 5 Baustellen des
Staatspräsidenten in Schwierigkeiten, was negative Auswirkungen auf sein
politisches Mandat haben könnte. Man müsse die Frage stellen, ob das nicht
vielleicht sogar das Ziel des Westens sei... Nun habe aber der Präsident mit
seinem letzten Interview in Le Soir bereits über Verhandlungen
mit anderen Ländern gesprochen, insbesondere mit Großbritannien, welches die
Situation verstanden habe und eine entsprechende Diskussion gebe es auch mit
den Bretton Woods-Institutionen. So werde der Wiederaufbau nicht nur den
Chinesen überlassen... Letztenendes müsse der Kongo für Transparenz sorgen,
wodurch “böse Zungen” zum Schweigen verurteilt würden. So sei der
Zeitpunkt gekommen, daß die Bedingungen aller Verträge vor das Parlament
gebracht würden... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63530&id_edition=4320
Im Wirtschaftsteil dominiert
die Sorge um eine mögliche Nahrungsmittelkrise in nächster Zukunft und
deshalb gebe es eine Dringlichkeit für Maßnahmen zur Förderung der
landwirtschaftlichen Produktion im Inland, so die heutigen Überschriften
von Le Potentiel. Angesichts der Lebensmittelkrise, die
sich am Horizont gnadenlos ankündige, organisierten sich alle
Regierungen, um Vorsorge zu treffen, damit nicht in letzter Minute gehandelt
werden müsse. So sei jetzt die Zeit Dringlichkeitsmaßnahmen zu ergreifen zur
Förderung der landwirtschaftlichen Produktion, also insbesondere für
Reis, Mais und Maniok. Alle Bewohner warnten davor, die Situation werde
sich bis Oktober noch verschlechtern. Deshalb benötige die Regierung ein
Notfall-Programm für die Selbstversorgung mit Lebensmitteln. PUAA habe bereits
seit 2007 ein solches Programm mit einem Budget von 2 Mrd. Dollar weltweit,
allerdings sei bisher noch nichts zur Auszahlung dieser Mittel unternommen
worden. So bleibe die Frage, wie die Lebensmittelkrise von den Regierungen
bewältigt werde. Die Regierung müsse jetzt vor allem steuerliche Anreize für
die Landwirtschaft schaffen, andere Länder hätten auch schon solche Maßnahmen
ergriffen. Im Kongo seien darüberhinaus Transportsubventionen nötig, damit die
landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu den Zentren von Verbrauch und Vermarktung
gelangen könnten. Der Kongo sei ja nach wie vor stark landwirtschaftlich
geprägt, doch hätten viele Bergarbeiter die Landwirtschaft aufgegeben und für
sie müßten inzwischen die Grundnahrungsmittel Reis, Mais und Maniok importiert
werden, vor allem aus Vietnam, Thailand und Malaysia. Und da müsse mit
Kürzungen gerechnet werden... Das Schweigen der Regierung zu diesen Fragen
verdoppele ihren Stillstand in beunruhigender Weise, während anderswo schon
viel mobilisiert werde. Die Nahrungsmittelkrise könne, wenn nicht vorgebeugt
werde, einige politische Unwägbarkeiten bringen... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63533&id_edition=4320
Gegen
die UNO-Blauhelme im Kongo werden in der internationalen Presse [wieder einmal]
schwerste Vorwürfe erhoben. Indische und pakistanische UNO-Soldaten sollen in
einen florierenden Waffenhandel mit Rebellengruppen im Ostkongo verwickelt
sein, meldet zuerst die britische BBC und dann auch sozusagen der
Rest der Weltpresse. Die Berliner taz überschreibt heute ihre
Meldung mit “Waffenhandel mit Rebellen - Nebengeschäfte von UN-Soldaten”:
Für die Waffen erhielten die Friedenshüter aus Indien und Pakistan Gold und
Elfenbein, wie BBC am Montag berichtete. Außerdem sollen die Soldaten in
Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein. "Es ist wahr, sie gaben uns
Waffen", sagte der inhaftierte Rebellenführer Mateso Ninga der BBC.
"Sie sagten, es sei für die Sicherheit des Landes." Zum Schmuggel
von Elfenbein gegen Waffen seien auch UNO-Hubschrauber eingesetzt worden.
Allerdings gebe es bisher noch keine offizielle UNO-Untersuchung gegen die
betroffenen Truppenteile gegeben. Offiziell spreche man davon bisher nicht
ausreichend Beweismaterial für Anklagen zur Verfügung zu haben. http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/waffenhandel-mit-rebellen/?src=HL&cHash=074a1cf4e8
Der
Original-BBC-Bericht über den UNO-Waffenschmuggel findet sich
hier: http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/7365283.stm... und
ein weiterer Bericht hier: http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/south_asia/7367965.stm
Der
Bericht des britischen Guardian zum Waffenschmuggel der Blauhelmsoldaten
kann unter diesem Link gelesen werden: http://www.guardian.co.uk/world/2008/apr/28/congo.unitednations?gusrc=rss&feed=worldnews
Die britische
christliche Tageszeitung “Christian Today” bringt einen
ausführlichen Artikel des Reuters-Korrespondenten in Kinshasa, Joe
Bavier mit der Überschrift: “Für ostkongolesische Zivilisten bleibt das
Friedensabkommens von Goma nur ein Fetzen Papier” In den letzten Monaten
habe sich nicht viel geändert und jetzt müßten viele Menschen wieder flüchten,
wegen der Kämpfe der Regierungsarmee mit den Huturebellen, welche das Abkommen
von Goma gar nicht unterzeichnet hätten. http://www.christiantoday.com/article/peace.still.words.on.paper.for.east.congo.civilians/18403.htm Reuters bringt
diesen Bericht hier: http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L27226299.htm
Ein
anderer Bericht zum Wiederaufflammen der Kämpfe im Osten bringt die
amerikanische Zeitung “Boston Globe”. http://www.boston.com/news/world/africa/articles/2008/04/27/congo_army_former_militia_allies_fight/
Samstag, 26. April 2008
Die belgisch-kongolesischen
“Zwischenfälle” ziehen Kreise. Heute ist die Hauptüberschrift von Le
Potentiel: Fieberschub zwischen Kongo und Belgien – Der belgische
Premierminister soll nach Kinshasa reisen, um das Feuer zu löschen... In
Belgien, so schreibt das Blatt, sei die politische Klasse geteilter Meinung
wegen des Auftretens ihres Außenministers in Kinshasa. So sei jetzt gut
möglich, daß demnächst der belgische Premierminister die Reise an den Kongo
antreten müsse, um die Wogen zu glätten. Dieser Vorschlag sei jedenfalls diesen
Donnerstag im belgischen Parlament gemacht worden, wo zu dem Zeitpunkt eine
parlamentarische Anfrage zu dem Thema vom Premierminister beantwortet werden
mußte. In der belgischen Tageszeitung La Libre Belgique sei zu
lesen, innerhalb der belgischen politischen Klasse “schälten sich
Widersprüche heraus”. Die einen behaupteten, der Außenminister habe in
Kinshasa lediglich den Standpunkt der belgischen Regierung vertreten, indem er
dort Mißwirtschaft und Korruption angeprangert habe, während andere
Parlamentarier darauf hinwiesen, die Vorschläge der Regierung hätten erstmal im
Parlament diskutiert werden müssen und es sei an der Zeit, daß Belgien seine
kolonialistische und paternalistische Haltung beende. Obwohl ja Kabila der
Auffassung sei, daß es “keine Zwischenfälle” gegeben habe, hätten
mehrere Parlamentarier vorgeschlagen, Premierminister Yves Leterne müsse sich
nach Kinshasa begeben, um der “sehr alten” Zusammenarbeit zwischen den
beiden Ländern “neue Impulse” zu geben. Mit anderen Worten, so Le
Potentiel, er solle das Feuer löschen und die Rauchwolken zerstreuen,
welche im Moment die Beziehungen zwischen Brüssel und Kinshasa trübten. Vor
allem hätten die belgischen politischen Akteuere mit überwältigender Mehrheit
eine Aufklärung zur Situation verlangt.... Im weiteren Verlauf des Artikels
wird ein breites Spektrum der belgischen Presseberichterstattung rezipiert. Der
Artikel schließt mit den Worten, die Kongolesen seien jedenfalls gewarnt... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63486&id_edition=4319
Der
heutige Kommentar von Le Potentiel befasst sich mit einer “Alten
Herausforderung”. Bis vor kurzem sei der Tag zur Bekämpfung der Malaria
ausschließlich eine afrikanische Angelegenheit gewesen, doch inzwischen
habe das Problem globale Dimensionen, weshalb in diesem Jahr erstmals dieser
Tag aufgrund eines Beschlusses der Weltgesundheitsorganisation weltweit
begangen werde. Möglicherweise werde dies zu einer Wende führen. Dies sei “umso
besser”. Man müsse bedenken, daß diese Krankheit mehr Menschen töte als
Aids und sie sei weit davon entfernt, eingedämmt zu werden, ja, ganz
offensichtlich sei, daß die ganze Welt vor einem großen Problem der
öffentlichen Gesundheitsversorgung stehe. Deshalb müsse die gesamte “Weltgemeinschaft”
mobilisiert werden. Von einer Million registrierter Malaria-Kranker stürben
Jahr für Jahr 200.000 und an dieser “makabren Buchhaltung” trage der
Kongo seinen Teil bei. Dies sei eine traurige Realität. An vorderster Front müßten
die Moskitos bekämpft werden, zumal die Krankheit Hauptursache für die
Kindersterblichkeit unter 5 Jahren sei... Der Kongo sei noch lange davon
entfernt, die Krankheit besiegt zu haben. Sowohl hinsichtlich Prävention als
auch bei der Behandlung von Malaria gäben die Trends für das Land keinen Anlaß
zu Optimismus... Einerseits müsse die Bevölkerung ihr Verhalten im Bereich
Prävention und Behandlung ändern, andererseits müßten massiv imprägnierte
Moskitonetze verteilt werden. Besonders verbreitet sei Malaria bei Kindern
unter 5 Jahren und bei Schwangeren... Kampf gegen Malaria bedeute jetzt und
sofort zu handeln... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63487&id_edition=4319
Freitag, 25. April 2008
In den letzten Tagen war eine
“starke” belgische Delegation auf Kongobesuch: Außenminister Karel de Gucht,
Verteidigungsminister Pieter De Crem und Entwicklungsminister Charles
Michel. Seit Tagen schon findet in der kongolesischen Presse, auf einem
“Nebenkriegsschauplatz” sozusagen eine heftige Auseinandersetzung mit diesen
Herren statt, da sie offenbar recht arrogant und in neokolonialer Manier
auftreten und sich einzubilden scheinen, sie könnten den Kongolesen – mal
wieder – die Leviten lesen. Dabei ist gar nicht mehr relevant, ob ihre
Argumente, gegen die Korruption z.B. berechtigt sind oder nicht, sondern
vielmehr der offenbar recht herablassende Ton, den sich die Kongolesen einfach
nicht mehr bieten lassen wollen – und endlich, endlich - sind sie dank
Kreditzusagen aus Asien auch etwas unabhängiger geworden und genau das ist den
Belgiern ja bekanntlich auch ein “Dorn im Auge”. Heute ist die Hauptmeldung von
Le Potentiel ein Interview des Staatspräsidenten mit Colette
Braeckman, der Kongoreporterin der Brüsseler Zeitung “Le Soir”
und die Überschrift lautet: Kongo – Belgien: Der Ton wird schriller.
Ironisch beginnt der Berichterstatter, zwischen Belgien und dem Kongo herrsche
noch nicht “die perfekte Liebe” und gibt als Beweis die Begegnung
zwischen Kabila und der belgischen Delegation an. Man habe sich “Wahrheiten”
gesagt, wie bei einem “Faustkampf”. Und völlig unerwartet sei Kabila zum
“Gegenangriff” übergegangen und habe den “belgischen Provokationen im
Namen der nationalen Souveränität” gekontert. So wird plötzlich das Interview
mit Le Soir auch für die Journalisten in Kinshasa interessant...
Kabila habe übrigens in den letzten Wochen, als Vorsitzender der Gemeinschaft
der Staaten Zentralafrikas zahlreiche Reisen unternommen, so etwa nach Sambia,
Südafrika, eine Woche Indien, New York für eine Sitzung des Sicherheitsrates
und wegen des “hohen” belgischen Besuches sei er sogar einen Tag früher als
geplant zurückgekehrt, weil die Belgier den Termin sozusagen als “Beleidigung”
selbstherrlich festgelegt hätten... Der Ton der Gespräche sei dann durchaus “rauh”
gewesen und haarscharf am Eklat vorbeigeschlittert. So habe der belgische
Verteidigungsminister schließlich vor seiner Rückkehr gesagt, die kongolesisch-belgische
Partnerschaft sei “wirklich sehr stark” und sie werde die Spannungen “überleben”.
Dies also zum Hintergrund des Interviews. Und das beginnt mit einer Frage nach
der UNO-Blauhelmmission MONUC. Wo sei sie überhaupt noch notwendig? Laut Kabila
höchstens noch in den beiden Kivus. Überall sonst im Land sei sie überflüssig.
Und in den Kivuprovinzen wolle man Ende Juni Bilanz ziehen für das im Januar
bei der Goma-Konferenz beschlossene “Amani-Programm” (für den Frieden).
Und welche Bilanz ziehe er aus dem Besuch der belgischen Delegation? Ach, er
habe den Eindruck bekommen, die “Mission” sei “nicht gut organisiert”
gewesen. Man habe ihm beispielsweise eine “Nachricht” der belgischen
Regierung mitgebracht, aber das sei in Wirklichkeit gar keine Nachricht gewesen
und das habe er auch gesagt. Die Belgier müßten sich entscheiden, ob sie mit
den Kongolesen wie mit erwachsenen Partnern verhandeln wollten, mit
einem unabhängigen und souveränen Staat, oder in einem “Herren-Sklaven”-System
und entsprechend ihrer Wahl müssten sie die Beziehung aufbauen... Die
Delegation sei wirklich sehr arrogant aufgetreten, so Kabila, als ob sie
nur gekommen seien, um die Kongolesen zu belehren. Das sei nicht akzeptabel.
Der Kongo werde das nie akzeptieren und er schon mal gar nicht, obwohl
es nicht um seine Person gehe. In diesem Land sei für die Unabhängigkeit und
die Freiheit viel Blut geflossen und er werde jedenfalls weder vom belgischen
Außenminister noch von den Chinesen Belehrungen annehmen. So müssten die Belgier
entscheiden, welche Art von Beziehungen sie mit dem Kongo pflegen wollten... Er
sehe in den Belgiern zuerst einmal Partner und hoffe, dies bleibe auch so. Er
sehe in Belgien auch ein befreundetes Bruderland, mit dem er persönlich
keine Probleme habe. Aber anderthalb Jahre nach den Wahlen könne man mit dem
Kongo nicht mehr rumspringen wie in den 90er Jahren, als dort die souveräne
Nationalkonferenz tagte, die Übergangsregierung im Amt war und Kriege
herrschten. Man müsse sehen können, daß sich der Kongo grundlegend verändert
habe. Heute sei die Macht legitim. Er könne nicht akzeptieren, daß man
die Menschen im Land so behandle als sei der Kongo noch eine Kolonie... Was er
ablehne sei diese Art von “belehrender Vormundschaft”. Dies sei nicht
hinnehmbar... Ob nun der Zwischenfall ausgeräumt worden sei... Einen Zwischenfall
habe es gar nicht gegeben, da er, Kabila das nicht gewollt habe. Es gab am
Anfang nur eine Provokation. Und er wisse, daß die belgische Delegation
in solch einem Fall aus Ländern wie Angola, Südafrika, Tansania, Sudan oder
anderswo schlicht rausgeschmissen worden sei. Und es sei das letztemal, daß
sich der Kongo sowas bieten lasse. Das habe er auch so gesagt... Ob denn die Belgier
auch die Frage der Verträge mit den Chinesen angesprochen hätten?
Selbstverständlich und das schon vor längerer Zeit. Aber nach einigen
Diskussionen gehöre sowas der Vergangenheit an, insbesondere seit eine
Zusammenarbeit mit Großbritannien begonnen wurde. Das hätten alle verstanden – mit
Ausnahme Belgiens... Dabei sei der Vertrag mit den Chinesen für den Kongo
eben sehr wichtig. Der Kongo müsse sich jetzt entwickeln und zwar möglichst
schnell. Südafrika, Angola, Kongo-Brazzaville und viele andere hätten
bereits Verträge mit den Chinesen und in diesen Ländern beginne mit unglaublicher
Geschwindigkeit eine positive Entwicklung. Deshalb glaube der Kongo auf dem
richtigen Weg zu sein. Priorität habe die Infrastruktur. Man brauche
Krankenhäuser, Schulen, Arbeitsplätze und die Bevölkerung sei noch sehr jung.
Die Partnerschaft mit den Chinesen sei ziemlich unumkehrbar. Natürlich
wisse er, daß man auf der Ebene der Bretton Woods-Institutionen darüber
diskutiere. Er halte auch die Tür offen und diskutiere mit diesen
Einrichtungen. Aber der Kongo habe seine Entscheidung getroffen und man werde
diese bis zum Ende durchziehen... Die Belgier hätten unbegründet Angst davor.
Der Kongo benötige mehr als 150.000 km Straßen, davon vorrangig 15.000 km
asphaltierte Straßen – und das in den nächsten 15 Jahren. Davon würden die
Chinesen 3000 bauen. So sei für den Rest der Welt Platz genug, sich beim
Wiederaufbau des Landes zu engagieren, jedenfalls könnten das nicht allein die
Chinesen. Man wolle Partner in der gesamten Welt finden... Alle Welt spreche
über die Chinaverträge. Aber wer spreche über ungerechte Bergwerksverträge,
etwa mit Tenke Fungurume über das größte Kupfervorkommen der Welt? Da
wolle die amerikanische Gesellschaft Freeport Mac Tohan der Gecamines
12 % zugestehen und dem kongolesischen Staat gerade mal 5 %. Das sei schockierend
und dieser Vertrag werde neu verhandelt, doch darüber spreche niemand...
Schon im Jahre 2002 habe er z.B. der Bevölkerung von Kikwit eine neue Straße
nach Kinshasa versprochen – auf der Grundlage einer “Absichtserklärung”
von Herrn Prodi von der EU. Bis heute habe man davon nichts gesehen. Er könne
noch viele solche Beispiele aufzählen. Die Partner müßten auch einige
unangenehme Wahrheiten von den Kongolesen vertragen können, auch wenn sie dies
verletze. In seinem Heimatort Ankoro gebe es das Sprichwort “Zwei
Versprechen, die nicht eingehalten wurden sind eine Lüge”. Und es habe ja
so viele Versprechungen gegeben, die alle nicht eingehalten worden seien...
Statt sich auf solche Versprechungen sollte sich der Kongo auf seine eigenen,
natürlichen Ressourcen verlassen, aber auch auf seine eigenen Menschen. Er
denke manchmal daran, was er denn 2010 dem Volk bieten könne, wenn man den 50.
Jahrestag der Unabhängigkeit feiern werde und deshalb hoffe er, daß dann
überall im Land diese Baustellen eingerichtet seien und die Menschen dadurch
Arbeit bekommen hätten... Was sei ihm denn eigentlich das wichtigste Thema
gewesen, seit seinem Amtsantritt 2001? Sicherlich die Wiedervereinigung. Einige
hätten damals den Kongo für ein anderes Somalia gehalten und nicht viele seien
optimistisch gewesen, doch die Kongolesen hätten als Volk zusammengehalten.
Zweitens sei er froh über den Erfolg des Übergangs. Man habe einige Probleme
gehabt, etwa mit dem Senator Bemba, aber das sei heute überholt. Jetzt zähle
allein der Wiederaufbau. Nun sei die Hälfte seiner Amtszeit schon vorbei und
die Bevölkerung sehe noch keinen sozialen Fortschritt... Ja, das stimme, aber
er sei kein Zauberer. Er denke alles sei wie beim Bau eines großen
Gebäudes und man müsse damit anfangen, indem man Machbarkeitsstudien anfertige,
dann müßten Grundlagen gelegt werden, bevor man die Wände hochziehe. Derzeit
habe man die Grundlagen abgeschlossen und bis Juni werde man mit den Wänden
beginnen. Dann würden die Leute sehen, daß etwas geschehe... Man solle auch
nicht vergessen, daß der Kongo unter den Folgen der weltweiten
Wirtschaftsrezession leide... Auch Korruption gebe es noch und dies sei ein
sehr großes Problem. Dies mache ihm große Sorgen. Aber in einem Rechtsstaat
müsse ersteinmal die Beweisaufnahme beendet werden. Im Februar habe er mit der
Justizreform begonnen und wolle sie effizienter gestalten... Ihm wede manchmal Langsamkeit
vorgeworfen, doch er denke, er müsse vor allem klug handeln. Deshalb
dürften die Entscheidungen nicht zu schnell gefällt werden, weil dann die
Gefahr bestehe, daß alles zerschlagen werde, zumal der Kongo ein großes Land
sei. Während der Übergangszeit habe er oft Zurückhaltung üben müssen, sonst
wäre alles gefährdet gewesen... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63382&id_edition=4318
Auch der heutige Kommentar von Le
Potentiel befasst sich noch einmal mit den “Kongolesisch-belgischen
Wahrheiten”. Am Ende des Aufenthaltes der belgischen Delegation sei
sozusagen ein Waffenstillstand eingetreten, nachdem vorher scharfe Erklärungen
abgegeben worden seien und manche bereits ein Fiasko hätten kommen sehen.
Außenminister de Gucht habe nicht mehr “diplomatisch” gesprochen, sondern
von “Wahrheiten”. Doch sofort habe Kabila “nationalistisch” reagiert
und an eine Zusammenarbeit von “Erwachsenen” erinnert. Dies sei eine “schöne
Parade” der die Aufmerksamkeit der gesamten Bevölkerung des Kongos sicher
gewesen sei. Nämlich die Wahrheiten Kabilas. Aber was seien die “versteckten
Wahrheiten”? Frustrationen? Milliarden Chinesen? Die Zeit sei gekommen,
den Schleier zu lüften... Welches Spiel werde da gespielt? Dies sei
jedenfalls nicht im Interesse der belgischen und kongolesischen Völker...
Möglicherweise liege der Schlüssel des Rätsels in folgenden zwei Sätzen: “Die
belgisch-kongolesische Partnerschaft ist wirklich sehr stark. Sie sollte diese
Spannungen überleben.” - so Pieter de Crem, der belgische
Verteidigungsminister. Und: “Belgien ist in erster Linie Partner und bleibe
ein befreundetes Bruderland”, so Joseph Kabila. Ob das wohl die
wirklichen belgisch-kongolesischen Wahrheiten seien? Die Zukunft werde dies
zeigen... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63439&id_edition=4318
Eine kleine Nachricht aus der
Provinz Oriental, also im Nordosten des Kongos bringt Le Potentiel,
die man bei Radio Okapi gehört hat: Ugandische Unternehmen
beginnen auf der kongolesischen Seite Erdöl zu suchen ist die Überschrift.
Und “der Ausflug” in fremde Hoheitsgewässer des kongolesischen Albertsees
werde von ugandischen Soldaten bewacht... Beschwerden seien zuerst von der Vereinigung
kongolesischer Fischer gekommen, die in ihrer Arbeit behindert worden
seien. Die kongolesischen Militärkommandanten hätten die Ugander aufgefordert,
sich zurückzuziehen, doch die Organisation der kongolesischen Zivilgesellschaft
denke weiter. Sie habe die kongolesische Regierung aufgefordert volle
Transparenz zum Projekt der Ölförderung herzustellen. Man habe bei solchen
Projekte gewisse Pflichten der Lokalbevölkerung gegenüber und diese müßten
eingehalten werden... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63418&id_edition=4318
Die heutige Glosse von Le
Potentiel nimmt die “Problematik Inga” auf's Korn. Was habe man
nicht alles vorgehabt, als die ersten Studien zu Inga zwischen 1937 und 1960
angefertigt worden seien? Und wie euphorisch sei man 1972 und 1982 bei
Fertigstellung der Staudämme I und II gewesen! So lasse man sich jetzt nicht
daran hindern zu träumen, Inga III könne bis 2020 ganz Afrika beleuchten... Es
sei ja richtig faszinierend mitzuerleben, wie das schöne Inga Industrie
und Banken der Welt derart bezirze. Doch für die Kongolesen bleibe all das wie
ein Zwerg mit kurzen Beinen und mit einem Mikro-Gehirn, noch nicht einmal einen
Meter hoch. Und die Gründe lägen beim Mißmanagement und bei den
Produktionsausfällen. Inga wecke eine echte innere Auseinandersetzung. Im
Ausland lasse man sich von Kolloquien inspirieren, welche Investitionen ins
Land lenken wollten und im Inland sei man generell gegen die
Elektrizitätsgesellschaft eingestellt, die Spezialistin für Stromausfälle...
Die Experten sprächen von einem “enormen Wasserkraft-Potential (300.000
Gigawattstunden pro Jahr)” doch die Snel verfüge jetzt gerade mal
noch über eine Produktionskapazität von 1.775 MW. Doch jetzt halte man sich
fest. Diese stehe lediglich auf dem Papier. Wie bei einem Kronleuchter seien 8
von 12 Turbinen inzwischen ausgefallen... So seien jetzt die kongolesischen “Politicailleurs”
für die Anliegen der afrikanischen und anderer Investoren “unempfindlich”
geworden. Sie hätten die Konferenz in London schlicht boykottiert. Unter
welchem Druck wohl? Wie könnten sie den Strom von Inga III denn vor dem Export
in die kongolesischen Dörfer verteilen. Da seien sie sich nämlich ganz
unsicher... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63383&id_edition=4318
Die Berliner taz
bemüht sich als Sprachrohr Ruandas. Umgang mit Hutu-Milizführer ist die
Überschrift, Ruanda fordert deutsche "Maßnahmen". Die
UNO-Sanktionen gegen den in Deutschland lebenden FDLR-Führer müßten umgesetzt
werden, habe Kagame Merkel gegenüber gefordert. Und diese habe geantwortet,
Deutschland nehme das UN-Sanktionsregime “sehr ernst”. Der Artikel
schließt mit diesen Worten: Wie einflussreich die Ideologie der ruandischen
Völkermordapologeten in Deutschland ist, zeigte sich unterdessen in den
linksliberalen Tageszeitungen Junge Welt und Frankfurter Rundschau, die anlässlich
des Kagame-Besuchs in Meinungsbeiträgen zentrale Thesen der FDLR wiedergaben.
So machte der Schriftsteller Hans-Christoph Buch gestern in der Frankfurter
Rundschau in einem "offenen Brief" an Bundespräsident Horst Köhler
Kagame indirekt für den von seinen Gegnern in Ruanda verübten Völkermord
verantwortlich, aufgrund einer fälschlich als "rechtskräftiges
Urteil" bezeichneten Anklageschrift eines französischen Untersuchungsrichters.
Wenige Tage zuvor hatte die FDLR in einem eigenen "offenen Brief" an
Köhler ähnlich argumentiert. http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/ruanda-fordert-deutsche-massnahmen/?src=MT&cHash=52f3c8eb85
Die
Wirtschaftsnachrichtenagentur financial.de berichtet, die
kanadische AfricanMetals meldet vier “Anomale” Kupfer- und Kobaltzonen von
beträchtlicher Größe – in Katanga. Man sei mit den Ergebnissen der
Untersuchungen “sehr zufrieden”. Man habe bei Probenlinien im Abstand
von 400 m insgesamt 4.922 Bodenproben entnommen; die Proben wurden entlang
einer jeden Linie in 100-Meter-Abständen entnommen.... Die Ergebnisse brachten
zwei Zielgebiete mit übereinstimmenden Kupfer- und Mangananomalien, welche eine
Größe von etwa 1.200 mal 800 m aufwiesen, und zwei weitere anomale Gebiete mit
einer Größe von etwa 1.000 mal 400 m und anomalen Kupfer- und Kobaltwerten
hervor. Die beiden übereinstimmenden Kupfer- und Manganzielgebiete stehen
anscheinend in Zusammenhang mit dem nordnordwestlich verlaufenden
lithologischen Kontakt zwischen der Roan Formation und dem Rand Conglomerate
und befinden sich in der Nähe einer nordöstlich verlaufenden linearen Struktur,
die durch Bilder des Satelliten Landsat definiert wurde. Ähnlich ausgerichtete
Strukturen in Katanga stehen manchmal in Zusammenhang mit Kupfer- und
Kobaltmineralisierungen inÜbergangsstrukturen. AFR erwarb die Bilder von
Landsat und ist nach deren Interpretation nun in der Lage, möglicherweise
versteckte mineralisierte Zonen in den Konzessionsgebieten anzupeilen... http://www.financial.de/news/unternehmensnews/2008/04/24/dj-irw-press-african-metals-corp-african-metals-meldet-vier-anomale-kupfer-und-kobaltzonen-von-betrchtlicher-grsse/
Reuters
meldet “Hunderte von Kongolesen fliehen vor Kämpfen im
Nordkivu”. Offenbar finden im Rutshuru-Gebiet, etwa 70 km nördlich von Goma
wieder neue Kämpfe statt. Die Kämpfe seien zwischen Regierungs- und
FDLR-Truppen, also Hutumilizen, ausgebrochen. http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/UNHCR/7c12e4785d7a9abac8d69ffe3b527577.htm
Donnerstag, 24. April 2008
Die heutige Hauptschlagzeile von Le Potentiel betrifft ein
scheinbar völlig innenpolitisches Problem. Verursacher der Panik sei aber die
FIFA, also der internationale Fußballverband. Dieser wolle nämlich das größte
Stadion Kinshasas für internationale Turniere wegen Baufälligkeit schließen
lassen, wenn nicht schleunigst Erneuerungsarbeiten durchgeführt würden. Und
jetzt es gehe um eine Auftragsvergabe... Nach den Straßen
übernehme jetzt auch die Mafia das Stadion der Martyrer, welches Mitte
der 80er Jahre von den Chinesen erbaut worden sei, ebenso wie der Volkspalast,
in dem heute das Parlament tage... Und die Chinesen hätten sogar permanent eine
Reparatur-Equipe in Kinshasa für diese Gebäude, doch der Standard des Stadions
enspreche nicht mehr internationalen Normen So habe man jetzt dafür 10 Firmen
beauftragt, welche alle Arbeiten in gerade mal 14 Tagen für 4 Mio. Dollar
durchführen sollten. Und darüber regt sich Le Potentiel heute
morgen unendlich auf. Diese Firmen seien nicht in der Lage gewesen, die Straßen
Kinshasas zu sanieren und jetzt sollten sie – statt der Chinesen – diese Arbeiten
durchführen können? Sie seien eine “Baumafia”, welche schon viele Gelder
verschwinden ließ. Sie sei gut in der Organisation von Ausschüssen usw. usw.
Kein Anzeichen gebe es, daß sie Qualität liefern könnten. Einige dieser Firmen
seien für ihr zwielichtiges Gebaren bekannt... http://www.lepotentiel.com//afficher_article.php?id_article=63350&id_edition=4317
Im Vergleich zur gestrigen taz
bringt heute die Berliner Zeitung “Junge Welt” das Kontrastprogramm,
pünktlich zum ruandischen Staatsbesuch in Deutschland. Der ruandische Präsident
Paul Kagame, so das Blatt, “ist verantwortlich für die Tragodie in
Ruanda” - dies behaupte jedenfalls die Chefanklägerin für Sondertribunale
in Den Haag, Carla del Ponte in einem Buch. Problem sei gewesen, daß
ihre Vorgängerin, Louise Arbour, die Mörder des ruandischen Präsidenten Juvénal
Habyarimana gedeckt hätten, wie eine UPI-Meldung, fast unbemerkt von der
Öffentlichkeit mitgeteilt habe. Die Rebellen Kagames hätten angeblich den Flugzeugabsturz,
bei dem Habyarimana umkam, geplant und durchgeführt, doch Arbour habe die
Ermittlungen dazu gestoppt – und zwar auf Druck der USA, welche den Tutsis aus
“geostrategischen Gründen zur unangefochtenen Macht” verhelfen wollten.
Im Gegenzug hätte seine vormalige Rebellenbewegung den Ostkongo unter ihre
Kontrolle gebracht, wo sich heute amerikanische, britische und kanadische
Konzerne bereichterten... Kagame sei der “Liebling George W. Bushs”
und seines Vorgängers Clinton. Er sei jedoch ein Kriegsverbecher und
verantwortlich für den Völkermord in Ruanda... Die Ermittlungen eines
französischen Richters hätten bewiesen, daß Kagame seinerzeit Kopf einer Gruppe
gewesen sei, welche die Ermordung Habyarimanas planten... http://www.jungewelt.de/2008/04-24/028.php
Anläßlich des Weltweiten Malaria-Tages bringt
die Berliner taz eine Art Parodie auf Entwicklungsprojekte im
Kongo. Der Einzelfall – des Deutschen Rotes Kreuzes in Kindu – mag
stimmen, solche Beispiele lassen sich, wenn man will, immer wieder mal finden,
aber – und das muß hier deutlich gesagt werden – sie sind keineswegs
charakteristisch für den Kongo, ja, den Kongolesen wird durch solch eine
Berichterstattung Unrecht getan, zumal sich die taz ansonsten
nicht gerade darin hervortut, schonmal aus solchen Projekten zu berichten. Zum Malaria-Tag
hätte der Kongo eine würdigere Prasentation in der taz verdient –
etwa mit einem Bericht über den hingebungsvollen Einsatz der Gruppen von ANAMED
(Alternative Medizin in den Tropen) zur Verbreitung der Pflanze Artemisia
annua im Kongo, die ein wirksames Mittel gegen Malaria ist. Aber diese
stille, erfolgreiche Arbeit paßt natürlich nicht in den 3-K-Journalismus
der taz (Kriege, Krankheiten, Katastrophen)... http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/wir-toeten-die-fliegen/?src=HL&cHash=cae0b692b6
Die Washington Post bringt wieder
einmal einen hervorragenden Kongoartikel und zwar diesmal über die sogenannten
“handwerklichen Bergarbeiter”, die “überall im Kongo gegen die moderne
Industrie” kämpften. In der Tat hat nach dem Zusammenbruch der meisten großen
Bergwerksgesellschaften am Ende der Mobutuzeit überall im Land ein eifriges
Buddeln sozusagen freischaffender Bergarbeiter begonnen, die auf eigene
Rechnung, aber oft ohne jeglichen Schutz und unter Lebensgefahr nach wertvollen
Metallen, wie Gold oder Diamanten mit einfachsten Mitteln suchen. Diese
Situation wird in dem Bericht sehr schon dargestellt und in einem Film auch ein
illegales Lager solcher Bergarbeiter im Ostkongo gezeigt. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/04/23/AR2008042303509.html
Mittwoch, 23. April 2008
An diesem Mittwoch ist Hauptthema in der Zeitung Le Potentiel in Kinshasa die Gesetzgebung zu den Themen Bergbau, Forstwirtschaft und Reformen... Und dann wird über das “Verbrechen” der Weltbank im Kongo geschrieben... Der Ansatz der internationalen Finanzinstitutionen für die Verringerung der Armut im Kongo komme immer mehr einem Verbrechen gleich, schreibt das Blatt. Alles scheine einem vorher festgelegten Plan zu folgen der bewirke, daß die Kontrollen und die Produktion sich immer mehr zu den multinationalen Unternehmen verlagere. Nach dieser Logik seien es einmal mehr die Reichsten, nämlich die multinationalen Konzerne, welche ihre Regeln dem kongolesischen Volk aufzwingen würden – und das mit dem Segen der Weltbank... Die Vorwürfe, die ihnen gegenüber laut würden beträfen insbesondere ihre unsoziale Politik, welche keine Mittel bereitstelle, um die sozialen Auswirkungen ihrer Politik abzumildern... Man leiste nicht ausreichend Ausgleichszahlungen und auch der Staat ziehe keinen großen Nutzen aus der Ausbeutung der eigenen Ressourcen. So sehe das Bergbaugesetz lediglich eine Gebührenabgabe von 5 % vor, ohne weitere Einnahmegarantien. Eher würden noch Gebührenbefreiungen erwirkt und Ausnahmegenehmigungen erteilt, außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen, indem man